Porträt

laut.de-Biographie

Beth Ditto

"Eine fette, feministische Lesbe aus Arkansas" - so beschreibt sich Beth Ditto alias Mary Beth Patterson selbst. 1981 geboren und aufgewachsen in der verschlafenen Kleinstadt Searcy in Arkansas, wird ihr das enorme Selbstbewusstsein früh in die Wiege gelegt. Die Eltern trennen sich direkt nach ihrer Geburt, ihren leiblichen Vater lernt sie erst als Jugendliche kennen, weiß aber nichts mit ihm anzufangen. Beth nimmt den Namen ihres Stiefvaters Homer Edward Ditto an.

Beth Ditto: Der neue Track "Fire"
Beth Ditto Der neue Track "Fire"
Beth Ditto geht eigene Wege - die erste Single ihres kommenden Soloalbums "Fake Sugar".
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Sie wächst in einer Patchwork-Familie auf, die Mutter arbeitet bei McDonalds, das Geld ist meistens knapp. "Du bist arm, aber nicht dumm. Du bist arm, aber nicht schmutzig." - diese Aufmunterung ihrer Mutter nimmt sich Ditto als Kind zu Herzen. Die Familie legt trotz der ärmlichen Verhältnisse Wert auf eine korrekte Ausdrucksweise, sauberes Auftreten und Bildung. Laut eigener Aussage war Ditto schon immer "eine laute, fast lächerlich selbstbewusste Person. Schon als Kind war es immer ich, die in der Schule den Ärger abkriegen sollte, aber dann doch nicht abkriegte. Weil ich nämlich mit einer tollen Gabe gesegnet bin: Ich kann mich aus jeder noch so ausweglosen Situation rausquatschen. Und irgendein Witz findet sich immer."

Erste Schritte in die Punk-Szene wagt die spätere Frontfrau und Sängerin der Band The Gossip im Alter von 15 Jahren mit ihrer Highschool Band Little Miss Muffet. Cyndi Lauper und Boy George gehören zu Beths größten Einflüssen. Schräge Blicke erntet sie sowieso schon, warum dann nicht Zuflucht im Punk suchen. Das dachten sich zur gleichen Zeit auch Nathan Howdeshell, damals Musiker in der lokalen Band Mrs. Garret, und Kathy Mendonca, Schlagzeugerin von PooPoo Icee. Beth freundet sich mit den Musikern an, gemeinsam wagen sie die Flucht aus Searcys Einöde und ziehen nach Olympia, Washington, wo sie sich eine Wohnung teilen.

Olympia ist zu dieser Zeit geprägt von den Punk-, Grunge- und Riot Grrrl-Einflüssen aus Seattle. Gleichzeitig ist es die Heimat des Riot Grrrl-Plattenlabels Kill Rock Stars, früher bekannt durch Bikini Kill und Bratmobile, später durch namhafte Künstler wie The Decemberists, Elliott Smith und Sleater-Kinney.

1999 gründet Beth zusammen mit Nathan und Kathy aus einer Langeweile heraus die Band Gossip. Nach dem Release einer 4-Track EP mit DIY-Charakter auf dem Independent-Label K-Records erhält die Band die Chance, nun bei Kill Rock Stars zu veröffentlichen. Gemeinsam mit bekannten Bands des Labels (Sleater-Kinney) gehen Gossip auf Tour, releasen 2001 das Debüt-Album "That's Not What I Heard" und erlangen lokale Bekanntheit als Punkband. Ihr guter Ruf hält sich allerdings tatsächlich nur lokal, die USA strafen Gossip auch nach dem Release der 2003er-LP "The Movement" mit Nichtbeachtung. Ditto hält sich zu dieser Zeit wie ihre Bandkollegen mit Nebenjobs zwischen den Touren über Wasser. Die Band zieht nach Portland, Beth wird depressiv und zeigt erste Anzeichen einer Sarkoidose, eine systemische Erkrankung des Bindegewebes.

Beth Ditto - Fake Sugar Aktuelles Album
Beth Ditto Fake Sugar
Auf den Spuren von Lenny Kravitz.

