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Björk stellt die Lust am Experimentieren nicht mehr über den Hörgenuss, das machen Stücke wie "Innocence" überdeutlich. Der Song greift auf Elemente aus dem Synthiepop zurück und klingt teilweise sehr druckvoll, fast schon martialisch. Hier fahren einem die Beats direkt in den Bauch.
Andere Tracks kommen überraschend ruhig und gelassen daher. So treten die Stimmen Björks und ihrem Duettpartner Antony Hegarty (Antony & The Johnsons) bei "The Dull Flame of Desire" ganz in den Vordergrund - ein Lied zum Entspannen oder gar Meditieren. Im zweiten Duett mit Antony, "My Juvenlie", treten asiatische Sounds und die dafür typischen Klangschalen hervor. Von einer fast apathischen Gelassenheit ist auch "Pneumonia". Hier bestimmen sehr ruhige Stimmen und im Hintergrund plätschernder Regen das Bild.
Abgefahren, elektronisch und tanzwütig gibt sich dagegen "Declare Independence". Björk scheint hier ihr Lyrics und die darin beinhalteten Botschaften "Justice" und "Don't let them do that to you" geradezu heraus brüllen zu wollen. Die Drums und die elektronische Sprechstimme erzeugen eine wütende Atmosphäre.
Die letzten beiden Alben "Medulla" und "Drawing Restraint 9" waren ja etwas kopflastig. Auf "Volta" ist der Sound hingegen wieder rhythmischer und die Songs sind zum großen Teil auch tanzbar. Der Spaß stand ganz oben auf der Liste von Björk, als die Frage aufkam, wie das neue Album werden soll. Und erstaunlicherweise macht es auch Spaß, dieses Album anzuhören. Es scheint, als habe sich Björk auf ihre musikalischen Wurzeln besonnen.
Dass sie nun wieder einen Schritt zurück geht und wieder mehr Wert auf Melodien legt, bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht mit der Zeit geht. In ihrer Rolle als Produzentin lud Björk einige namhafte Künstler und Musiker ins Studio ein. Darunter sind neben dem Gesangspartner Hegarty auch Erfolgsproduzent Timbaland. Außerdem holte sie sich noch zwei experimentelle afrikanische Gruppen und ein zehnköpfiges Blasorchester dazu, die einen unverwechselbaren Sound kreierten.
Ganz ohne innovative Ideen kommt die kleine Isländerin natürlich nicht aus. Trotz weicherer Klänge, dem Einsatz von richtigen Instrumenten anstatt nur ihrer Stimme als Soundmachine und einem kleinen Schritt Richtung Mainstream fragt man sich bei dem einen oder anderen Lied doch, was genau sie uns damit sagen will. Wie etwa bei der andauernden Sequenz der ersten Single "Earth Intruders", in der man nichts anderes als marschierende Menschen hört. Der Track ist mit über sechs Minuten eh schon ziemlich lang, und diese Marscheinlage lässt es unendlich erscheinen. Und was genau wollen die Schiffssirenen am Ende des Songs? Man weiß es nicht. Ab und zu überkommt es Björk eben, und man hört Gefiepe, Gewimmer und merkwürdige Geräusche, die nicht so richtig in Einklang mit den sehr sanften Melodien steht. So klingt "Wanderlust" teilweise sehr schief, und Björk spielt mit Disharmonien in ihrer Stimme.
Auf der einen Seite bestimmen die Beats die Platte. Andererseits fällt auch immer wieder die Experimentierfreude mit orchestralen Instrumenten wie Bläsern und Streichern auf. Die starke Stimme Björks mit ihrem eindeutigem Wiedererkennungswert hält das Ganze zusammen. Björk wird wohl nie ganz zum Mainstream überlaufen. Ihre Devise war, ein "vollmundiges" Album zu machen. Das ist ihr gelungen - endlich macht es wirklich mal wieder Spaß, ihr zuzuhören.
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ein neues björk!
seid ihr auch schon so gespannt?
ich persönlich hoffe ja stark, dass volta mal wieder ein bisschen den gang rausnimmt in sachen avant-garde. die medúlla fand ich größtenteils ziemlich ungenießbar. fände eine idm-lastige produktion wie auf der vespertine ganz ganz wünschenswert.
es gibt sogar schon ein bisschen virales marketingchen:
http://www.pitchforkmedia.com/page/news/42003-bjork-trickling-out-ivoltai-teasers
Bin sehr gespannt, auch wenn ich hoffe, dass sie vielleicht mal wieder etwas in Richtung "Homogenic" macht. Meiner Meinung nach das beste Björk-Album.
http://thefader.com/blog/articles/2007/04/08/audio-björk-timby
"earth intruders" in voller länge.
yay hooray.
