laut.de-Kritik

Sättigendes Blues-Barbecue. Heiß und fettig.

Review von

Mittlerweile ist der Elbblues auch im gelobten Land angekommen: Die US-amerikanische Plattform MovieClips verwendete Teile des Songs "Grinnin' In Ya Face" für eine Videopräsentation. Das Cover von "Way Down In The Hole" für die TV-Serie "The Wire" erntete Lob von Tom Waits höchstpersönlich. Mit ihrem kosmopolitischen Ansatz belegen Brixtonboogie auf "Crossing Borders" erneut, was der Blues zu leisten imstande ist. Noch heute. Und wie!

"Heaven" beginnt mit schwarzem Klagegesang auf den Baumwollfeldern. Bis sich eine Rapstimme einmischt und Drums das Kommando übernehmen. Erst danach startet der eigentliche Song mit einer energischen Mascha Litterscheid voll durch: ein starker R'n'B-Opener, der von Anfang an eine Menge eingefahrener Hörweisen beiseite wischt. Brixtonboogies Paradedisziplin.

"Love Ain't Just A Word" gefällt als bunt arrangierter, vielstimmig eingesungener Souler mit dezenter Bondsong-Attitüde. Der grimmige "John The Relevator" räumte als Vorab-Auskopplung mit einer Nummer-eins-Platzierung bereits kräftig in den iTunes-Charts ab. Eindringlich wandert Wayne Martins Stimme über kräftige, effektiv verschleppte R'n'B-Beats. Gleiches gilt in der Grundstruktur für "Something Within Me", hier allerdings mit rabenschwarzem weiblichem Gesang veredelt.

"Crossing Borders" verfeinert das Vorgehen, dem klassischen Blues per Vermengung mit zeitgenössischen Sounds und Samples eine kräftige Frischzellenkur zu verpassen und legt gegenüber "Urban Blues" sogar noch ordentlich was drauf. Die vielschichtig angelegte Abenteuerreise durch vergangene Stilepochen zum heutigen Zeitgeist überzeugt durchwegs.

Die altbekannte "Black Betty" ist dank eines geglückten Sound-Liftings nicht mehr wiederzuerkennen. Gepflegten Edelrap mit erdigen Rhythm-Einschüben serviert der wachsam umherschleichende "Death House Blues". "Blood & Fire" kochen in einem Sud aus wummernden Beats und aggressivem R'n'B. Der erste Ruhepunkt des Albums, "Early In October", gefällt als verhalten inszenierte und höchst eindringlich eingespielte Pianoballade.

Das Spiel mit populären Elementen macht auch vor dem Griff in die Sixties-Popkiste nicht halt. "Lightnin' & Thunder" erweist sich als maßgeschneidert für Waynes Interpretationstechnik.

Über angeschmutzten Beats erweckt er, eingängig, aber nie gefällig, den alten Motown-Zauber wieder zum Leben. Dabei gerät er nie auch nur in die Nähe der Plastik-Remakes des Genres, wie eine Duffy oder ein Phil Collins sie zelebrieren.

"U Gotta Move" erzeugt beim Hören pure Gänsehaut und räumt dank seiner Seele all das halbgare Zeug, das so häufig unter dem Etikett "neuzeitlicher Blues" läuft, erbarmungslos beiseite.

Trotz der durch die Bank fabelhaften Musiker um Krisz Kreuzer, darunter Rapper AJay, DJ Suro oder Mascha Litterscheid: Die eigentliche Seele Brixtonboogies stellt Wayne Martin dar. Seine von den Widrigkeiten des Lebens gezeichnete Stimme fungiert längst als prägnantes Aushängeschild der Band. Mit seinen mittlerweile 70 Jahren fühlt er sich hörbar wohl in seiner Rolle als bekennender Grenzgänger zwischen Blues, Soul und Rap.

Genre-Klischees umgehen Kreuzer & Co. dank wissendem und handwerklich meisterlichem Händchen. Ihre Tracks bedienen Kopf und Bauch gleichermaßen. Sogar der Pop, wenn er überhaupt irgendwo auszumachen ist, bekommt einen hochwertigen Mantel umgelegt. Brixtonboogie servieren mit "Crossing Borders" ein absolut sättigendes Blues-BBQ. Heiß und fettig.

Trackliste

  1. 1. Heaven
  2. 2. Love Ain't Just A Word
  3. 3. John The Revelator
  4. 4. Something Within Me
  5. 5. Black Betty
  6. 6. Death House Blues
  7. 7. Blood And Fire
  8. 8. Out Of My Head
  9. 9. Early In October
  10. 10. U Gotta Move
  11. 11. Down In The Hole
  12. 12. Trouble Me No
  13. 13. Lightnin' And Thunder
  14. 14. My Heartbeat's Drummin'
  15. 15. Back Home
  16. 16. Wayfaring Stranger

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