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Die laut.de-Redaktion hat gewählt: Wir küren unsere 30 Lieblingsalben des Jahres 2011.
Konstanz (laut) - Jahresabschlusslisten will never die, but you will. Und weil das so ist, haben auch wir 31 Redakteure und Autoren uns wieder kurzgeschlossen und mal geschaut, ob wir 2011 noch irgendwelche Gemeinsamkeiten hatten.
Sieht man mal von Hip Hop-Chefin Dani Fromm ab, kann man rundheraus sagen: Klar, haben wir, voll, jede Menge. Zwar kommt unsere Top 30 wieder ohne ein einziges Hip Hop-Werk aus (sogar ohne Casper, ja sogar ohne Thees) dafür schmuggelte sich eine Band in die Bestenliste, die schon Hellboy Edele in den Metal-Charts 2011 platzierte.
Anhänger von James Blake, Portugal. The Man, den Strokes (ja, die gab es!) und der Jay-Z/Kanye-Kollabo The Throne (die auch!) mussten hilflos mitansehen, wie deren Studioalben um Haaresbreite an der 5%-Hürde scheiterten. Aber man kann es wie so oft auch anders formulieren: Lieber zu viel gute Musik als zu wenig.
Ob das unser lieber Freund Ulf Kubanke allerdings auch so sieht, ist nicht überliefert. Die landauf landab als Totalflop niedergeschriebene "Lulu"-Kollabo der Altmeister Metallica und Lou Reed fand bei unserem Bremer Feingeist bekanntlich nicht nur Gehör; Kubanke feierte die "vom Metal-Korsett befreiten" Hetfields und den "dentalbohrenden" Dichtergreis Reed gnadenlos ab. Schlägt bei uns in 20 Jahren sicher auch ein, das Teil.
Doch curiosity killed the cat, von daher jetzt endlich ran an die nun folgenden 30 tollen Scheiben ...

Chris Taylor ist eigentlich der Mann für die tiefen Töne bei Grizzly Bear. Von seinen tatzigen Freunden hat der Bassist 2011 aber erstmal die Nase voll, denn "andauernd Alben zu produzieren und mit einer Band auf Tour zu sein, kann manchmal ein extrem anstrengender Job sein." Zur Entspannung nimmt er zwar noch eine Platte unter dem namen Cant auf, aber diesmal ohne den Druck seiner Kollegen im Nacken.
In Kooperation mit seinem Kumpel von Twin Shadow aka George Lewis Jr aka Latino-Morrissey, erscheint im September "Dreams Come True". Grizzly Bear-Fans dürften mehr als gesättigt sein. Mit dem verschwurbelten Grundtenor der Platte sollte Taylor nicht nur bei ihnen mitten ins Herz treffen. Auch Lewis Jr. hat keinen geringen Einfluss auf den Sound und steuert die rechte Prise Pop hinzu. Wenn das Ergebnis so klingt, dann sollte man häufiger mal einen Grizzlybären und einen Latino-Morissey in einen Raum einsperren.

Wie schafft das diese Band bloß? Ein musikalischer Output auf konstant hohem Niveau, doch der Durchbruch folgt erst nach 17 Jahren Bandgeschichte: mit dem vierten Album "The Seldom Seen Kid". Das wars, Ziel erreicht, sollte man sich denken.
Doch Elbow machen mit "Build A Rocket Boys!" weiter wie bisher. Mit großem Herz bescheren sie uns Melodien, die perfekt zu ihrer Heimat Manchester passen, aber in ihrem Sound dennoch einzigartig sind. "Build A Rocket Boys!" ist handgemacht, schön und voller Wärme.

Nach fünf selbst produzierten Alben zogen es die Black Lips dieses Jahr in Erwägung, sich einen Produzenten zuzulegen. Star-Knöpfedreher Mark Ronson (Amy Winehouse, Duran Duran) glättet auf "Arabia Mountain" den typisch rotzigen Sound des Atlanta-Vierers, glücklicherweise ohne Verlust an Coolness oder Authentizität. Ihr Schrammelpop mit Stooges-Einschlag spielt nach wie vor ganz vorne mit.