"Specifically, why does it sound like Uffie covering 'Tusk'?"
also ich mag das lied... hab aber auch gegen Uffie nichts, immerhin ist sie "ready to fuck". Ob ich Björk... naja eher nicht
Gutes lied.
ja, timba hat ziemlich viel mitproduziert, am ende habens aber nur 3-4 tracks auf die platte geschafft, afaik. album ist ganz cool, habs gestern mal durchgehört.
die idee für den coververschluss find ich ja ganz cool, aber irgendwann hält son pappsticker einfach nicht mehr. tröt.
Earth Intruders und Innocence sind die beiden direkt als "produced by Timbaland" ausgewiesenen Tracks. Und gleichzeitig die, auf die die Laut-Review irgendwie wahrscheinlich auch zutrifft. Werd' aber - ehrlich gesagt - nicht wirklich warm damit.
Eher schon dieses waldhornige Wanderlust mit der schönen Textzeile I feel at home whenever/the unknown surrounds me. Das war hoffentlich programmatisch gemeint. Es erinnert mich an Sachen wie Nico's Platten aus den 80ern. Ohne deren Todes-Depressivität allerdings.
Grandios auf jeden Fall Björk & Antony in The Dull Flame of Desire. Ein russisches Gedicht aus dem 19. Jahrhundert, das in Tarkowskis "Stalker" zitiert und hier re-zitiert wird - überirdisch!
Ebenso I See Who You Are. Wunderbar organische Mixtur aus Elektronik, der unnachahmlichen Stimme Björks und fernöstlicher Exotik (in Form einer gewissen Min Xiao-Fen an der chinesischen Laute).
So geht es weiter: Vertebra by Vertebra (Wirbel für Wirbel) & Pneumonia. Etwas körperlicheres, sinnlicheres, "sanguinischeres" als Björk-Musik kenne ich einfach nicht. Das galt schon für Medulla (allein der Titel verräts doch schon). "Die letzten beiden Alben waren ja etwas kopflastig" heißt es im Gegensatz dazu in der Laut-Review. Kopflastig? Björk?
Was (mich) manchmal etwas nervt, ist das Manieristische. Sie reizt dieses stimmliche Grimassieren, diese Kickser, Schnaufer, Zischtöne, absichtlich verhaspelten Einsätze usw. zuweilen etwas übertrieben aus. Das gilt insbesondere für das - überhaupt etwas aufgesetzt wirkende - Declare Independence.
Auf Hope spielt der malische Perkussionist Toumani Diabaté mit. Sehr schöner Song. Mein zweitliebster nach "Dull Flame ..." Wiederum fügen sich exotische Elemente nahtlos und organisch ein, ohne irgendwie dieses Weltmusik-Ding (als Party-Cocktail) zu bemühen.
My Juvenile schließlich nochmal mit Antony. Aber schwächer irgendwie.
Wo bitte ist Medulla nervig? Mit der einen Ausnahme von "Ancestors" handelt es sich ausnahmslos und vollkommen tonale, perfekt harmonische, einem ziemlich konventionellem Schönheitsideal verpflichtete - nur eben für Popmusik recht unkonventionell instrumentierte - Stücke.
Wirklich nervig finde ich inzwischen "Declare Independence". Eine Anreihung von Plattitüden, die durch den expressiven Vortragsstil kein bisschen gehaltvoller wird.
Seit Medulla habe ich Björk nicht mehr verstanden, nicht mehr wiedererkannt. Nach Vespertine konnte mich nichts mehr wirklich begeistern, der Zauber war weg. Dagegen hatte ich trotzdem nichts einzuwenden. Wahrscheinlich hat sich Björks Musik einfach von meinem Geschmack entfernt und WEITERENTWICKELT.
Und nun die Ankündigung zu Volta: Björk geht zu ihren Roots zurück, Björk ist wieder die "Alte". Da habe ich mich natürlich auch gefragt: ist das wieder meine Björk, die Björk, die ich verstehe, die mich verzaubert?
Und dann sowas. Das ist zwar wieder mehr die "alte" Björk, aber mal ehrlich, das klang auf der Post doch alles mal frischer, ehrlicher, geiler. Die neue Björk ist für mich nur noch eine billige Kopie von sich selbst.
Da ist mir ja noch das versponnene Drawing Restraint lieber...
Zu guter letzt noch ein Satz zu Timbaland. Keine Frage, der Typ ist ein wahnsinns-Produzent, hört man sich mal (ganz objektiv) Justin Timberlakes neues Album an. Aber wie kann das mit Björk harmonieren? Und meine Nelly Furtado hat er mir auch schon weggenommen, der Blödmann.
