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Das nenne ich eine Kulturrevolution! Auf den Tag genau 200 Jahre nach dem Tod Friedrich Schillers reimt Bass Sultan Hengzt schon im Intro "Therapie" auf "therapieren" und "Gas" auf "Autobahn". Rap braucht kein Abitur, sicher - aber wie steht's mit Reimen?
"Hier komme zweimal Härte-Doppelpack, du bist nur zum ficken da. | Jeder unserer Fans weiß, wir sind auch noch morgen Stars." Nö, auch bei Track zwei weit und breit kein brauchbarer Reim in Sicht. Dafür gibt's einen schönen Flow, einen erstaunlicherweise recht guten Part von King Orgasmus und einen Bombenbeat von Bushido-Hausproduzent Ilan. Der kann einem übrigens richtig leid tun. Wann immer er sich richtig ins Zeug legt, scheitert Bass Sultan Hengzt auf der lyrischen Ebene kläglich.
"Ich rappe Tag für Tag den selben Müll, weil deine Stadt so etwas mag." Zumindest in puncto Menschenkenntnis macht dem Jungen niemand was vor. Die Hookline dieses gescheiterten Storytelling-Versuchs lautet übrigens: "Rapstudent - Dein Rap ist uninteressant, | du rappst über Probleme, über Probleme in ganz Deutschland. | Ihr Ökos fickt nur eine Frau. | Standardrap den keiner braucht. | Macht das, was euch am meisten liegt: | Rappt über die Politik." Als ich etwas jünger und Rap noch nicht "weich" war, wie es auf der Scheibe proklamiert wird, hieß es in Bezug auf Ökos noch: "Wer zweimal mit der selben pennt, gehört schon zum Establishment", aber in Berlin ticken die Uhren ja bekanntlich etwas anders.
"Ich fress dich auf | und scheiß dich aus | Bass Sultan Hengzt ist im Haus." Zugegeben: Beim Beginn von "Du Bist Freund Ich bin Feind" muss ich lachen. Der Punkt geht an ihn. Da der Beat nebenher noch spielend sämtliche Zimmerwände erschüttert, wird der Text einfach mental ausgeblendet. "Ich bin zu hart, die deutsche Szene will mich weich, | denn ich rapp halt wie ein Deutscher aus dem harten dritten Reich" - hat er gerade eben wirklich "Drittes Reich" gesagt? Dumm gelaufen, da ist er eine Woche zu spät dran. Die ganze kostenlose Promo konnte schon Aggro-Neustar Fler einheimsen. Für einen eigenen Spiegelartikel muss er sich da schon noch ausgefallenere Provokationen einfallen lassen. Sex mit Toten hatten wir noch nicht.
Was sich hinter dem Track "Riesengeil" verbirgt, lässt sich ziemlich leicht erahnen. Dass es dabei um Sex mit dicken Frauen geht, tut der schwülstigen Atmosphäre des Liedes keinen Abbruch. Man muss wohl diese Art von Musik mögen, um den R'n'B-Part hinreichend zu würdigen - Ich kann das leider nicht von mir behaupten. Was sich der Ersgutejunge bei "Du Tanzt Storys" gedacht hat, ist auch unter dem Gesichtspunkt der Clubtauglichkeit nicht nachvollziehbar. Bereits nach 15 Sekunden beginnt das Lied unvorstellbar zu nerven, was immerhin rekordverdächtig ist. Wie kann man bitte ernsthaft "J-Lo" auf "Disco" reimen?
Ich muss zugeben, ich bin nicht vollkommen über Berliner Hip Hop-Slangs im Bilde, aber steht "Homie" nicht üblicherweise für Freund? Und ist es nicht eine eher absurde Taktik für einen Untergrundrapper, seine "Homies" als Opfer der eigenen Ausbeutung zu beschimpfen? Fachkundige E-Mails bitte an den Verfasser. Homie Bushido darf übrigens im nächsten Track "Großstadtdschungel" auch mal ans Mic und sorgt für den ersten akzeptablen Part seit langem. Auch bei "Eigene Regeln" passen Flow und Beat dann wieder recht gut zusammen. Dafür befindet sich der folgende Skit irgendwo tief unten zwischen dämlich und absolut unlustig.