Boy sind Herbert Grönemeyers Neuentdeckung 2011, so erscheint ihr Debütalbum folgerichtig über Grönland Records. Zuvor haben sich Valeska Steiner aus Zürich und Sonja Glass aus Hamburg gesucht und zufällig auf einer Musik-Börse gefunden.
Schnell wachsen die beiden zu einem eingespielten Duo zusammen und stehen seitdem für federleichten Folk-Pop, bei dem Valeskas helle und sanfte Stimme im Vordergrund steht. Die Band selbst beschreibt ihren Stil selbstbewusst als "Mischung aus der rockenden Eleganz von Phoenix, der quirligen Musikalität von Feist und der emotionalen Tiefe eines Bon Iver." Das sah auch Phoenix-Trommler Thomas Hedlund so und steuerte bei einem Drittel der Songs das rhythmische Fundament bei.

Mit ihrer schlicht betitelten Band orientieren sich die Geschwister Kitty, Daisy & Lewis Durham auch auf ihrem zweiten Studioalbum am Retro-Sound der 1940er- und 1950er-Jahre. Anders als das selbstbetitelte Debütalbum enthält "Smoking In Heaven" ausschließlich Eigenkompositionen, die sich zwischen Rock'n'Roll, Swing, Blues und Country bewegen.
Dass es den Multiinstrumentalisten dabei in erster Linie um den Spaßfaktor und Spielfreude geht, merkt man ihrer musikhistorisch gefärbten Musik deutlich an. Mit ihren Retrosongs machten die Londoner sogar Altmeister Udo Lindenberg aufmerksam, der die Familienbande flugs für einen Gastauftritt auf sein "MTV Unplugged"-Album einlud.

Größer als Madonna wollte Richard Archer seine Band machen. Geschenkt. Klappern gehört zum Handwerk. Obwohl Hard-Fi für eine Indie-/Alternative-Band mit Dance-Einschlag bereits beim rotzigen Überraschungsdebüt "Stars Of CCTV" ganz schön hitverdächtig bis cheesy klangen.
Laut, dreckig und tanzbar tönen die Londoner auch auf dem aktuell dritten Album "Killer Sounds". So groß wie die Ciccone sind sie natürlich nicht geworden - die hat schließlich 25 Jahre gebraucht, um überhaupt drei wirklich coole Longplayer hinzulegen.

Die New Yorker Avantgarde-Gruppe TV On The Radio zählt zu jener Sorte Bands, die einfach nie enttäuschen. Jedes ihrer mittlerweile drei Studioalben besticht mit einzigartigen, kaum vergleichbaren Klanglandschaften. Schlug die erste Single "Will Do" noch zaghaft die Brücke zum Vorgänger "Dear Science", schaute der Rest auf "Nine Types Of Light" wieder ungehemmt in die Zukunft.
Die einzige Konstante im Repertoire der Stilakrobaten scheint eine Vielschichtigkeit zu sein, unter deren Druck diesmal nach Ansicht unseres Autoren Renz "alles von Prince bis zu den Pixies in einem Song implodiert". Klingt nicht nur auf dem Papier wuchtig.

Düster und bizarr hört sich das vierte Album der kanadischen Band rund um den Mastermind Taylor Kirk an. Mit "Creep On, Creepin' On" brachten Timber Timbre ein Album raus, das wiederum voll und ganz in das von Kirk selbst erfundene Gothic Rockabilly Blues-Genre passt.
Dabei erzeugen sie mit Gitarre, Geige, Klavier und Mundharmonika Songs, die zu düsteren Science-Fiction-Streifen gespielt werden könnten. Timber Timbre schwelgen regelrecht im Beerdingungs-Folk. Eine Platte, deren Melancholie sich intensiv über das eigene Gemüt legt.

Empirisch gesehen gibt es wohl kaum ein Bandkollektiv, das eine solche Hochwertigkeit in der Liedgestaltung und dessen Darbietung besitzt. Wilco verwalteten mit "The Whole Love" nicht einfach ihre Fähigkeiten.
Ganz im Gegenteil: Sie bauten sie noch aus. Jeder Song war ein Treffer, jedes Riff traf ins Schwarze. Zwölf Lieder, von denen keines der Klassenprimus sein möchte, ganz einfach weil sie alle in der ersten Liga spielen.

