laut.de-Kritik

Vom schmalen Grat zwischen Hoffnung und Dreck.

Review von

Bausa, der wohl interessanteste Rap-Export aus Bietigheim seit einem gewissen Michael Schindler, nennt sein Debüt "Dreifarbenhaus". Mit diesem Titel trifft das Signing von Warner Music genau ins Schwarze: Harmlos und nett mutet der Name der Platte an, steht in Wirklichkeit aber für Stuttgarts größtes Bordell. Genau diese Diskrepanz zwischen Einklang und Hoffnung auf der einen, und dreckigen, schonungslosen Inhalten auf der anderen Seite zieht sich wie ein roter Faden durch.

Schon das "Intro" erzählt davon, zwischen Gut und Böse festzuhängen ("Streu' das Salz in meine Wunden, ich genieße den Schmerz, ich hab' Lungen wie ein Pferd und ein riesiges Herz", "Ich bin Tag für Tag nach zehn Stunden Drecksarbeit mit der S-Bahn ins Studio gefahren, nur um 'nen Text zu schreiben"). Einen ehrlicheren Einstieg in ein Album hat man selten bekommen.

"Sag' mal, hast du mich vermisst, Baby?", fragt Bausa direkt im Anschluss. Ein ganz klares Ja. Auch hier catcht Baui den Zuhörer textlich einerseits mit seinem zeitweisen Leben in der Gosse ("Ich hab' in 'ner Lagerhalle gewohnt und nicht geduscht und so"), andererseits mit der Aussicht auf ein besseres Leben ("Aber dann hab' ich Stimmen gehört, sie haben gesagt: Du bist mehr. Sie haben gesagt: Du bist Baui, wenn du willst, wirst du Millionär").

Dieser schmale Grat, der sich inhaltlich in fast allen Liedern widerspiegelt, sorgt während der gesamten Spielzeit für die Grundspannung. Im Grunde genommen ist es wie bei einer guten Serie: Man will nach jeder Episode sofort wissen, wie es weitergeht.

Vor allem die musikalische Textur der Songs überrascht immer wieder. Bausa beginnt beispielsweise in seinen Verses auf "Baron" oder "Belle Etage" eher etwas ruhiger und lockerer, um seine leicht raue Stimme dann in der Hook brachial zu entladen. Dennoch klingt sein Gesang angenehm unangestrengt und weist Wiedererkennungswert auf. Sehr klar kommt dies auf "Da Wo Ich Herkomm" zum Vorschein. Auch wenn man Baui im Genre Hip Hop einordnen kann, setzt er seine Raps doch eher spärlich ein. Immer dann, wenn es eben stimmt. Dabei fühlt er sich aber gesanglich um so wohler.

Das Soundbild dazu tragen atmosphärische Beats, die zur inhaltlichen Stimmung der Tracks passen. Elemente aus Trap und Soul sind klar erkennbar, ebenso haben einige Songs einen synthetischen Pop-Anstrich verliehen bekommen. Einzelne Instrumente, wie zum Beispiel die Gitarre, bekommen immer wieder eine kurze Solo-Darbietung ("Medusa"). Die Instrumentals, zu einem bunten Soundcocktail gemixt, werden so noch einmal hervorgehoben und gewürdigt.

Live sollte der runde Sound für ein bühnentaugliches Programm sorgen. Wie das aussieht, dürfte der gebürtige Saarbrücker bereits als Support-Act auf der Tour von RAF Camora und Bonez MC aufgesogen habe.

Daran, dass "Dreifarbenhaus" so klingt wie es klingt, hat Baui selbst maßgeblichen Anteil. Laut eigener Aussage hat er selbst "an den Kompositionen mitgewirkt". Seine Skills an den Keyboards haben sich an dieser Stelle wohl bezahlt gemacht. Für den Großteil der melodiösen und modernen musikalischen Untermalung zeichnen aber die Bounce Brothaz, SOTT, Gorex, Bazzazian und Illthinker verantwortlich.

