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Mitten im schottischen Hochland, nicht allzu weit entfernt von der Biffy Clyro-Geburtsstätte, befindet sich Electric Brae: Ein Abschnitt einer Landstraße und gleichzeitig ein Naturphänomen. Dort hat es den Anschein, als ob abgestellte Autos wie von Geisterhand bergauf rollen. Natürlich ist alles nur eine optische Täuschung durch die umliegende Landschaft. In Wahrheit gehts bergab, daher rollt auch der fahrbare Untersatz ohne menschliches Zutun. Der Weg nach oben, der nach unten führt? Ein treffendes Gleichnis für Biffy Clyro und ihr sechstes Album "Opposites"?
Mitnichten, obwohl doch vieles darauf hin deuten könnte: Ein Doppelalbum war schon in so mancher Diskografie der erste Sargnagel. Die zunehmende Radiofreundlichkeit im Sound und der Fanzuwachs durch Gelegenheitshörer stoßen einigen sauer auf. "Opposites" kann möchte daran sicher nicht allzu viel ändern. Die Sellout-Rufe werden Chorstärke annehmen und ob der Eingängigkeit und der Keyboard- sowie Orchesterelemente wetzen "Infinity Land"-Puristen jene Messer, mit denen sie seit "Puzzle" den Underground-Status dieser Band zu verteidigen suchen. Jedoch, und hier kommts: Nichts ist angesichts der Klasse der vorliegenden 20 Songs leichter vom Tisch zu wischen als diese Unkenrufe der Ewiggestrigen.
Dass nichts Halbgares den drei Schotten ins Plattenarsenal kommt, ist sowieso klar. Auf "Opposites" loten sie ein neues Extrem aus, jedoch nicht die Krachtoleranz der Alben Nummer zwei und drei. Es ist der bewusste Schritt hin zum hymnischen Bombast, der einer anderen britischen Combo zuletzt so formidabel das Genick brach, im Hause Biffy jedoch perfekt durchexerziert wird. Da fliegen einem die dicken Refrains nur so um die Ohren, da jammern Geigen gegen Verstärker-Dämme an, da hat man kaum eine Chance, sich gegen unverholene Catchyness zu wehren. Intensiv und knapp 78 Minuten lang.
Warum man nicht alles kategorisch in den Schmalztopf pfeffert und eine rituelle CD-Verbrennung anleiert, hat viele Gründe. Um wahre Lautstärke zu kreieren, muss man bekannterweise erst einmal eine leise Note beherrschen. Genauso verhält es sich mit der Eingängigkeit. Wer stapelweise mitreißende, schmetternde Hymnen fürs Volk schreiben will, der sollte wie Biffy Clyro am besten auch einige Medaillen im frickeligen Progrock an der behaarten Brust tragen. Und die verdiente sich die Band im Verlauf ihrer 18-jährigen Bandgeschichte in Hülle und Fülle.
Auf "Opposites" verdichten sie jedoch ihre magische Formel der cleveren Rockmusik mit Stadionhooks auf Teufel komm raus. Es erscheint unweigerlich die alte Dave Grohl-Weisheit: "Wenn du einen Chorus hast, der dir gefällt, verwirf ihn und schreib einen noch größeren." Diesen Grohlschen Grundsatz nahm sich Sänger und Ideengeber Simon Neil wahrlich zu Herzen.
Bis auf die atmosphärischen Songs "Skylight", "The Fog" und in Ansätzen "Pocket" versuchen sich die Nummern scheinbar mit dickeren Hooks gegenseitig auszustechen. Allen voran "Biblical", "Sounds Like Balloons", "Victory Over The Sun", "The Thaw" oder "The Joke's On Us". Und selbst wenn die Biffy Boys einmal nicht aus den Vollen schöpfen, schlagen sie spätestens kurz vor Schluss noch einen Haken in ganz fremde Gefilde der Verzerrung ("Black Chandelier", "Spanish Radio") oder machen schon mal das halbe Lied zu einem Outro ("Stingin' Belle"). Man kommt nicht umhin, diese Power zu bestaunen.
