Ben Folds Gespür für herausragendes Songwriting hat sich längst herumgesprochen. Und wird mit "Way To Normal" weiter untermauert, wenn man vom protzigen Opener "Hiroshima (B B B Benny Hit His Head)" absieht. Wollen wir diese Stadion-Anarchie mal als Parodie auf Billy Joels-Massengigs deuten, als ironischen Wink für die Einweisung in die TopTen. Da will ja schließlich jeder hin.
Auf Ben Folds drittem Alleingang bleibe ich als kölsches Mädchen natürlich bei den Stücken fünf und sechs hängen. "Before Cologne" ist eine hübsche Piano-Einleitung zur eigentlichen Verführung "Cologne". Die Tränen sind dabei vorprogrammiert und werden durch traurige Streicher unterstützt - der Mann scheint bei seiner letzten Konzertreise großen Gefallen an der Rheinmetropole gefunden zu haben. Aber nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ben Folds' Ballade hat mit dem kölschen Frohsinn an sich eher wenig zu tun.
Von den zwischenmenschlichen Missverständnissen erzählt er im Duett mit Regina Spektor ("You Don't Know Me"). Es ist schließlich immer wieder traurig, lange Zeit mit jemanden zu verbringen, um dann festzustellen, dass man sich überhaupt nicht kennt.
Neben den klaren Pop-Melodien stoßen auch mal trashige Beats ("Brainwascht") in die Gedanken des melancholischen Virtuosen. Unterdessen entpuppt sich "Free Coffee" am Ende als eine funky Jazz-Variation. Hier hat der Komponist wohl zu viele Röstaromen abbekommen. Diesen Koffein-Schwung nimmt er mit ins nächste Tanzstück. "Bitches Ain't Shit" hieß es schon 2006 auf Supersunnyspeedgraphic, The LP, und die flotte "Bitch" bleibt auch Bestandteil dieser Platte. "Bitch Went Nuts" führt die Idee humorvoll und eingängig fort.