Ich finde "Medulla" um einiges besser als die neue Scheibe "Volta". Ihr mit Abstand bestes Album ist meiner Meinung nach dennoch "Vespertine". Die Single "Earth Intruders" klingt schon arg nach Danielle Dax (kennt die hier überhaupt noch jemand?.

Hab mir das Teil gestern gekauft und wurde im Auto prompt gefragt, was für eine Musikrichtung das sei (nicht Björk allgemein, sonder gerade "Volta")? Da kam ich ganz schön ins Straucheln...
Ohne jetzt einen "Du-hast-doch-keine-Ahnung-das-ist-...."-Genre-Streit auslösen zu wollen, aber kann mir mal jemand sagen in welche Richtung das grob geht?
Aber mal ganz davon abgesehen... Die ersten 4 Songs find ich schonmal ziemlich gut!
Also speziell bei Volta finden sich einmal verstärkt (ostasiatische und afrikanische) Ethno-Musik-Elemente. Dann ist die Verwendung einer Blechbläser-Sektion bei mehreren Tracks hervorzuheben. Dann das übliche: elektronische Beats, elektronische Klänge, dazu eine Stimme, die so sinnlich wirkt, das man nach einer halben Stunde hören zu wissen glaubt, wie die Spucke dieser Frau schmeckt. Das kann kein Genre ergeben. Das ist und bleibt ein Einzelstück.

) sind auch ziemlich gut hörbar. Freue mich, dass Björk nach dem mir nicht zusagenden Drawing Restrain, mal wieder ein waschechtes und gutes Björk Album rausgebracht hat.Mir sagt das Album gar nicht zu. Die ersten beiden Tracks sind ja ganz gut. Aber der Rest ist derart anstrengend, konfus und dürfte sich auch sonst wohl kaum einem außer Björk selbst erschließen, ok vlt. noch einer kleinen Hardcore-Fanschaft, aber mit den bisherigen Klassikern hat "Volta" wenig gemein, ganz im Gegenteil, die alte Fanschaft dürfte Björk verprellt haben.
2/5
@Screwball: Ich weiß nicht ob es sowas überhaupt gibt: Eine "kleine (Björk-)Hardcore-Fanschaft". Ein neues Björk-Album ist für die, die das mögen, und das sind in der Regel nicht verbiesterte Fans, sondern eher offene Menschen, einfach eine spannende Sache und eine Einladung zur Entdeckung neuer Klänge. Nicht mehr und nicht weniger. Sie singt mit Antony, sie nimmt mit dieser chinesischen Lautenspielerin und mit einer isländischen Bläsergruppe auf. Alles tonal, den Gesetzen verschiedener Harmonielehren folgend und ohne jede Konfusion. Ohne jede Anstrengung für den Hörer. Es ist eine allgemeine akzeptierte Binsenweisheit, dass es - abgesehen von dem unmittelbaren Sinneserlebnis dieser Musik und der unmittelbaren Wirkung der Texte - bei Björk sonst eigentlich nichts zu "erschließen" gibt. Manches ist ein wenig klischeehaft aber anstrengend sind - sorry - lediglich diese immer wieder und wieder und wieder wiederholten, vollkommen stupiden und in aller Regel voneinander abgeschriebenen Beteuerungen, dass man die "neuen Sachen" vor allem wegen einer vorgeblichen Liebe "zum Anstrengenden" (was für ein Blödsinn) hört, und dass auch bei Björk natürlich früher alles besser war. Das wird man - ich wette - noch in zehn und auch noch in zwanzig Jahren schreiben. Man kennt das. Und inzwischen ist es ein geläufiger Witz und eine stehende Redewendung: Dass nämlich seit 1975, seit über dreißig Jahren, Bob Dylan nach "Blood On The Tracks" eigentlich nichts mehr Wesentliches zustande gebracht habe.
wie du meinst
- ich meine aber björk's größtes kapital ist ihre ungewöhnliche stimme. diese gerät unter dem rhythmischen getöse aber unter die räder. es verlangt ja keiner, dass sie nur noch balladen singt, aber die ganzen elektronischen spielereien sind an pcs mit musikprogrammen doch bestimmt relativ einfach zu simulieren.