Wobei trotz aller zur Schau gestellter Opulenz in den Refrains die kreativen Instrumentalideen nicht auf der Strecke bleiben. Öfter als auf den zwei Vorgängeralben stoßen sie uns mit der Nase auf so manche ungerade Taktart und verloren geglaubtes Zick-Zack-Riff. Auch wenn sie längst nicht mehr so aufgescheucht wirken. Ganz dem Standardmuster verfallen Biffy Clyro wahrscheinlich nie.
Produzent Garth Richardson hielt den epischen Ansatz mit einem ausgeschmückten und fetten Soundkostüm fest, wobei auch eine ganze Armada von weiteren Instrumenten sich scheinbar logisch in das Fundament von Gitarre, Bass und Schlagzeug einfügt. "Different People" beginnt mit einer wuchtigen Kirchenorgel (die übrigens den Bogen zum Schlusspunkt "Picture A Knife Fight" schlägt), bevor der Song mit einem der zügellosesten Refrains des Albums durch die Tür bricht. Bei "Little Hospitals" pusten fröhliche Kazoos das Riff mit, auf "Trumpet Or Trap" klappert ein Stepptänzer und auf "Spanish Radio" spielt gar ein mexikanische Mariachi-Band mit den Schotten um die Wette.
"Alles, was wir ausprobierten, hat besser funktioniert, als wir es uns erhofft hatten", verriet Bassist James im Interview. Und so sehr man sich auch wundert und dem ganzen kritisch gegenübersteht, im Rahmen dieses Albums passt alles furchtbar gut zusammen. Selbst große Schmachtfetzen, die einst "Machines" hießen, rücken jetzt mit der direkten Sprache heraus ("Opposite"), und verzücken mit ihrer traurigen Melancholie. Im Gegensatz dazu haben die Drei auch Optimismus im Studio im kalifornischen Santa Monica gefunden. Diesen packen sie am offensivsten in einen sprunghaften, zweiminütigen Wirbelwind ("Woo Woo"), den man so seit einem knappen Jahrzehnt nicht mehr von Biffy Clyro gehört hat. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Wahnwitzige Ohrwurmqualität gepaart mit den cleversten Rock-Arrangements macht "Opposites" zu einem der unterhaltsamsten Doppelalben der letzten Zeit. Stadien werden erzittern, Hände sich gen Himmel erheben und die Stimmen, die sich mit Simon die Seele herausbrüllen, nie versiegen. "Please believe in me like I believe in you", fleht er in "The Thaw". Daran glaube ich gern.
| Shop | Titel | Preis | Porto | Gesamt |
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Opposites (Vinyl) | €32,95 | €3,90 | €36,85 |
Nichts wirklich neues bei Denen passiert...Poprock mit manchmal grenzwertig kitschigen Zuckerguss und dazwischen mit härteren Klängen gewürzt. Mir gefällts auch diesmal wieder...weils live immer noch 1000% mehr reinhaut und die Jungs einfach authentisch rüber kommen
Bis der Typ nicht mal seinen Gitarrengurt neu justiert, befasse ich mich nicht weiter damit. 
Rock Chandelier finde ich okay. Ins Album habe ich noch nicht reingehört, aber wenn der Song das Album-Niveau widerspiegelt, dann ist es mir zu wenig für fünf Punkte.
Das Rezept ist aus dem Kiddie-Metal schon zur Genüge bekannt, nämlich schmalzige Melodien mit ein paar harten Alibirockriffs zu versehen. Die vermeintlich gelungene Synthese aus Rock und Eingängigkeit, die der sich in allzu hymnenhaft niedergeschriebenen Satzhülsen versteigende Josef hier als die Ehrenrettung der Rockmusik anno 2013 verstehen will, hat nur den Fehler, dass es sich bei dem handzahmen Geträller á la Black Chandelier wohl kaum um wirkliche Rockmusik handeln kann. Hier wird sich schöngeredet, was unüberhörbar ist: Dass die Band wie so viele andere ihren kreativen Zenit längst überschritten hat. Auch wenn der liebe Josef ein wenig berechtigten Kulturpessimismus natürlich gern als "ewiggestrige Unkenrufe" verdrängen will. Der muss ja sein Gehalt irgendwie auch rechtfertigen.
