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Im just vergangenen Jahr hatten wir, glaubt man dem Feuilleton, zwei Todesfälle zu beklagen: Hip Hop und Pop. Da mutet es rührend und auch ein wenig trotzig an, wenn aktuell das Zeit-Magazin anlässlich einer Patti Smith-Story in großen Lettern verkündet: "Der Rock'n'Roll stirbt nie".
Zeitgleich erscheint neues Material des Black Rebel Motorcycle Club, immerhin eine Band, die einst vor allem mit ihrem Hit "Whatever Happened To My Rock'n'Roll" als große Hoffnung in Sachen Rock in Erscheinung getreten ist. Wie steht es also um den Rock'n'Roll anno 2010?
Nimmt man dieses erste Album der US-Biker mit Leah Shapiro an den Drums tatsächlich als Indiz, dann muss die Antwort ambivalent ausfallen. Los etwa geht's mit einem veritablen, hübschen Stomper: Das Titelstück aber ist das einzige wirkliche Highlight unter den Midtempo-, respektive schnelleren Stücken.
Weit überzeugender nämlich geraten die balladesken Momente, von denen "Beat The Devil's Tattoo" einige bereithält. "Sweet Feeling" etwa, ein Tearjerker, der zumindest den Verfasser dieser Zeilen an selige Hair Metal-Zeiten erinnert (kennt irgendwer noch Bands wie Warrant oder Cinderella?). Klar, dass da auch eine Mundharmonika nicht fehlen darf. "The Toll" ist tatsächlich toll, die hier auch zu vernehmende Frauenstimme (Courtney Jaye) tut ein Übriges.
Stücke wie "Bad Blood" oder "Shadow's Keeper" würden auch den Gallagher-Brüdern gut zu Gesicht stehen (ob Noel wohl noch Fan der Band ist?). Der hypnotisch-düstere, Blues- und Psychedelia-geschwängerte Sound des Trios aus San Francisco aber langweilt an einigen Stellen dieser Veröffentlichung ganz gehörig: wenig inspiriert der oft verzerrte, teils nölige Gesang, recht medioker das Gitarren-Spiel, zu konventionell, teils muffig die Arrangements.
Ähnliches gilt für die raue LoFi-Produktion, die mehrfach einfach zu verrauscht daherkommt: The Jesus And Mary Chain lassen grüßen. Eine Rockband, die voller Stolz das Wort "Rebel" im Namen trägt, dürfte sich im Jahr 2010 schon ein wenig mehr an Frische und Innovation gönnen.
Der vorletzte Song indes trägt den Titel "Long Way Down" und tatsächlich stellt sich das ganze Album als langer, etwas ermüdender Weg dar: Gut 70 Minuten Spiellänge, ein Viertel der Songs hätte man locker weglassen können.
Und dann, ganz zum Schluss, doch noch eine freudige Überraschung: Ein Bonus-Track, der nicht nur ein weiteres Mal unterstreicht, wo die Stärken dieser Platte liegen (Balladen!), sondern sich auch an Edgar Allan Poes herzbewegendem Gedicht "Annabel Lee" versucht: "It was many and many a year ago, in a kingdom by the sea, that a maiden there lived ..." Wer seinen Poe im Schrank hat, wird mitlesen können und darüber staunen, wie sehr sich der B.R.M.C. an das Original von 1849 hält. Wahrlich eine schöne Idee.
Während Annabel also längst ihr Grab "by the sounding sea" gefunden hat, ist der Rock'n'Roll natürlich nicht tot, er könnte nur, das zeigt dieses Album, mal wieder ein paar tiefe Züge frischer Luft vertragen.
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