das artwork ist eigentlich ganz hübsch, nur dieser häßliche sticker nervt -
Wohl war ,man kann keine Hörerlebnisse anderer kommentieren oder kritisieren.Aber Frau GMD kann man kritisieren.Die versucht offensichtlich der U-Musik aus der sie stammt zu entfliehen und die E-Musik für ihr Selbstverständnis festschreiben zu wollen.Dies wirkt allerdings auf Volta allzu bemüht und ist gegenüber Medulla, bei der es gut anging ein Rückschritt. Konsequent wäre ein weiterer Rückzug auf das Vocale und allenfalls minimalistische Instrumentation . Stattdessen wirkt Volta als hätte sie ein Engagement im Popbereich im Auge welches U-Musik eigentlich ausschliessen möchte.Spassig finde ich den fortlaufenden Einsatz von Waldhörnern und Posaunen, denn das erinnert irgendwie an Wagner. Der ist schließlich auch nicht zurechtgekommen mit seinem Zwiespalt U oder E-Musik machen zu wollen. Das Ergebnis ist bekannt.Alle vermeintlich ernsthaften Musikliebhaber! besuchen Wagner Festivals ohne sich um wirkliche Innovationen zu kümmern.Vorschlag: Frau GMD sollte sich fortan nicht mehr Byörk sondern Volta nennen, die Waldhörner weglassen und eine Symbbiose mit der Electronic eingehen.Dann landet sie entweder bei Buddah oder im Postpostpunk.
Sorry, was Björk mit Volta abgeliefert hat, hat nichts - aber auch gar nichts - mehr mit dem zu tun, was ich einst an Björk mochte. Spätestens seit "Medulla" hat sie sich mir mit ihrer Musik derart entfremdet, dass ich bei Volta wirklich mit mir haderte, das Album überhaupt zu kaufen und im Nachhinein tut es mir um jeden Cent leid, den ich dafür ausgegeben habe!
Die Arme tickt nicht (mehr) richtig und verdient an mir ganz bestimmt keinen müden Euro mehr!
Und wer das Album tatsächlich "bombastisch" findet, sollte vielleicht mal die harten Drogen aus der Birne lassen, denn anders ist dieser Mist doch ehrlich nicht zu ertragen!
Geht es also nicht darum, sich selbst und seinem Stil treu zu bleiben? Hat Björk überhaupt (noch) Stil oder ist sie einfach nur noch eine durchgeknallte Schizophrene, die sich, ohne Rücksicht auf eine eventuell enttäuschte Fangemeinde, mit ihrer Musik (wenn man das überhaupt noch als solche bezeichnen möchte)selbst therapiert, was augen- und ohrenscheinlich nicht so recht funktionieren will, weil´s von Album zu Album einfach nur noch "beschissener" klingt? Experimente? Gerne - aber nicht mehr auf meine Kosten! Ich persönlich komme mir schlichtweg nur noch verarscht vor von der einst so zauberhaften Isländerin! Schade, schade, schade...
Björk hat eine sehr eigene, einmalige Stimme mit magischer Ausdruckskraft und ansonsten besteht ihr Stil offenkundig darin, ihr kreatives Genie in alle möglichen Richtungen weiterzuentwickeln. Mag sein, dass sie damit irgendwelche ehemaligen Hörer enttäuscht. Mindestens "Medulla" hat ihr jedoch eine große Menge neuer Freunde eingebracht, die gerade dieses Album als ein verdammtes popmusikalisches Meisterwerk ansehen und - wie ich zum Beispiel - es kaum eine Woche aushalten, ohne ein Stück daraus zu hören.
Der letzte Abschnitt Deines Beitrags, lieber Weiser, klingt mit Verlaub ganz schön nach einer gewissen Art "Jetzt Reichts"-Artikel aus der Bild oder der BZ.
habse bisher ein einziges mal gehört und es ist leider nix hängengeblieben. ist ja noch nicht so sonderlich schlimm, dafür aber sehr wohl, dass ich nicht den geringsten bedarf habe, der platte nochmal ne schangse zu geben. langsam sollte ich meine hoffnung auf eine vespertine2 vielleicht doch mal zu grabe tragen..schnüff
kukuruz, komm doch mal von deinem hohen ross der musikexpertise runter. björk hier als per definition geniale künstlerin darzustellen, finde ich relativ unangebracht.
ach, was solls. scheiß album, ich verschwende dazu keine weiter zeile und konzentriere mich lieber auf caribou. tschüss mit üss!
@himself: Es handelt sich um subjektive Eindrücke, nicht um Definitionen
...
... aber zu diesen Eindrücken zählt freilich auch die Beobachtung, dass sie mit "diesem Mist" in großen Mengen (neue) Freunde und Plattenkäufer mobilisiert.
Guten Morgen,
@Kukuruz: Selbstverständlich respektiere ich Deine Eindrücke und wollte hier auch keinem Fan zu nahe treten. Würde man mit Tori Amos derart in die Kritik gehen, wie ich es hier mit Björk getan habe, würde ich vermutlich auch kontern.
@himself: Caribu? Kannte ich gar nicht... Danke für den Tipp.
Tschö mit ö! ;O)
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