Neben leicht aufzunehmenden Ohrwürmern wie "Medusa", "Baron" oder "Tropfen" hebt Bausa aber auch den Zeigefinger. So erzählt "Bambi" die Geschichte eines jungen Mädchens, das mit den wilden Löwen Party machen will ("Roll' nicht mit den Löwen, Bambi, wir sind die größten Assis, vor denen dich deine Mutter warnt"), sich dabei aber maßlos im Alkohol verliert. Auch hier zeigt sich wieder der Konflikt zwischen Böse und Gut: Der anständige Bausa kutschiert das betrunkene Mädchen dann doch lieber nach Hause.

Manchmal schweift Bausa allerdings auch in Phrasen ab ("Zeit heilt alle Wunden"). Den Song "Stripperin" hätte es zudem nicht zwangsläufig gebraucht. Das mag zwar ein lockerer Partytrack sein, die vorgetragenen Klischees darin hat man aber schon zu Genüge gehört.

Features hingegen bleiben Mangelware, was für ein Erstlingswerk aber durchaus nichts Verwerfliches sein muss. Der Fokus des ersten Releases eines Künstlers sollte ja am besten auch auf selbigem liegen und dessen ganze Bandbreite zeigen. Zeit für Experimente hat Bausa noch reichlich auf seinen kommenden Platten. Die werden ganz sicher folgen – nach solch einem starken und stimmigen Debüt.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Vermisst
  3. 3. Wo Bist dDu?
  4. 4. Tropfen
  5. 5. Baron feat. Lativ
  6. 6. Stripperin
  7. 7. Medusa
  8. 8. Belle Etage
  9. 9. Weit Weg
  10. 10. Bambi
  11. 11. Da Wo Ich Herkomm
  12. 12. Pyramiden
  13. 13. Danke
  14. 14. Pyramiden (Akustik)

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LAUT.DE-PORTRÄT Bausa

"Dreifarbenhaus" heißt Bausas Debütalbum. Es erzählt davon, "zwischen Gut und Böse festzuhängen. Genau das ist nämlich auch meine Geschichte." Lange …

5 Kommentare mit 17 Antworten

  • Vor 7 Monaten

    Vor nem Jahr hätte ich das wahrscheinlich sogar gefeiert, aber der trap-drops ist für mich langsam abgelutscht. Zu viele Köche verderben den Brei. Jetzt muss er damit leben, dass er mit yung hurn und Ufo in einen Topf geschmissen wird, was er eigentlich nicht nötig hat.

    • Vor 7 Monaten

      Also von den beiden ist seine Musik wohl weit genug entfernt um nicht in einen Topf geschmissen zu werden, außer vllt von jemandem der sich nicht mit der Materie beschäftigt hat und nur aufgrund von 808 Bässen urteilt (ich feiere sowohl manche Tracks von Ufo als auch Yung Hurn im Allgemeinen, aber das sind doch sehr unterschiedliche Geschichten, alleine vom ganzen Feeling). Man sollte sich eher freuen, dass es Produktionstechnisch gerade in und um Deutschrap herum sehr gut ab geht.

    • Vor 7 Monaten

      Vergesst bitte Buggs Flizzy nicht, er hat Trap auf Deutsch immerhin erfunden!!!

    • Vor 7 Monaten

      Wie du im Impressum von laut.de nachlesen kannst auch diese Internetseite also bitte nicht zu viel Spott.

  • Vor 7 Monaten

    ist das nicht der aus Super Mario?

    • Vor 7 Monaten

      Kennst du die Verfilmung mit Dennis Hopper? Ganz großes Kino :koks:

    • Vor 7 Monaten

      Klar durch den Nostalgia Critic kenn ich alles :D

    • Vor 7 Monaten

      Jetzt auf anhieb weiß ich gar nicht, wann ich den Film gesehen habe. Ich weiß nur noch, dass ich sehr jung war. Müsste glaube ich anfang 1990 gewesen sein(Keine Lust zu googeln, da am Handy).

