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Die laut.de-Redaktion hat gewählt: Wir küren unsere 30 Lieblingssongs des Jahres 2011.
Konstanz (laut) - Die Diskussionen bezüglich unserer Album-Bestenliste sind gerade verklungen (intern wie extern), da legen wir mit den Songs noch 'ne Schippe drauf. Zugegeben, wenn es für die Redakteure und Autoren schon schwierig war, sich auf 30 Studioalben zu einigen, dann glich die vorliegende Arbeit einer Sisyphosaufgabe.
Wir verraten nicht zu viel mit der Tatsache, dass von Mogwais Top-Scheibe "Hardcore Will Never Die But You Will" gleich vier verschiedene Songs gewählt wurden. Ansonsten sind fantastische Melodien aus den Bereichen Indie, Pop und Alternative gegenüber Hip Hop mal wieder in der Überzahl, aber wir sind hier halt nicht bei hiphop.de, da kann sich die Fromm-Gang beschweren wie sie will.
Die Abstinenz von Künstlern wie Florence & The Machine, Justice, Bon Iver und unserer Album-Göttin PJ Harvey kam ebenso überraschend wie letztlich die siegreiche Nummer eins. Aber jetzt werft erstmal selbst einen Blick in unsere Liste. Viel Spaß beim Lesen und Hören ...
"Why is it so hard to make it in America?" Wenn einer weiß, wie lange, hart und ausdauernd man – auch, wenn nicht gerade, in einem Land, in dem Milch und Honig fließen könnten - an der Verwirklichung seiner Träume arbeiten muss, dann heißt er Charles Bradley.
Mit über 60 tut er endlich das, wofür er zweifellos geboren wurde: Er zeigt der Welt, dass es der Blues war, der einst den Soul gebar.
"Dieser Song ist für alle von euch, die nachts davon träumen, auf dem Rücken einer Heuschrecke zum Mond zu fliegen." Mit dieser Ansage zum Song "Flügel" verwirrte der junge Supportact Max Prosa so manchen Clueso-Fan auf dessen diesjähriger Hallentour. Doch wenige Momente später lauschten die Zuschauer gebannt dem mitreißenden, mit viel Leidenschaft vorgetragenen Lied über "die Sehnsucht nach einer Flucht aus den Zwängen, in denen man sich als Mensch sieht und fühlt".
Nachdem der Singer/Songwriter sein Debüt "Die Phantasie Wird Siegen" um fünf Monate auf den 27. Januar verschoben hat, dient der fesselnde Song außerdem als Titeltrack für die vorab veröffentlichte 5-Track-EP. 2012 könnte Max Prosas Jahr werden.
"The Gift" ist für Ira-Verhältnisse mit seinen 3:23 Minuten ein echter Quickie, unter 5 Minuten geht sonst ja kaum was. Und tatsächlich wünscht man sich am Ende des Tracks, dass die bittersüße Sinfonie, die den Konstanzer Prog-Rock-Kings hier gelungen ist, noch ein paar Minuten weiterginge.
Sanft und gleichzeitig mächtig schmiegen sich hier die Gitarren um die sehnsuchtsvolle Poesie von Sänger Tobi Hoffmann, unaufdringlich und doch energisch drückt die feingewobene rhythmische Struktur nach vorne, die Schlagzeug und Bass kongenial erzeugen. Ein echtes Geschenk, dieses Gift. Wie der ganze Rest von "These Are The Arms", aus der "The Gift" quasi die Videoauskoppelung ist.
Austra wurde von Beginn weg in die Synth-Goth-Ecke geschoben, doch ihre zweite Single "Lose It" ist Pop in Reinkultur. Katie Stelmanies glasklare Stimme lässt den Song zwischen Melancholie und Aufbruch, Dunkelheit und Hoffnung pendeln.
Engelshafter Backgroundgesang und kristallene Synthies verleihen "Lose It" eine kühle Atmosphäre, die irgendwie nicht in die Disco passen will. Eher will man dazu in betrunkener Melancholie den Vollmond ansingen.