Geschenkt gab es ein Radiohead-Album dieses Jahr leider nicht. Dennoch gelang der Oxforder Über-Band wie beim Vorgänger "In Rainbows" das Kunststück, einen unterkühlten Download in eine aufregende Bescherung zu verwandeln.
Zwar ergeben viele Elemente in der Wundertüte "The King Of Limbs" erst einen Sinn, wenn man sie selbst immer wieder neu zusammensetzt. Doch wer gut hinhörte, fand in den experimentellen Grooves des achten Studioalbums wunderbare Überraschungen wie das Gitarrenmantra "Little By Little" oder die verträumte Single "Lotus Flower" und mit der Klavierhymne "Codex" schließlich den besten Beweis, dass Radiohead immer noch ganz große Popsongs schreiben können.

Der Sechser kommt aus Dänemark, die deutsche Grenze ist also nicht weit. Aber Kellermensch! In Sachen Bandname läuft ihnen da höchstens noch Rammstein den Rang ab.
So unheimlich und unterschwellig bitterböse klingt sie auch, die Kreuzung aus Alternative Rock- und Doom Metal-Atmo, die unsere Nachbarn auf ihrem wiederaufgelegten Debütalbum gebären. Befremdlich, aber in der Form irgendwie noch nie gehört. Zumal bei einem Track wie "Army Ants", wäre er aus Bruce Springsteens Feder, das komplette Stadion mitbrüllen würde. Verrückt.

"Für viele Musiker ist es die Krönung ihrer Karriere", stammelte sogar tagesschau.de ehrfürchtig und bezog sich dabei auf die von den Beatsteaks kürzlich mal wieder eingesackte 1Live-Krone. Geschenkt!
Die wahre Krönung für einen Musiker sind keine Preise von der Industrie oder irgendwelche Plattenkritiken, sondern die auch nach über zehn Jahren nicht abebbende Begeisterung der eigenen Fangemeinde.
So wurden Arnims Power-Buben auch 2011 wieder von ihren Fans auf Händen getragen, etwa bei zwei ausverkauften Abenden in der Berliner Wuhlheide, Co-Headlinerslots bei Rock Am Ring vor System Of A Down oder in ungefähr 50 anderen Tourstädten.
"Boombox" chartete natürlich auf eins, untermauerte ihre Ausnahmestellung im deutschen (Punk-) Rocksektor und warf vier Singles ab. Farin Urlaub und wir schrieben feurig-begeisterte Rezensionen. Die wahre Krönung für einen Musiker, oder?

Wie noch nie in seiner Karriere zelebriert der Londoner Patrick Wolf auf "Lupercalia" den schwelgerischen Pop und spielt seine Affinität zum zuckersüßen Pathos gekonnt aus. Er besingt mit großer Geste Lust und Leid der Liebe und besticht mit dichten und verspielten Kompositionen, die Synthie-Arrangements mit euphorischen Orchestraleinlagen in Einklang bringen.
Mit dem überschwänglich produzierten fünften Album bringt Wolf seine Vorstellung vom gelungenen Liebesglück leidenschaftlich zum Ausdruck.

"I was raised up believing I was somehow unique": Ohne Frage, Robin Pecknolds Qualitäten als Songwriter und Sänger der Fleet Foxes sind einmalig. Nachdem das Debüt der Band aus Seattle drei Jahre zuvor allseits umjubelt wurde, folgte mit "Helplessness Blues" der nächste Streich: Eine warme Innen- wie Außenschau, die sich auch dem Trubel, dem Gefühl der Überwältigung und Hilflosigkeit angesichts des Erstlingserfolges widmet.
Themen wie diese packt Pecknold in wohlklingende Melodien und durchdachte Arrangements, schichtet verhallte Gesangsspuren übereinander und setzt Verzierungen genau an die richtigen Stellen. Geige, Schellenkranz und Zither geben dem Sound eine hippieske Waldromantik, die den Folkrock der späten 60er und frühen 70er reminisziert. Einzigartig und entrückend schön, "like a snowflake distinct among snowflakes".