Es folgt eine Zeit, in der wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. 'Ganz oder gar nicht' steht zur Debatte, besonders im Hinblick auf eine Tour mit Le Tigre - für Ditto ist es ein "All-In", Drummerin Kathy entscheidet sich für ein geregeltes Leben als Hebamme und tritt aus der Band aus. Hannah Blilie (Shoplifting) wird die neue Frau am Schlagzeug, und zusammen nehmen sie 2006 das Album "Standing In The Way Of Control" auf. Die Platte ist vor allem in Großbritannien ein Riesenerfolg.

Plötzlich geht alles ganz schnell: Beth wird überraschend zur Gewinnerin der NME Cool List gekürt, schon im Jahr darauf überredet der NME sie dazu, nackt auf dem Cover zu posieren - die stimmgewaltige Frontsängerin nimmt das Angebot nach kurzer Bedenkzeit an und meint: "Eine fette Person zu sein und sich in der Öffentlichkeit nackt auszuziehen, das ist ein unglaublich feministischer und politischer Akt." Ihre "Fuck it"-Einstellung kommt gut an, die Schlagzeile titelt "Kiss my Ass". Sogar der Guardian hat nun Gefallen an Ditto gefunden und fragt sie nach Rat- die Kolumne "What would Beth Ditto do?" erscheint 2007/2008.

Das Posieren in minimalster Bekleidung scheint Beth zuzusagen, im Februar 2009 ist sie wieder nackt auf einem Cover zu sehen. Das Modemagazin "Love" betitelt sie neben Kate Moss, Iggy Pop und Courtney Love als Ikone der Generation. Es folgt eine eigens von Beth kreierte Kollektion für Übergrößen bei der britischen Modekette Evans: "Meine Idee von Übergrößen-Mode ist nicht, dass die Frauen darin dünner aussehen sollen. Ich will, dass sie cool aussehen. In meinen Sachen darf man einen dicken Arsch haben. Punkt."

Die Autobiographie lässt nicht lange auf sich warten, 2012 veröffentlicht sie zusammen mit der feministischen Autorin Michelle Tea das Buch "Coal To Diamonds: A Memoir" (auf Deutsch unglücklicherweise zu "Heavy Cross" übersetzt). Der Inhalt beschränkt sich hauptsächlich auf ihre Kindheit und Jugend bis zur Veröffentlichung des Gossip-Albums "Music For Men". Nach dem Release ihrer eigenen Make Up-Kollektion heiratet sie im Juni 2013 auf Hawaii ihre Lebensgefährtin Kristin Ogata. Dass Beth lesbisch ist, ahnte sie schon als Kind, sie ist bekannt für ihre offenen feministischen Kommentare und unterstützt die LGBT-Beweg ung. An Silvester 2014 geben sich die beiden nochmal das Ja-Wort in Oregon, da dort kurz zuvor die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert wurde.

Zwar lösen sich The Gossip 2016 auf, doch still wird es um Beth Ditto nicht: Fünf Jahre nach der überraschend elektronischen Solo-EP "Beth Ditto EP" folgt mit "Fake Sugar" das erste Album als eigenständige Künstlerin. Verglichen mit Gossips eher bluesigem Garage-Rock-Sound wagen Beths Solo-Releases einen Schritt in den Disco-Sound der Achtziger, lehnen an Soul an und sind ein Stück weit melancholischer.

Nicht umsonst wird ihre Stimme oft mit der von Tina Turner, Etta James oder Janis Joplin verglichen. Wenn Beth gefragt wird, wen sie denn bei Präsidentschaftswahlen wählen würde, antwortet sie ganz gelassen: "Ich würde mich selbst wählen. Beth for president!" - ihr Selbstbewusstsein ist nicht kleinzukriegen.

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Köln, E-Werk, 2017 Die The Gossip-Frontfrau solo.

Die The Gossip-Frontfrau solo., Köln, E-Werk, 2017 | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Die The Gossip-Frontfrau solo., Köln, E-Werk, 2017 | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Die The Gossip-Frontfrau solo., Köln, E-Werk, 2017 | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Die The Gossip-Frontfrau solo., Köln, E-Werk, 2017 | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof)

Live in Köln Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis.

Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Beth Ditto und Anhang 2009 im Kölner E-Werk: Ein Erlebnis., Live in Köln | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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