Was kommt dabei heraus, wenn drei der Besten ihres Fachs gemeinsame Sache machen? Die geballte akustische Macht. Wie aus dem Nichts veröffentlichten Dubstep-König Burial, Elektro-Wunderwandler Four Tet und Radiohead-Sänger Thom Yorke im März dieses Jahr eine gemeinsame 12" auf Four Tets Label Text Records.
Mit "Ego" auf der A-Seite schickt uns das Triumvirat fast sieben Minuten lang in einen hypnotischen Dämmerzustand, spielt mit Gedanken, Emotionen und Zuständen, die sich letztlich in nur einem Verlangen bündeln: Ich will mehr!
Konstant gute Bewertungen für alle drei Studioalben in diesem Magazin haben Little Dragon bislang nicht den großen Durchbruch beschert. 2011 holten sie sich mit Damon Albarn (Blur, Gorillaz), Big Boi (Outkast) und David Sitek (TV On The Radio) noch bekanntere Fürsprecher ins Boot.
Um so schöner, dass es das schwedische Quartett um Sängerin Yukimi Nagano (die euch in dieser Auflistung noch einmal begegnen wird) mit dem Album-Titeltrack "Ritual Union" in die Songcharts geschafft hat. So federleicht nach vorne trippelnde Popsongs muss man schließlich erst mal schreiben.
Vom Ex-Rüpel zum Hohepriester der Liebe: Noel Gallaghers "If I Had A Gun" erinnerte uns nicht nur an "Wonderwall", sondern auch an romantische Zeiten, als Bruderliebe noch hoch im Kurs stand.
Die (wenigen) Oasis-Fanatiker in der Redaktion fanden es zwar unfair, aber nachdem Liams Beady Eye weder in unseren Album- noch in vorliegenden Single-Jahrescharts irgendwo auftauchten, geht Big Noel als klarer Duellsieger vom Feld. Auch wenn er angeblich keine Kanone dabei hatte.
Im abgespackten Wahnwitz-Kosmos der Holländer von De Staat ist dieser Track des grandiosen Albums "Machinery" so etwas wie ein groovender Ruhepol. Torre Florim croont mit warmer Stimme über einen entspannten Indiepoprock-Song.
Wo sonst kreative Unberechenbarkeit vorherrscht, darf man sich hier auf Wohlklang verlassen. Textlich rezitiert Torre ein altes Blues-Lamento und setzt sich so einmal mehr zwischen alle Genre-Schubladen. Von diesen Irren ist mit Sicherheit noch viel zu erwarten.
Nenn' es Post-Dubstep, nenn' es Soulful Electronic, nenn' es, wie du willst - "Wildfire" muss in dieser Sparte zum hypnotischsten Song des Jahres erkoren werden. Kein für wobbelnde Bässe empfänglicher Hörer kam 2011 an dem Typ mit der Maske vorbei, der neben seinen meist ebenfalls britischstämmigen Kollegen für eine neue Generation elektronischer Musik steht.
In Kombination mit der schwedischen Extravaganz von Little Dragon-Frontfrau Yukimi Nagano kann das am Ende nur eines ergeben: HYPE!
Da soll mal einer behaupten, Radiohead hätten 2011 den Pop vergessen. Zugegeben: "The King Of Limbs", das diesjährige Album der Oxforder Rockband, bietet wenig leichte Kost. Dafür erblüht die Single "Lotus Flower" auf dem Nährboden rauschhafter Beats mit verführerischen Strophen und eingängigem Falsett-Refrain.
Obendrein lieferte die medienscheue Band ein Musikvideo ab, in dem Frontmann Thom Yorke einen spektakulären Tanz hinlegt. Kein Wunder, dass der Clip schon ein paar Stunden nach Erscheinen mit Beyoncés "Single Ladies" unterlegt wurde.
"Bin ich ein gebildeter Typ? Oder ein eingebildeter Typ? Oder bildest du dir beides ein?" Auf einem finster schiebenden Beat-Monster ritt der Eröffnungstrack zu Prinz Pis Album "Rebell Ohne Grund" daher und erstickte die Zweifel, die das (erneut) schauderhafte Coverartwork schürte, im Keim.