Graveyard klingen schlichtweg wie aus einer Zeitmaschine gepurzelt. Die vier Schweden, die allesamt aussehen, als wären sie Brüder, spielen rein formal Retrorock pur: Hier eine Portion Black Sabbath, dort ein Batzen Led Zeppelin und alles gewürzt mit einer Prise psychedelischem Bluesrock.
Dabei klingen sie trotz aller unüberhörbaren Reminiszenzen sehr eigenständig und wahnsinnig fresh. Fand interessanterweise auch die Metalgang von Nuclear Blast, die Graveyard gleich mal unter Vertrag nahm. Für viele ist die Band dank ihres "selbstbetitelten Albums" die Rockentdeckung des Jahres.

Nicht zweimal in dieselbe musikalische Kerbe zu schlagen, ist ein Kredo, dass sich so manche Band auf die Fahne schreiben sollte. Mit "Skying" stellen The Horrors ihre akustische Wandlungsfähigkeit erneut unter Beweis. Synthielastiger geht es auf dem Drittwerk zu, das diesmal stärker auf poppigen New Wave setzt, Krautrock- und Shoegaze-Anleihen aber nicht außen vor lässt.
Badwans Gesang klingt geschmeidiger denn je, die Instrumentierung vielschichtiger und atmosphärischer. Und in den epischen Soundschichten aus Gitarre, Bass und Synthesizer lassen sich allerlei rhythmische Feinheiten entdecken. Mit dem schrammelig-schrägen Grusel-Goth-Rock des Debüts haben The Horrors auf "Skying" gänzlich abgeschlossen.

Was haben wir uns gefreut. Ex-Under The Influence-Goldlöckchen Aaron Bruno ist solo unterwegs und darf endlich die Songs schreiben, die er schon immer wollte. Der resultierende Soundorkan namens AWOLNATION (unbedingt großschreiben!) klappert genauso viele Referenzen bei Madonna und Elton John ab wie bei Sly, MGMT oder Refused.
Sekündlich schälen sich neue, dem puren Pop huldigende Melodien aus der Musikzwiebel, die genug Ohrwurmdichte fürs Radio, genug Bounce für den Club und genug Anspruch für die Hipster hat. Warum das außer uns in diesem Land noch niemand begriffen hat ...

Dave Grohls Sturm- und Drogen-Jahre sind schon lange vorbei. Der netteste Mann im bösen Rockmusikgeschäft zu sein, langweilt mit der Zeit sicher auch. Um sich und seine Foo Fighters bei Laune zu halten, schmetterten sie mit "Wasting Light" einen (für ihre Verhältnisse) rohen Rockbrocken auf den ihnen so gewogenen Mainstream.
Aufgenommen in der heimeligen Grohl-Garage mit "Nevermind"-Produzent Butch Vig, lag sicher irgendwo ein Schild mit der Aufschrift "Fuck Ballads" herum. Nie lassen sie locker, liefern mit hörbarer Spielfreude modernste (Arena-) Rockmusik der besten Art ab. Dass die Foos danach an gefühlt jedem Lagerfeuer ihre knapp dreistündigen Liveshows abbrennen, bringt Grohls Rockverständnis im Jahr 2011 an jeden Mann und jede Frau.

Mastodon ist eine der Bands, auf die sich Metal-Fuzzis und Indie-Geeks hervorragend einigen können. Logische Folge: "The Hunter" schafft es dieses Jahr in die Metal- und in vorliegende Indie-Liste. Zwar hat der Frickelnerd-Faktor darauf etwas abgenommen und die Band geht etwas straighter zur Sache, driftet aber keineswegs in Banalitäten ab.
Es sind die kleinen Unterschiede zu den Vorgängern, die noch mehr Würze in die Suppe bringen. Ein harmonieseliges Ungetüm wie "Creature Lives", das Schlagzeuger Brann Dailor singt, war kaum zu erwarten. Und das ist nur ein Beispiel dafür, dass die Jungs aus Atlanta nach wie vor nicht daran interessiert sind, sich dem künstlerischen Stillstand hinzugeben.
Im Gegenteil: Auf dem Gebiet des Konzeptalbums scheint die Band mittlerweile alles gesagt zu haben und wendet sich neuen Ufern zu. Space- meets Down To Earth-Rock, und wohin geht die Reise als nächstes? Bestimmt dorthin, wo zuvor noch nie ein Mastodon gewesen ist ...