Ich find auch das das benutzen des Wortes "Baby" in Songs endlich mit der Todesstrafe quittiert werden sollte! Ach und Catch wenn Du es Dir So einfach machst, könnte man eine menge erstklassige Bands direkt in diese Ecke verbannen. Ständig auf die Fresse ohne catchy Hooks...dazu braucht man Eier^^
Oh ja das Album wird wohl spalten. Genauso geht mir das auch, teilweise Sachen für die man die Jungs fast gut finden muss (die scheiß "Trompeten von Mexico" in Spanish Radio find ich so überragend)und dann wieder fast kitschige Teile für die ich andere Bands in Grund und Boden hassen würde. Sie machens einem nicht ganz einfach sie zu lieben. 
Starke Rezension und ganz großes Kino dieses Album!
Biffy beweisen wieder Mut zum Kitsch, denn sie können es einfach!
Im Vergleich zu ''Only Revolutions'' nicht so viel Neues aber irgendwie mehr von allem.
Riesig großes Songwriting, Bombast Sound, Biffy-typische interessante ''time signatures'' und auch wenn ich die Cds erst 2 Mal gehört habe, scheint es so, als wäre ihnen ein Doppelalbum mit fast keinem Füllmaterial gelungen und das ist eine Meisterleistung (man erinnere sich zb an das teilweise geniale, jedoch mit einigem Füllermaterial versehene ''Stadium Arcadium'' der RHCP).
Für mich zeigt dieses Album bisher Biffy Clyro auf ihrem Zenit. Natürlich werden da immer einige, die ja so anti-kommerz und underground seien wollen ihr Zeug faseln aber jeder wie er will.
Für mich klingt das auch klar nach 5 von 5 Punkten, muss es aber noch ein paar Mal hören.
Vielleicht liegt es daran, daß ich selber Mucke mache. Aber immer wenn ich gerade auf die Skip-Taste drücken wollte fiel mir wieder auf, auf was für einem hohen Level meine Landsleute da wieder spielen. Und vor allem auf der zweiten CD geht es häufiger etwas lauter und progressiver zur Sache.
"Only Revolutions" ist recht schnell aus meiner Rotation verschwunden, weil mir die Schmalzigkeit teils etwas zu viel wurde. Hier treffen Biffy Clyro aber mal wieder einen Nerv bei mir und ich bin mir sicher, daß die nächsten Hördurchgänge noch sehr viel Spannung bereithalten. Die 5 Punkte gehen in Ordnung!
Ja, sie haben mit Puzzles und Only Revolutions scheinbar eine Art Foofighterisierung forciert, und sind nun größtenteils wieder davon ab. Produktion und Songwriting dieser Platte sind über jeden Zweifel erhaben.
Die Texte wirken momentan echt superstumpf ("BAAAABYYY!!!"), aber ich hab noch keinen vollständig gelesen und urteile vom temporären mithören (meistens ist der musikalische Background noch interessanter im Moment), vielleicht entgeht mir da auch nur die Ironie.
Bin momentan noch den übersättigten Kitsch am ausmustern, aber ziemlich überzeugt davon, dass am Ende ein BC-ÜBERalbum und einige Füllmaterialien übrig bleiben werden. Jedenfalls ihr bestes Werk seit Infinity Land.
Mir gefällt der Vergleich mit Muse. Vor 2 Jahren waren sie noch die Vorband ebenjener Band in Köln und mittlerweile können sie mich tatsächlich mehr begeistern.
Ein tolles Album und zusammen mit Tocotronic meine Musik für die nächsten Monate.
Erste Höreindrücke:
wahrscheinlich besser als "Only Revolutions".
Allerdings kann ich mich bislang nicht zu einem Kauf durchringen.
Die Rezensionen lesen sich querbeet nur positiv, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass von den 20 Songs nicht einige lediglich "Filler-Status" haben.
ich selbst besitze die normale CD, also nur 14 songs und habe diese durchgehört.
Auf Spotify hab ich mir nun die 6 fehlenden songs angehört und muss Jenzo1981 ein bisschen in seinem Gefühl bestätigen.
Unter den 20 Songs befinden sich Filler und zwar genau 5 Stück.
Die CD mit 14 songs gefällt mir durchwegs. Ist noch nicht durch und durch poppig sondern überrascht einen immer wieder. Von den weiteren 6 Songs vermochte mich dann nur noch das 2Minuten lange Woop Woop zu überzeugen.