Prinz Pi behält, mit oder ohne Sonnenbrille, auch diesmal wieder sein Vokabular fest im Griff. Also legt jetzt mal alle kurz die Wendy weg und bezeugt seine Lässigkeit, bitte.
Dieser Bass! Dieser Funk! Diese Retro-Disco! War Toro Y Moi aka Chazwick Bundick nicht einst Chillwave par excellence? Auf seinem Zweitling "Underneath The Pine" hat Bundick jedenfalls den Laptop und das Sampling gegen eine richtige Band mit organischen Instrumenten ausgewechselt.
Toro Y Moi ist noch immer nostalgisch, nach den Melodien der Beach Boys, dem California Dreamin'. Doch anstatt sich im Schlafzimmer zu verkriechen, wagt er mit "Still Sound" den Schritt auf die Tanzfläche.
Ein Jesse Hughes-Soloalbum? Ohne seine Eagles Of Death Metal? Galt lange Zeit als undenkbar. Warum das nötig war, wissen wir immer noch nicht so richtig, aber "Honkey Kong" hatte durchaus seine Höhepunkte.
Im Gegensatz zur elektronisch kriechenden Single "Boots Electric Theme" mit Brody Dalle als Gastsängerin, roch der High Octane-Feger "Complexity" verdammt nach Eagles-Partys, und jene sind es bekanntlich, auf die man eingeladen werden will.
Wie fühlt es sich wohl an, auf Ketamin (einem Pferdeberuhigungsmittel, wie uns Adam Green letztes Jahr im Interview mitteilte) durch das Dalí-Museum zu schlendern? "Take the escalator to the next floor / Such a strong sedator, now I can't find the door".
Im Gegensatz zu der Single vom sechsten Black Lips-Album scheint das - verständlicherweise - keine so gute Erfahrung zu sein. Darüber hinaus wird ihr LoFi-Schrammelrock mit hohem Mitsingpotenzial hier von einem Theremin begleitet - selten eine schlechte Idee.
Gibts noch jemanden, der Leslie Feist nicht liebt? Ja? Schämt euch! Mit ihrem langersehnten "The Reminder"-Nachfolger "Metals" scheint sie alles richtig gemacht zu haben.
"How Come You Never Go There" ist nur ein Beispiel ihrer Kompositionskunst, bei der sie monotone Songstrukturen mit einer intensiven Emotionalität verbindet, die einfach fesselt. Dazu besitzt sie noch eine Stimme, die unverkennbar ist und fasziniert.
Der Worte sind genug gewechselt. Mogwai beherrschen es ausgezeichnet, ohne Vocals mehr auszudrücken als so manches Plappermaul. Träg schmetternde Akkorde schieben Wolken von Soundflächen vor sich her, immer direkt Richtung Gefühlszentrum, bis es nicht mehr intensiver geht.
Den Raum erfüllt nicht nur "White Noise", sondern facettenreiche Instrumentalmusik, die längst jeden Horizont hinter sich gelassen hat. Außerdem: "Hardcore Will Never Die But You Will!
Eigentlich hätte man es mit den ersten Tönen, die Kendrick Lamar aus seinem Projekt "Section.80" unters Volk entließ schon ahnen können: Wieder einmal rollt Großes aus Compton auf uns zu.
Mit "Hiii Power" nahm "Kendrick the good kid" Kopfnickerherzen im Sturm. Straßenjungs und Rücksackträger raten in seltener Eintracht: "Just call this shit hi power. Nothin' less than hi power."
Mitten rein in den brutalen Berliner Winter warfen die Beatbuletten ihre erste "Boombox"-Single , die unser Herz erwärmte wie ein Hochofen den Schneeball.
Ob es an dem Türen aufstoßenden "Here is the sun"-Refrain liegt, an den Haken schlagenden, wenngleich butterweichen Gitarrenlinien oder gar an der Freude ob der konstant tollen Leistung einer wunderbaren Band – den Song bekamen wir die restlichen Monate nicht mehr aus dem Kopf.
La Villa Real de la Santa Fé de San Francisco de Asís heißt eine Stadt in New Mexico, USA. Griffiger ist es, einfach von Santa Fe zu sprechen. Das 75.000-Einwohner-Städtchen ist eine der Heimatorte von Beirut-Mastermind Zach Condon.
