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10 Jahre nach ihrem Welthit "End of The Road" sind Nathan, Shawn, Wanya und Michael alias Boyz II Men back in the game. "Full Circle" heißt ihr neustes Werk, vollgepackt mit dem, was man von dem schmucken Quartett aus Philly erwartet: soulige, romantische, melodische und melancholische Balladen. Bevor jedoch Langeweile ein tritt, sei gesagt, dass dies nicht alles ist.
Unter die Balladen haben sich auf "Full Circle" ein paar gut gewürzte, eingängige, rhythmisch-tanzbare Mid- und Uptempotracks gemischt, die deutlich heraus ragen. So zum Beispiel "Ain't A Thang Wrong". Ohne völlig umzuhauen, zieht der Song mit Rhythmus und Eingängigkeit dahin und schreit praktisch nach Clubnacht. Das Album erwischt so einen Blitzstart - von 0 auf 100 in wenigen Tracks.
Da ist ganz zu Anfang "Relax Your Mind", eine lockere, milde R'n'B-Ballade im Mid-Tempo Stil, die einen guten ersten Eindruck hinterlässt, sieht man mal von dem unsäglichen Faith Evans Schluss-Part ab. "I Like It, I Like It, I Really, Really Like It", diese paar Zeilen schmücken grundsätzlich jeden einfallslosen Track und zeugen nicht garde von Ideenreichtum. Daneben gibt es die Balladen "The Color Of Love" und "Whatcha Need" auf die Ohren, ein Fest für ein jedes Hörorgan. Denn die beiden Tracks bringen das Boyz II Men Merkmal hervorragend zur Geltung: die göttlichen Stimmen der vier. Diese stellen wahrscheinlich jeder Frau die Nackenhaare auf. Wenn der Gesang des Quartetts nicht nach purem Sex schreit, was tut es dann? Sinnlich, gefühlvoll, sexy ... wie schön.
Dass dabei die Texte nicht wirklich tiefgründig und emotional, sondern stellenweise platt, langweilig und viel zu flach sind, fällt nicht ganz so schwer ins Gewicht. Wobei "Whatcha Need" und "Color Of Love" auch in dieser Kategorie die Frontrunner sind. Die Texte sind hochemotional, nicht zu schmalzgeladen und auch nicht zu lahm. Weiterhin wechseln sich jedoch Lyrics über Liebe und Gefühle mit solchen über Clubnächte mit den Jungs ab, wie bei "Roll Wit Me".
Zwischen großer Liebe und großen Gefühlen einerseits und dem lässigen Leben eines coolen Kerls andererseits, das ist Boyz II Men 2002. Da sich dies im letzten Drittel von "Full Circle" nicht nur fortsetzt sondern in noch stärkere sexuelle Anspielungen ausartet, hat man den Eindruck, als könnten sich die Jungs nicht wirklich zwischen Authentizität und Fiktion, zwischen großer Liebe und heißen Flirts entscheiden. Macht dennoch nichts, denn durch rhythmische Hooks und tanzlastige Beats stechen die R'n'B-Tracks hervor und lassen keinen Zweifel, dass auch sie auf einem Boyz II Men-Album ihre Berechtigung haben.
Neben Boyz II Men sind auf dem Album größtenteils Songwriter und Produzenten der aller ersten R'n'B-Riege wie Babyface, Terry Lewis und Jimmy Jam (Janet Jackson) vertreten. "Full Circle" ist perfekt produziert ohne große Ecken und Kanten oder Makel. Man könnte sagen blitzblank, aber wenn zum Schluss hin Wanya, Michael, Shawn und Nathan noch mal ihre Stimmen klingen lassen und mit ihren Goldkehlen eine Ballade erster Güte preisgeben, ist alles egal ...
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