laut.de-Kritik

Melancholisch beklemmend und euphorisch erhaben.

Review von

Ein paar Jährchen sind ins Land gegangen, seit Björn 2005 sein Zweitwerk "Trans Pony" veröffentlichte. Nicht dass hier der Eindruck entsteht, der Schwede aus Schwaben sei in der Zwischenzeit untätig gewesen. Aber der Musikindustrie-Dschungel schien doch zu feindlich und gefährlich.

So kamen die Fans nur über die künstlereigene Webseite und bei unzähligen Konzerten in den Genuss von Nachschub in Form von Tapes, CDs und MP3 im Selbstverlag. Doch nun fanden die Hamburger von Devil Duck etwas Platz in ihrem Nest. Endlich.

Denn das dritte Album "Quietly Happy And Deep Inside" wartet schon seit geraumer Zeit auf die Publikation. Dies ist für den umtriebigen Singer/Songwriter trotz der Unsicherheit in diesem Fall mehr Segen als Fluch. Denn neben der nervenaufreibenden Labelsuche spielte und sang er mit Freunden aus der Göteborger Musikszene.

Die Streicher-Arrangements stammen von Violinistin Karin Wiberg (The Book Of Daniel, Boy Omega) und kommen damit einem Gütesiegel gleich. Neben vielen anderen beteiligten sich auch The Book Of Daniel, Susanna Brandin (Winter Took His Life), Christian Ljung (Leopold) und Therése Kjellvander. Am Aufnahmeknopf nahm einmal mehr der umtriebige Per-Ola Eriksson Platz.

Während hierzulande der Frühling etwas Leben in den grauen Alltag bringt, schallen dank dieser Platte die wärmsten Töne aus den Boxen. Gegenüber der Jahreszeit hat Kleinhenz leichte Vorteile, denn immerhin blieb seiner Musik genug Zeit und Ruhe, um zu wachsen.

So schlagen die elf Lieder bereits beim ersten Durchlauf Wurzeln im Herzen und in den Gehörgangen. Der erste Song "At Night We Die" wirft schwungvoll mit Schlingpflanzen um sich. Das unaufdringliche "The Quest For Your Heart" steht dem in nichts nach. In "I Whisper, He Lives" gelingt Björn (wie ganz nebenbei auch Christian Kjellvander), was schon Lee Hazlewood eindrucksvoll bewies: Country funktioniert auch, wenn er aus Schweden kommt.

Wer von diesem oder dem Folk-Genre allerdings Ausschlag bekommt (in diesem Fall empfiehlt sich auch das Skippen von "Bars And Beds" und "The Light Of Love", worin erneut die Pedal-Steel-Gitarre zum Einsatz kommt), den entschädigt das intensive und pathetische "Poets Dying".

Das abwechslungsreiche Album entstand in der "Tredje Långgatan 26", der im letzten Lied ein Denkmal gesetzt wird. Erst reduziert und bedächtig, später mit großer ausufernder Geste besingt Björn sein Heim in mehr als sechs spannenden Minuten. Die Bedeutung der Örtlichkeit für den Schweden schimmert allerdings häufiger durch.

Eine knappe Dreiviertelstunde schwankt "Quietly Happy And Deep Inside" zwischen melancholischer Beklemmung und euphorischer Erhabenheit. Es handelt von Liebe, Leid und Leben, aber vor allem verpasst es dem grauen Alltag viel Wärme und Wohlsein. Möge das auch dem Frühling gelingen. Eine üppige Ernte sei Björn Kleinhenz schon jetzt vergönnt.

Trackliste

  1. 1. At Night We Die
  2. 2. The Quest For Your Heart
  3. 3. I Whisper, He Lives
  4. 4. Poets Dying
  5. 5. Krokås
  6. 6. Bars And Beds
  7. 7. Princes
  8. 8. Fast And Slow
  9. 9. The Light Of Love
  10. 10. Olis
  11. 11. Tredje Långgatan 26

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