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Wollte sie vor Jahren noch unbedingt ihr braves Girlie-Image loswerden, sieht Britney Spears sich nach Scheidungskrieg, Glatze, Drogenmissbrauch, Ohne Höschen-Fotos mit Paris Hilton, Drogenreha und Sorgerechtsstreit plötzlich unerwartet weit unten angekommen. Der gefallene Engel leitet "Blackout" gleich mal mit einem lasziven "It's Britney, bitch" ein. Kalkulierte Provokation oder blanke Ironie?
Fähige Produzenten verpassen der 25-Jährigen ein, wer hätte es gedacht, Disco-Album. Allein, die nur teilweise glaubwürdige Verwandlung vom biederen Pummelchen zur Disco-Queen langweilt, und das ist nicht mal böse gemeint. Die Single "Gimme More" stampft für Brits Verhältnisse höchstens zu cool vor sich hin. Doch die gesamte Platte pluckert auf relativ hohem Niveau von einem zum nächsten Track. Sie kommt und geht ohne Höhepunkte.
Fast so als wollte man nicht hyperventilieren, irgendwie Haltung bewahren und drüber stehen, wie es eben die wirklich Erwachsenen immer versuchen. Kongruent dazu bleiben die Tempi mehr oder weniger im selben BPM-Bereich, die elektronischen Spielereien zurückhaltend dosiert. Ein klarer Hit, wie "Toxic" einer war, findet nicht wirklich statt.
Hinter dem Mischpult legten in erster Linie Nate Hills (Nelly Furtado, Timbaland) sowie das schwedische Produzenten-Team Bloodshy & Avant, seinerzeit auch für "Toxic" verantwortlich, Hand an. Gerne greifen die Mainstream-erfahrenen Fachleute zu recht toughen Strophen, um in den Refrains wieder Brits ehrliche Seite zu zeigen: mit eingängigem Girl-Pop, bei dem es schon mal happy bis kindisch zugehen kann ("Hot As Ice").
Manche Stücke gehen durchaus in Ordnung. Etwa "Radar", das von Tracks wie Soft Cells "Tainted Love"-Cover inspiriert sein könnte - Britney legt hier vocodergestärkt gute Gesangslinien ins Mikro. "Toy Soldier" fällt mit aufdringlicher Elektro-Snare auf, "Ooh Ooh Baby" shuffelt gehörig und "Heaven On Earth" zitiert nicht als einziger Track die 80er-Jahre - ohne fette Clap und blubbernden Bass machts Britney bei allem Pop-Appeal nicht mehr.
Angesagter Elektropop und ein Club-Rundumschlag dominieren "Blackout", ein wenig R'n'B gesellt sich noch hinzu. Kein schlechter Ansatz - bei vielen Stars gehört der aber bereits zum guten Ton. Britney Spears serviert die Light-Version. Irgendwie ehrlich.
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