Oh Mann, hab gerade erst bemerkt, dass ich einen völlig falschen Eindruck von der CD hatte - Freitag geholt, ohne große Aufmerksamkeit auf den mp3-Player gezogen - Das Mistding hat alles in der falschen Reihenfolge gespeichert...
Jedenfalls, kann mich schon mal revidieren: Vieles auf der Platte wirkt inzwischen doch eher mittelmäßig bis gut. Ein Großteil des Pulvers wird ja gleich zu Beginn mit "Stingin' Belle" verschossen! Ansonsten fällt mE nur "Spanish Radio" aus einer wirklich sehr homogen gestrickten Songmasse.
Von den vielen recht ruhigen Stücken find ich nur "Victory Over The Sun" wirklich großartig. Die Gitarrenfigur zu Beginn klingt verdächtig nach Oceansize, scheinbar hat Mike Vennart als zweiter Gitarrist doch bissel Eindruck hinterlassen.
Stücke wie "Opposite" gehen wieder gar nicht an mich dran, wäre vielleicht erträglicher, solches Material auszuklammern, zu sammeln und irgendwann als Sommer-/Girlie-Platte zu bringen - die dann sicher überall landet, außer in meinem Plattenschrank.
Solide Biffy-Platte, insgesammt immer noch besser als die beiden Alben davor und mit circa jeweils drei Ausreissern nach oben und unten...
Ich habe gerade auch noch einmal gecheckt, wie dads Tracklisting aussieht. Aus meiner "Special Edition" sind tatsächlich einige Tracks auf der jeweils anderen CD belegt. Insofern geht für Besitzer der normalen Version das härtere Feuerwerk doch nicht erst ab der zweiten CD los, sondern ist etwas ausgeglichener verteilt.
Gefällt mir sehr gut, was die Jungs da eingespielt haben, was aber wohl daran liegt, dass mir das Stadion schon immer näher war als Prog-Ausbrüche am laufenden Band. Live wird der größte Teil wie gewohnt hervorragend funktionieren und dann eventuell auch den einen oder anderen (durchaus berechtigten) Kritiker besänftigen.
Schöne differenzierte Meinung, HankMoody.
"Black Chandalier" hat sich als Ohrwurm festsetzen können, der Rest sich aber noch nicht als einladend erwiesen.
Wühle mich aktuell mal wieder durch BC-B-Seiten... Da werde ich als Fan der ersten Alben durchaus wehmütig: was haben die mal für geile, packende Songs geschrieben...
bis jetzt beim ersten reinhören nicht so mein ding, kann ja aber noch kommen und dass "baby" verbannt werden sollte, dem stimme ich vollkommen zu (Ausnahme Elliott Smith: Twilight (
Eine der letzten Bands auf diesem Planeten deren Alben für mich ein absoluter Blindkauf sind. Das Songwriting und die Produktion ist - wie immer - phenomenal. Schon das Intro "Different People" ist musikalisch so grandios, so was macht heutzutage einfach keine andere Band und genau das macht Biffy Clyro einzigartig. Darin liegt dann auch das "Problem" FÜR Biffy Clyro, welches ihnen wohl den großen Durchbruch zur Weltband verwehrt: die Musik ist nichts für jedermann, um sie zu verstehen muß man teilweise schon Ahnung haben, einfach Mucker sein, sonst geht das nicht in die Birne. Mir soll's recht sein, ich liebe es. "Schmalz" gehört im übrigen zu jeder großen Rockband, mit Ausnahme von Nirvana und Rage greift wohl jede kommerziell erfolgreiche Rockband das Thema Liebe usw. auf.
Ich möchte dieses Album zwei mal bewerten; ein mal auf Deutsch und ein mal in unverständlichem Gebrabbel.
Geniales Doppel-Album, das von vorne bis hinten mit den lauten und leisen Momenten in die Fresse haut, und da halt ich gerne noch die andere Backe hin.
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OHMYGODWHATTHEFUCKYEEEEEEEEEEEEAHJAJAJAJAJAJAJA!!!
(JEW zumindest bis Futures). Aber "in die Fresse hauen"? Vielleicht hör ich auch zuviel hartes Zeug 
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