      Oder die erste Turtles Verfilmung. Damals noch im Kino gesehen..hach

    • Vor 7 Monaten

      Das hab ich alles noch ohne YouTube kennenlernen müssen. >:^(

    • Vor 7 Monaten

      hatte den Super Mario Bros Film auf Videokassette :D Was ihn nicht besser macht.

      Finde leider, dass vorher schon alle wirklich überragenden Tracks rausgehauen wurden, somit hat das Album jetzt keinen großen Mehrwert mehr.

      Textlich hab ich manchmal etwas mehr erwartet aber musikalisch und vor allem produktionstechnisch gefällt mir da doch einiges sehr gut (Baron, Tropfen, Wo bist du, Vermisst, Bambi, Weit weg).

      Deutsche Popmusik, die mir taugt, selten genug.

      6,5-7,5/10

  • Vor 7 Monaten

    Mag die scheibe. Die soul stücke stechen heraus. Einzig stripperin und bambi gefallen mir nicht.

    Der könnte noch ganz gross werden. Gespannt auf weiteres.

  • Vor 7 Monaten

    Apropos Dreifarbenhaus: Craze neulich gesichtet, als er sich unerkannt aus dem Gebaeude stehlen wollte. Er war gut getarnt, schlussendlich haben ihn oelige Fingerkuppen und ein unverkennbarer Wendehals aber auffliegen lassen.

    • Vor 7 Monaten

      Wars nicht eher der definierte Panzen?

    • Vor 7 Monaten

      Man schreibt es "Pansen" du unterbelichteter Honk. Bleib doch bitte mit deinem Geseier weiterhin bei Onkel Meuri, hm? ;)

      @Baude: Das ist sogar in der Tat möglich, dass ich da in letzter Zeit mal in der Nähe gesichtet wurde. :D
      Trotzdem verbitte ich mir den Wendehals, bin wohl einer der ganz wenigen User hier, die straight sind. ;)

      Zum Albung: 1/5 wegen Bietigheim-Bissingen. :lol:

    • Vor 7 Monaten

      Bausa, Rin, Shindy...schon merkwürdige Gestalten, die da herkommen. Wobei ich den neuen Track von Rin ganz cool finde.

    • Vor 7 Monaten

      Danke für die Belehrung :D . ich war einfach noch zu müde und Handyautokorrektur, du weißt . Auch klar, dass ich bei Bauchfragen gegen dich kein Land sehe ;)

    • Vor 7 Monaten

      @Django

      wie beurteilst du als Bienenjünger eigentlich die aktuelle Schlammschlacht um Aki und Tuchel?

    • Vor 7 Monaten

      Du siehst vmtl in wenigen Fragen - die nichts mit dem Genuß von Sperma oder Fler Alben zu tun haben - Land gegen mich. ;)

      @Django Es sind halt alles Lauchs aus dem Speckgürtel von Stuttgart, quasi eine konsequente Weiterentwicklung von Mongos wie den Fanta 4 oder den Massiven Tönen. :D

    • Vor 7 Monaten

      Och, ein Blick auf deine stattliche Statur und ich sehe eigentlich sehr viel Land, unabhängig aller Fragen ;)

      Lieber ein RIN oder Shindy als Fanta 4. oh man sind die scheiße. Ich wette Lauti hat die Massiven Töne mit Cruisen als Klingelton seines exquisiten Smartphones

    • Vor 7 Monaten

      Klingelton seit Anbeginn der Zeit natürlich "die da" (das coole Intro, sollte klar sein)

  • Vor 7 Monaten

    Mich wundert, dass noch niemand den Vergleich angesprochen hat aber ich finde, Bausa ist der deutsche Drake.Tolles Album von einem großem Poeten.