Eine wunderschöne Stadt muss es sein, wenn "Santa Fe" ein repräsentatives Stück sein soll, eine warme und glückselige Stadt. Eben diese Stimmung verbreitet Condon mit dem lebendigsten Stück seines 2011 erschienenen Werks "The Rip Tide".
Mit der sperrigen Metapher "Zum Laichen Und Sterben Ziehen Die Lachse Den Fluss Hinauf" eröffnet Thees Uhlmann sein ursprünglich als musikalisches Sabbatjahr gedachtes Soloprojekt. Dass dieses nach eigenen Angaben wenig später "in Arbeit ausartete", hat der Tomte-Sänger und Grand Hotel van Cleef-Gründer auch dem eingängigen Vorab-Hit zu verdanken.
Einen Monat nach dem Video erscheint Uhlmanns selbstbetiteltes Solodebüt, das auf Platz vier chartet. Anstatt auf seinen Konzerten als letzte Zugabe einen alten Tomte-Song aus dem Ärmel zu schütteln, spielt er "Zum Laichen Und Sterben Ziehen Die Lachse Den Fluss Hinauf" für gewöhnlich einfach ein zweites Mal "wie eine Schülerband" (Uhlmann). Den Fans scheint das mittlerweile sowieso um einiges lieber zu sein.
"I'm a fuckin' walkin' paradox" - das stimmt wohl. Von Tyler The Creator darf man gerne halten, was man möchte. Dass er mit "Yonkers" dreckigen, schrägen Depri-Hip Hop sogar ins Bewusstsein von MTV, geneigten Hipstern, selbst in das der überzeugten Indiegitarrenjünger der laut.de-Redaktion katapultierte, kann man ihm allerdings gar nicht hoch genug anrechnen. Danke!
Die aktuelle Scheibe "Hot Sauce Committee Part Two" ging unter - ganz im Gegensatz zum grenzgenialen Hollywood-Schaulaufen-Monster "Fight For Your Right (Revisited)".
Vom Tonträger hallt leider kaum mehr als das eingängige, im Dub-Reggae-Takt schunkelnde "Don't Play No Game That I Can't Win" mit Santigold nach. Aber was solls. Schließlich geben sich die drei Ex-Rüpel schon lange der selbst erarbeiteten musikalisch visuellen Narrenfreiheit hin. Ad-Rock, MCA und Mike D leben auch (oder gerade besonders) ohne Radiohit sehr gut.
Hinter Destroyer verbirgt sich keine Thrash-Legende aus den 80ern, sondern der kanadische Singer/Songwriter Daniel Bejar. Warum sich kein Autor dieses Magazins im Frühjahr die Zeit genommen hat, Bejars neuntes Studioalbum "Kaputt" anzuhören, ist eine mindestens ebenso rätselhafte Frage, wie die Tatsache, dass nun ein Song dieses Albums chartet.
Hört man den gleichnamigen Song wundert einen das weit weniger. Toll arrangierter Soft-Jazz-Pop ohne Furcht vor butterweichen Trompetensoli: So schön hätte 2011 für die hiesigen Elektro-Stallhasen klingen können. Tja, Pech gehabt!
Eines der größten Hypethemen dieses Jahres war ohne Frage James Blake. Was dem Wirbel Rechtfertigung gibt, sind Stücke wie "The Wilhelm Scream". Hinter reduzierten Klangflächen, von Blogosphäre und Musikpresse aus Ermangelung einer besseren Bezeichnung als Post-Dubstep betitelt, schimmert dabei stets der Songwriter durch.
Fein arrangiert und bis ins kleinste Detail durchdacht, stets verschwommen und mit viel Gespür für Timing, breitet der junge Londoner einen Teppich aus minimalistischer Elektronika aus, der seinen fragil melancholischen Gesang perfekt untermalt. Fraglos ein Glanzstück seines jungen Schaffens.
Konnte sich "In The Mountain In The Cloud" bei unserer Wahl der Alben des Jahres 2011 nicht durchsetzen, so schafft es doch zumindest der Opener der Platte unter unsere Lieblingssongs.