Vinylrauschen, dumpfe Bläserklänge, Streicher, Kinderlärm: nur wenige der Stilelemente, die eines der erstaunlichsten Debüts im Bereich der elektronischen Musik 2011 ausmachen. Wie manche seiner Kollegen zuvor, erhebt Nicolas Jaar mit gerade mal Anfang 20 die Leerstelle zum Stilprinzip. Losgelöst von Standards des Techno und House lehrt er uns auf "Space Is Only Noise" den Reiz der Entschleunigung.
Seine schlicht instrumentierten Tracks geben dem Minimal Techno einen neuen Zwischenton, indem Jaar nicht die Komplexität der Kompositionen reduziert, sondern die Beatzahl. Langsamkeit ersetzt Tanzbarkeit – und nie zuvor plätscherte Wasser so schön an den Strand wie auf dem Opener.

Kaum eine Band schafft es dermaßen intensive, bezirzende und opulente Laut-leise-Klanglandschaften entstehen zu lassen wie die Glasgower von Mogwai. Mit "Hardcore Will Never Die, But You Will" krönen die Schotten ihr bisheriges Schaffen und begeben sich dabei in konkurrenzlose Gefilde.
Das siebte Studio-Output des Quintetts ist ein komplexes Sound-Geflecht, das im Bereich Postrock neue Maßstäbe setzt und den Beweis liefert, dass eine Stimme nicht zwingend das wichtigste Instrument in einer Produktion sein muss.

Dass Sonic Youth auch sanft klingen können und damit dennoch weite Räume ausfüllen, weiß man spätestens seit "A Thousand Leaves".
Deren Sänger und Gitarrist Thurston Moore knüpft auf seinem dritten Soloalbum "Demolished Thoughts" an dieses Raumhafte an, auf akustischer Gitarre, mit Geigen, mit Harfen. Und vergisst dabei die Dissonanz nicht. Sein von Beck produzierter Kammer-Pop stimmt nostalgisch, lässt die Erinnerung schweben. Und haut einen dabei um.

Joseph Mount kreiert ein Konzeptalbum über seine Heimat und "die Zeit, in der man von seinen Eltern eine Flasche Wein klaut und auf eine Party geht." Für den Metronomy-Kopf bedeutet "The English Riviera" die Abkehr vom Dance-Sound hin zu ruhigeren, minimalistischen Gewässern. Kieksende Discosongs wie "A Thing For Me", wie sie noch 2008 auf "Nights Out" zu finden waren, ersetzte er durch flächige Synthies, zurückgehaltene Arrangements und Basslines mit Funk-Esprit.
Das beeindruckt nicht nur zahlreiche Hörer, sondern sogar die Jury des Mercury Prizes, die Metronomy in die Nominierungsliste aufnahm. Unser Autor Schuh ahnte es bereits im April: "'The Englisch Riviera' ist Metronomys bisheriges Meisterstück, das mit Sicherheit nicht nur von der Kritik geliebt werden, sondern auch die Jahreshitlisten dominieren wird."

Wo liegt nochmal Berlin? Gabor Schablitzki a.k.a. Robag Wruhme bringt mit "Thora Vukk" das sommerliche Jena auf die Techno-Landkarte Deutschlands.
Hier kann man die hauptstädtische Engstirnigkeit der Genre-Aficionados nur belächeln. Mit viel Augenzwinkern, DIY-Gestus und Kinderlachen produziert Wruhme 2011 trotz massigem Arbeitspensum mal eben das beste Album dieser Sparte.

Auch mit "Metals" hielt Leslie Feist 2011 dankenswerterweise an ihrer regelmäßigen Kulturleistung fest, nicht dem Mittelmaß zu verfallen. Die Kanadierin sparte alles bis auf das Nötigste aus, um dem Song so nahe zu begegnen, wie es nur ging.
Spärlich instrumentiert und smart arrangiert umgarnte sie damit abermals ganz unaufdringlich eine Hörerschaft, die gemischter nicht sein könnte. Und diese nahm das Angebot gerne an - auch ohne iPod-Werbung.

