laut.de-Kritik

Die Rebellion hat ihn noch nicht verlassen.

Review von

Wirklich gute Menschen im Popbusiness findet man immer seltener. Wenn dann auch noch jemand mit guten Manieren und wertvollem Liedgut daher kommt, kann man sein Glück kaum fassen. Der Protestsänger Billy Bragg gehört jedenfalls zu dieser seltenen Spezies und spendet gerne mal Gitarren für Häftlinge.

Er gilt schon seit über 25 Jahren als rebellischer Gentleman, der die Benachteiligten mit seinen Liedern unterstützt. Damals noch mehr auf die Gesellschaft und Weltpolitik fixiert, beschäftigt sich der Engländer auf seinem neuen Album "Mr. Love & Justice" ein wenig mehr mit sich selbst. Das Zusammenleben und die Selbstreflexion stehen dabei im Vordergrund. Natürlich wie immer mit einer guten Portion Selbstironie, die er schon damals pflegte, wenn er sich als begeisterter Fußball- und Mädchenfan outete.

Zynismus und Poesie leben noch immer in seinen Popsongs. Dinge in der Welt möchte Bragg nach wie vor verändern, wie uns das Eingangsstück "I Keep Faith" zeigt. Die älteren Semester kennen den Songwriter aus Essex ja noch als engagierten Solokünstler der 80er Jahre, mit Schrammelgitarre und offenen Parolen.

Damals kämpfte er für den Sozialismus und die englischen Bergarbeiter und gegen die konservative Hexe Margaret Thatcher. In seiner wohl erfolgreichsten Hymne "A New England" suchte er schlicht nach einer neuen Freundin. Zwischen Liebe und Gerechtigkeit geht sein Kampf nun weiter. Allerdings sehr viel ruhiger als auf den Vorgängeralben.

Nach langen Jahren des intensiven Punk-Daseins muss man auch mal auf sich selbst achten ("If You Ever Leave"). Ganz ohne Pöbelei kommt Bragg dann aber doch nicht aus, Songs wie "O Freedom" zeigen seine Wurzeln des Widerstandes, in dem er über die Verhaftung von mutmaßlichen Terroristen spricht oder die Tabakindustrie auf den Arm nimmt ("The Johnny Carcinogenic Show"). Den Rocker in Bragg spiegelt "Something Happend" mit vibrierenden Seiten und imaginärer Mähne wider. Und das alles ohne den meist peinlich berührten, älter werdenden Missmut.

Seinen Spaß an minimalistischer Instrumentierung zeigt er in "I Almost Killed You". Klatschende Hände und Mundharmonika begleiten die gefühlvolle Stimme und die elektrische Gitarre unterbricht für kurze Momente die akustische Einheit. Die Singalong-Aufforderungen für mehr Harmonie und Frieden in "Sing Their Souls Back Home" brauchen nicht lange, um den empfindsamen Hörer zu begeistern. Überhaupt gehen die neuen Stücke allesamt gut ins Ohr ("The Beach Is Free") und bleiben nachhaltig haften ("Mr Love & Justice").

Professionelle Unterstützung holte sich Billy bei seiner Begleitband The Blokes, die ihm während der Aufnahmen mit Hawaii-Gitarre, Bouzouki (Saiteninstrument aus Griechenland, ähnelt der Mandoline), Bass, Schlagzeug, Keyboard und Hammondorgel zur Verfügung standen. Für alle Nostalgie-Liebhaber gibt es auch eine "Mr Love & Justice" Deluxe-Ausgabe, wo sich Billy wie einst alleine mit Gitarre durchs Programm prügelt. Fazit: Mr. Bragg darf ruhig weiter altern. Er bleibt der coole Gentleman aus England mit bewegenden Texten und wunderbar einfühlsamen Folk-Popsongs.

Trackliste

  1. 1. I Keep Faith
  2. 2. I Almost Killed You
  3. 3. M For Me
  4. 4. The Beach Is Free
  5. 5. Sing Their Souls Back Home
  6. 6. You Make Me Brave
  7. 7. Something Happened
  8. 8. Mr. Love & Justice
  9. 9. If You Ever Leave
  10. 10. O Freedom
  11. 11. The Johnny Carcinogenic Show
  12. 12. Farm Boy

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