Porträt

laut.de-Biographie

Brandt Brauer Frick

Die deutsche Clubkultur, sie differenziert sich nach mehr als zwei Jahrzehnten immer weiter aus. Während die einen DJs mit ihrem Publikum zu monotonen 120 BPM, bunten Pillen und Flitzepulver unverdrossen puren Hedonismus wie zu Hochzeiten der Loveparade zelebrieren, arbeiten gleichzeitig kluge Autorenköpfe daran, die Formstrenge und das Flowerlebnis von elektronischer Musik an neue, hochkulturelle Kontexte von Popularmusik und moderner Klassik anzudocken.

DJ-Gott Ricardo Villalobos tüfftelt mit Max Loderbauer an den Frequenzlücken im Katalog des renommierten Jazz-Labels ECM herum. Das Projekt Aufgang verwebt höchst kunstsinnig repetitive Synthesizerspuren mit gehobener Jazz-Rhythmik und fiebrigen Piano-Improvisationen. Und Musiktheoretiker wie Steve Reich, Philip Glass oder Herbert arbeiten noch viel länger an der Überwindung der Genre-Formalismen. Selbst die Detroit-Legenden Jeff Mills und Carl Craig
sind schon mit klassischen Orchestern aufgetreten.

Techno ist erwachsen geworden, seine Verschulung schreitet voran. Auch das Trio Brandt Brauer Frick aus Berlin bereichert diesen intellektuellen Diskurs um eine 'Neue Musik'. Paul Frick ging noch in die Grundschule, als 1989 zur ersten Love Parade eine Hundertschaft an Ravern über den Kurfürstendamm streunte. Mit Techno kann er anfangs wenig anfangen, zu unernst erscheint ihm das hemmungslose Treiben in den Berliner Clubs. Statt der einstmals obligatorischen DJ-Karriere beginnt er ein Kompositionsstudium an der Universität der Künste.

"Ich musste erst mal acht Jahre Komposition studieren, um Techno zu mögen", wird Frick später dem Berliner Tagesspiegel erzählen. Er meint dabei allerdings nicht synthetischen Produzenten-Techno mit stumpfen Bassgrooves und peitschenden Noisebrakes, sondern eine körperliche Clubmusik, die bis auf einen Moog-Synthesizer ohne maschinelle Zuhilfenahme auskommt. Der Groove von Brandt Brauer Frick, er ist zutiefst menschlich. LaBrassBanda verfahren da trotz urbayerischer Grundierung nicht recht viel anders.

Mit klassischem Instrumentarium entstehen die Tracks von Brandt Brauer Frick: Schlagzeug, Klavier, Xylophon, Glockenspiel, Cello, Geige, Trompete, Tuba, Harfe. Saxophon und Kontrabss sind dagegen unerwünscht, zu sehr werden sie mit Jazz assoziiert. 2008 hat Frick die Zusammenarbeit mit den zwei weiteren Namensgebern des Projekts, Daniel Brandt und Jan Brauer, begonnen. Sie haben zuvor bereits in Wiesbaden unter dem Namen "Scott" an einer Synthese aus Jazz und Techno getüfftelt.

Nach einigen vielversprechenden Singles erscheint im Herbst 2010 das Debütalbum "You Make Me Real" beim Berliner DJ-Kicks-Label !K7. Trotz der clubtauglichen Viertel-Bassline ist es ein Album, das sich in seinem gedämpften Swing deutlich von der maschinellen Konkurrenz abhebt. Den Vogel schießen Brandt Brauer Frick seinerzeit mit dem Musikvideo zu "Bop" ab, in dem man sich in einem schrillen Fernsehshow-Setting als Mensch-Maschine im Anzug inszeniert. Den Clip postet sogar ein beeindruckter Kanye West in seinem Blog.

Klar, dass man bei Brandt Brauer Frick auch an Kraftwerk denken muss. Konsequenterweise hat sich das Projekt mit dem zweiten Album "Mr. Machine" als zehnköpfiges Ensemble mit klassisch ausgebildeten Profimusikern neu definiert. Für die Zukunft hat man sich vorgenommen, bloß nicht zu klingen wie sonstiger House oder Techno. Der letzte Track des zweiten Albums gibt anscheinend die Richtung vor. Er heißt: "606 'n' Rock'n'Roll".

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