Sieben Jahre nach dem eher unfertig wirkenden "Real Gone"-Erguss plustert sich der Maestro plötzlich wie aus dem Nichts auf, um die herrschende musikalische Einfältigkeit in ihren Grundfesten zu erschüttern.
Schwarz, dreckig und irre zieht der grollende Barde auf "Bad As Me" den Rhythm & Blues hinter sich her. Gleichzeitig präsentiert der Veteran aber auch seine sentimentale und melancholische Seite und wirkt dabei authentischer als je zuvor.

Schon bevor die niederländischen Rock'n'Roll-Highschool-Absolventen von De Staat fachmännisch den Konstanzer Kulturladen zerlegten, sorgte ihr Album "Machinery" in der Redaktion für ungläubiges Staunen. Abgedreht, nach vorne drückend, krachledernd, falsettverliebt, voller Wüstensand und dabei noch funky: Die spinnen, die Oranjes. Zum Glück! Wenn der Motor erst mal angeworfen ist, hält diese Gruppe niemand mehr auf. Und sie spielen sich gerade erst warm.
Wir tippen auf den internationalen Durchbruch mit dem nächsten Album. Und können Masters Of Reality-Chef Chris Goss nur beipflichten, der De Staat-Sänger Torre Florim schon 2009 auf dem Lowlands Festival wissen ließ: "Ich bin früh aufgestanden, um eure Show zu sehen. Und ich hasse es, früh aufzustehen!"

Dass Noel Gallagher den direkten Draht zur höheren Kunst des Songwritings hat, beweist der nie alternde Oasis-Zweiteiler "Definitely Maybe" und "(What's The Story) Morning Glory" vortrefflich.
Dass sein Anspruch an den astreinen britischen Popsong scheinbar niemals schmäler wird, dokumentierte dieses Jahr sein Solodebüt nicht weniger eindrucksvoll. Mit den High Flying Birds übererfüllte Noel Gallagher diese Zielvorgabe. Vom Bruder entzweit, war er gleichzeitig so eins mit seiner Musik wie lange nicht mehr.

Nicht wenige fürchteten 2008 angesichts der unbarmherzigen Groove-Schleuder "Midnight Boom", Mrs. Mosshart und Mr. Moss hätten ihren kreativen Höhepunkt erreicht. Zumal Alison danach ausgiebig mit Jack Whites Dead Weather flirtete und das The Kills-Theater vorübergehend seine Pforten schloss. Doch das Duo hatte in den Jahren zuvor einfach schon viel zu viel miteinander erlebt, als dass man sich von dahergelaufenen Blues-Superstars oder Topmodels aus der Bahn werfen ließe.
Die neue Boom-Box der Kills heißt "Blood Pressures", feiert den Minimalismus wieder stärker als ihr Vorgänger, ohne dabei jedoch die Melodie zu verschmähen und entwickelt mehr Druck als die neue Espressomaschine der Redaktion. Süchtig sind wir nun jedenfalls von beidem.

Wärmende Bläser, sanfte Offbeats, eingängige Melodien, dem Ohr schmeichelnde Dur/Moll-Wechsel: kein anderes Album von PJ Harvey ist dem Hörer so leicht zugänglich wie "Let England Shake". Während PJs fragile Stimme früher stets bedrohlichen Angriffen schwerer Gitarrenriffs ausgesetzt war, tragen und verstärken Gesang und Instrumentierung sich nun gegenseitig und bilden ein harmonisches Ensemble.
Diese musikalische Wieder- bzw Neu-Geburt der PJ Harvey spiegelt einen auch inhaltlich radikalen Themenwechsel wider. In ihren Texten befasst sich die Britin erstmals nicht mehr mit der inneren Zerrissenheit des Menschen, seiner Geworfenheit ins Dasein und dem Leiden an Liebe und Eifersucht, sondern mit der Außenwelt.
Dabei findet sie eindrückliche Bilder für ihre vom Krieg (gegen den Terror) zerrissene und von Schulden niedergedrückte Heimat aus der Perspektive einer ins Sakrale entrückten Kunst. Welchem deutschen Musiker würde man eine derart schonungslose und doch poetische Abrechnung mit dem eigenen Land zutrauen? Leider keinem.






der wurde von den anderen listen leider ignoriert)
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