Porträt

laut.de-Biographie

Brian Eno

Als Gründungsmitglied von Roxy Music fällt es vermutlich weniger schwer als manch anderem, eine Solokarriere zu starten. 1973 verlässt Brian Eno die Truppe um Bryan Ferry. Mit "Here Come The Warm Jets" beginnt er eine überaus erfolgreiche und stilbildende eigene Laufbahn. Später einmal nennen ihn Elektro-Klangfetischisten ein Vorbild und einen Wegweiser, Enos Name fällt in einem Zug mit Steve Reich und Philip Glass.

Brian erblickt am 15. Mai 1948 in Suffolk in England das Licht der Welt. Erste Spuren in musikalischen Geschichtsbüchern hinterlässt er mit Roxy Music Anfang der 70er während der Glitter-Rock-Ära. Er zeichnet maßgeblich für den Sound von Roxy Music verantwortlich und bastelt nach der Trennung an einem Stil, der Ambient heißen wird.

Musik mit Klang und Raum. Musik, die Stimmungen und Atmosphären erzeugt. Musik, die dem Raum zwischen den Noten Referenz erweist. Musik, die still bewegt und zum Meditieren oder Chillen einlädt. Ohne Brian Eno hätte es The Orb, Kruder und Dorfmeister oder Massive Attack wohl nicht gegeben.

Einen musikalischen Meilenstein setzt Eno 1978 mit dem Album "Ambient 1: Music For Airports". Seine Tätigkeit als Produzent setzt gleichfalls Maßstäbe. Die eigenwillige Soundästhetik führt etwa die Talking Heads oder U2 zum Erfolg. David Bowie profitiert ebenfalls. Die Liste erfolgreicher Kollaborationen beeindruckt: John Cale, Robert Fripp, Laurie Anderson, Howie B., Harold Budd, Jon Hassell, David Byrne ... und Luciano Pavarotti!

Als Pionier im Tape-Looping erforscht Eno in den 70ern experimentelle Formen der Klang-Manipulation. Gemeinsam mit seinen 'klassischen' Kollegen ist er damit seiner Zeit voraus: Er löst sich von konventionellen Songformaten und versucht nachhaltig, die Ideen von John Cage in seiner Musik zu etablieren. Selbstredend gehört er zu den Ersten, der die Möglichkeiten eines Samplers erforscht und in die elektronische Klangwelt einführt.

Aber nicht nur dem Ohr gilt seine Aufmerksamkeit. Brian Eno setzt sich während seines Kunststudiums auch mit visuellen Medien auseinander. Bedeutende Galerien weltweit stellen seine Videoinstallationen aus. Dabei setzt Eno die Bilder in Beziehung zum Klang und schafft neue Umgebungen, die im etablierten Kunstbetrieb in erster Linie Unsicherheit auslösen.

Etwa sein 1996 fertig gestelltes Konzept der "sich selbst entwickelnden" Komposition, in dem es darum geht, der Musik - natürlich computergestützt - das Laufen beizubringen. Eine Komposition würde demnach nicht zwei Mal auf dieselbe Weise erklingen, sondern ... sich selbst fortentwickeln. Äh, ja.

Auch einen Extremklangforscher wie Eno treibt es gelegentlich dennoch zur guten, alten Liedform zurück. 2005 veröffentlicht er mit "Another Day On Earth" eine Scheibe, die einfach nur elf Songs enthält.

"'Another Day On Earth' ist von unerhört subtiler Tiefe, an deren Oberfläche man sich dauernd dabei ertappt, (nicht) an David Byrne zu denken oder denken zu wollen", schreibt ein Journalist über Enos Ausflug in herkömmliche Musikgefilde. Das dürfte ab Mitte 2008 noch schwieriger werden, wenn Eno gemeinsam mit Byrne das Album "Everything That Happens Will Happen Today" veröffentlicht.

Zuvor berufen ihn bereits 2007 die britischen Liberal Democrats als Berater. Er soll junge Wähler ansprechen, so der Parteivorstand. Seine Arbeit mit U2 und Coldplay zeige, dass er die Sprache der Jugend spreche. Was immer das heißen mag.

Doch Vollblutkünstler halten es in der Regel nicht lange im Politiksumpf aus. So besinnt sich 2010 der mittlerweile 62-jährige Soundmagier auf ganz alte Tugenden: Innovation und Überraschungspotential. Zwar packt er leider nicht erneut seine alte Federboa samt Make-Up aus. Dafür begibt er sich in die Arme des renommierten Elektrolabels Warp.

Die so frei gesetzten Energien tun ihr Übriges: "Small Craft On A Milk Sea" fasziniert jenseits aller Routine. Fiebrig, giftig und auf schamanisch, archaische Weise tanzbar. Dieselbe Implosion gelingt ihm auf dem Nachfolger "Drums Between The Bells" in Zusammenarbeit mit dem Dichter Rick Holland nicht ganz.

Die neu gewonnene Freude an puristischen Solosachen erweckt Enos Produktivität. Nur ein Jahr später krönt er den Schaffensdrang mit "LUX", einer lichtdurchfluteten Ambientlandschaft vollgestopft mit zurückhaltend bunten Klangbildern ohne jeden Rhythmus.

"Sobald ich irgend einen Sound höre, schlägt dieser mir eine emotional passende Stimmung vor.", sagt Brian Eno. Wenn das so ist, darf man sich auch noch auf eine Menge eigenwilliger Musik freuen.

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Brian Eno - LUX: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2012 LUX

Kritik von Ulf Kubanke

Eine vollkommen puristische Ambient-Komposition. (0 Kommentare)

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