Porträt

laut.de-Biographie

Ben Ivory

"Kunst und ihre Ausdrucksmöglichkeiten sind so vielfältig, dass ich mich unmöglich nur auf eine einzige Sache beschränken kann." Der Berliner Ben Ivory sieht sich als Gesamtkunstwerk. Das drückt sich schon im etwas schrillen Auftreten des 1982er Jahrgangs aus. Oder dadurch, dass er versucht, seinen ursprünglichen, bürgerlichen Namen vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Zumindest, seitdem er in die Rolle seiner Kunstfigur geschlüpft ist, die nicht nur Elektropop macht, sondern ebenso als Model über den Laufsteg schreitet.

Der berufliche Werdegang von Ben ist schon früh vorbestimmt: Als Sohn eines Komponisten und Enkel einer Autorin und Pianistin bleibt dem Jungen nichts anders übrig, als selbst von Kindesbeinen an künstlerisch tätig zu sein. Dabei findet der junge Ben die Bildende Kunst zunächst interessanter. Er beginnt bereits mit elf Jahren zu malen, die erste Ausstellung lässt nicht lange auf sich warten. Wie so oft folgt im Teenie-Alter die erste eigene Band, mit der Ben nun musikalische Erfahrungen sammelt.

Zunächst treibt er sich dabei noch in anderen Genres herum: Im Jahr 2006 gründet er mit fünf befreundeten Musikern die Rockband SplinterX, die sogar in England und Frankreich Fans gewinnt und auf einem kleinen Label schließlich ein Album veröffentlicht. Außerdem untermalen die Herren für den Modeschöpfer Benjamin Kern die ein oder andere Modenschau mit ihren melancholischen Klängen. Allerdings löst sich die Band bereits drei Jahre später auf.

Was so manchen jungen Musiker aus der Bahn wirft, nutzt Ben Ivory für eine Neuorientierung. Der Sänger wäre nicht der erste, für den eine Selbstfindung den entscheidenden Karrieresprung bedeutet. Allein schreibt er zwar ebenso melancholische, aber dafür elektronischere und poppigere Songs als noch mit seiner Combo. Sein eigener Stil weckt schließlich Interesse bei diversen Labels. "Ich bin nicht der Songwriter, der im Hemd auf dem Barhocker mit der Akustik-Gitarre performt. Von der Sorte haben wir in Deutschland genug", so Ivory in einem Interview. Diesen Satz im Munde hat er seinen Plattenvertrag mit Warner Music längst in der Tasche.

Das Label ist auch der Grund, warum Ivory schließlich mit seinem neuen Solo-Projekt beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2013 in Hannover antritt. Doch die Teilnahme kostet den Berliner einiges an Überwindung. Ängste, er könne sich mit einem Vorhaben wie diesem übernehmen (schließlich hatte er unter seinem Namen noch kein Album veröffentlicht und kaum Konzerte gespielt), legt er schließlich ab. Schwung soll in den Vorentscheid! "Es ging mir darum, diese altbackenen Grenzen aufzusprengen."

Mit seinem Song "The Righteous Ones" belegt Ivory am Ende immerhin den siebten Platz. Angesichts der Tatsache, dass seine Musik dem Mainstream etwas entrückt ist, kann das immerhin als respektabler Teilerfolg gewertet werden. Kurz darauf gibt es bereits wieder Grund zur Freude: Im Mai 2013 erscheint schließlich sein erstes Album "Neon Cathedral". Die 13 Songs auf der Platte sollen eine eher düstere und verruchte Seite des Club-Sounds abbilden – weit weg von Party-Gedudel.

Egal wie erfolgreich seine Musik nun wirklich ist, der ökonomische Aspekt scheint für den selbst ernannten Exzentriker immer Nebensache zu bleiben. Als Spross einer Künstlerfamilie kratzt ihn das mit dem Kapitalismus wenig, einzig und allein das Schaffen selbst steht für ihn im Mittelpunkt. Denn, für Ivory ist die Sache klar: "Musik ist eine göttliche Sprache. Es gibt nichts Höheres."

Alben

Ben Ivory - Neon Cathedral: Album-Cover
  • Leserwertung: 2 Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2013 Neon Cathedral

Kritik von David Hutzel

Kreuzung aus verunglückten Skrillex-Standards und kaputtem Föhn. (0 Kommentare)

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