"So American" versammelt auf dreieinhalb Minuten all die Gründe, warum wir Portugal. The Man mit jedem Album aufs Neue lieben: John Gourleys Fistelstimme, das vibrierende Keyboard, üppige Streicher und ausschweifende Gitarren schlagen den Bogen von verspielter Beach Boys-Referenz zu verschnörkeltem Glamrock. "There's a madness in us all": So lange die Band daraus solche eingängigen wie außergewöhnlichen Songs schöpft, ist uns das nur recht.
Sechseinhalb Minuten Disco-Explosion mit fünf Worten? "How Deep Is Your Love"! Kraftvolles Piano, rumpelnde Drums, Handclaps und das lässigste Saxophonsolo des Jahres werden von den New Yorker Dancerockern von The Rapture zu einem epischen Tanztrack zusammengeknüpft.
Von der außergewöhnlichen Stimme Luke Jenners mal ganz zu schweigen, der seinem Gegenüber die alles entscheidende Frage um die Ohren schlägt. Na los, sag schon, How Deep Is Your Love, bitch?
Nirgendwo findet sich das Prinzip der "English Riviera" besser komprimiert als bei Metronomys "The Look": Leise Melancholie, minimalistische Songskelette, aber dennoch geht nichts an Eingängigkeit und zuckrigem Pop verloren.
Dank Joseph Mounts Händchen für Songwriting avanciert "The Look" im Frühjahr 2011 zu einem Ohrwurm, der zeitlich betrachtet so geschickt platziert ist, dass er nur Soundtrack des Sommers werden konnte.
Mit "El Camino" haben die Keys noch kurz vor Kassenschluss eine potentielle Platte des Jahres auf der Pfanne. Schon der Vorabtrack "Lonely Boy" ließ die Herzen im Vorfeld heftig dem Releasedatum entgegen pochen: saftig körniger Vintage-R'n'R mit waschechtem Hitrefrain.
Und dazu drehten die Amis auch noch das wohl kostengünstigste Video des Jahres: "Dieser Typ war einfach da. Er hatte den Text drauf und fing plötzlich an, sich zu bewegen. Wir waren 30 Leute hinter der Kamera und haben uns bepisst vor Lachen. Aber er hat es einfach durchgezogen. Ein Naturtalent."
Es ist eine mythenumrankte, in stoffgewordene Retrofiktion gehüllte Hipster-Fee, die für den kollektiven Ohrwurm 2011 sorgt. Allein Lana Del Reys Lippen führten zu ellenlangen Diskussionen, von YouTube bis hinein in die deutschen Feuilletons.
Doch auch ohne auf den Marketingrummel und das selbstgeschürte Gerüchtefeuer zu schauen, kommt man an dieser sanften Umarmung von einem Popsong nicht vorbei. Lana Del Rey haucht ihre träumerischen Lyrics über Klavier, Geige und Harfe. Das funktioniert ohne Affekt, Kollagen und Marketing.
Niemand konnte sich hier vorstellen, dass dieser Lana Del Rey noch irgend einer die Pole Position abspenstig machen würde. Doch das zierliche Frankreich bot dem großen Amerika ja schon immer gern die Stirn.
Die Eroberung des Siegertreppchens von M83 erscheint um so überraschender, als "Midnight City" völlig ohne eingängiges Killer-Riff auskommt. Oder wie um alles in der Welt soll man das gellende Motiv der Nummer überzeugend intonieren?
Es ist eben dieser schrille 80s-Sound, der den Song tief in die Köpfe der Menschen stanzt. Dabei komponiert Anthony Gonzales schon seit 2000 elektronische Musik, aber erst elf Jahre später wird er von der breiten Masse entdeckt und gnadenlos abgefeiert.
So verursacht "Midnight City" in jeder ranzigen Indiedisco ein größenwahnsinniges Szenario. Schließt man die Augen ganz fest, tanzt man sich alsbald durch himmlische Sphären. Gelingt einem Song solch eine Verwandlung, dann steht er zurecht am Jahresende an der Spitze.



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