"Cazino" zischt haarscharf am Versuch eines Rapsongs mit Aussage vorbei und verglüht dann irgendwo im Kosmos der schlechten Reime. Ausnahme: "Ihr verpeilt eure Zeit an der Bong | ich habe die Zeit und schmeiß mit Jetons." - er hat es schon wieder geschafft: Ich muss lachen. Auch "Ich Liebe Dich" hat irgendwie keinen erkennbaren Bezug zu den enthaltenen Reimen, aber wer mit "Ich bin ein Schwein, weil ich nur an mich denk, | ein Ego, weil sich die Welt um mich dreht" eröffnet, dem verzeiht man alles. Das Outro hingegen ist fett, vielleicht auch deswegen, weil es sich auf einen Beat beschränkt.
Auch die Erstaufführung von "Die Räuber" soll seinerzeit für "rollende Augen" und "geballte Fäuste" gesorgt haben. Dass in 200 Jahren das "Bass Sultan Hengst-Jahr" zelebriert wird, ist vielleicht eher unwahrscheinlich. Dass Schiller sich allerdings angesichts solcher Reime im Grab umdrehen dürfte, hat nichts damit zu tun, dass der Berliner Ärsche bewegt ...
Word up.
Ist ja schön und gut, dass einige diesen Style so sehr mögen, allerdings war das Ding einfach, naja, schlecht.
Hengzts neues Album ist um Welten besser.
Na der Kerl rappt einfach nicht darauf, das ist einfach nur Rumgefluche ohne Struktur oder Reime. Ungefähr so wie Qwer auf normalen Beats und mit asozialen Texten.
Naja, gut, im Endeffekt heißt es ja jedem das seine, allerdings ist das für mich prinzipiell nichts, das ein hörbares Album ausmacht. Hurensohn, aaaaah. Upps, ich bin ja auch "Atzenrapper"
Wird das denn nicht irgendwann langweilig?
Also, zugegebenermaßen, als ich Orgi etc. das erste mal gehört habe, war natürlich auch ein gewisses Vergnügen zu spüren, die Lustigkeit kann man ihnen nicht abstreiten. Aber irgendwann ist es doch gut. Das ist fast wie Mario Barth(wobei dieser sich wiederholt, ohne jemals lustig gewesen zu sein)
Kaum einer im Spiel ist so wandlungsfähig und vielseitig wie der Orgasmus-König...
edit:
Ach ja, Hengzt is im vgl dazu eigentlich nur eine mehr oder minder r-folgreiche Bushidokopie, was r durch feat-gäste und seine markante Stimme ausgleicht, oder sagen wir, bis zum letzten ALbum ausgleichen konnte
Das letzte mal, als ich Orgi wirklich unterhaltsam fand, war bei Maischberger.
Schämen sie sich nicht dafür- Ehm, nö.
[quote:68d86a63bd="abesøn"]@sodhahn
solltest du mal ne fernreise (damit meine ich, weiter als ins nächste viertel) richtung rhein-main machen, will ich dass du vorbeischaust und mir nen abend deine mucke auf die ohren gibst.[/quote:68d86a63bd]
kein problem...fraglich nur ob du das einen ganzen abend erträgst 
[quote:561c6619d6="abesøn"]ansonsten hol ich einfach die torch-cd aus dem schrank und hau dich damit kaputt
[/quote:561c6619d6]
dafür ist torch zu schade...nehm lieber irgendwas von samy. den zausel kann ich gar nicht leiden...

Hab mir grad mal ein paar Sachen angehört, die Ilan produziert hat, weil hier laufend von ULTRAFETTEN ORGIASTISCHEN POWERBLASTBOMBASTKRASSBEATS die Rede ist - ähm...
boooom, zack, boom, zack, boooom, zack, boom, zack unterlegt mit irgendeinem bassig schnarrendem soundsample ist n fetter beat?
oder
titti titti bam bam, titti titti bam, titti titti bam bam, titti titti bam wiederrum unterlegt mit einem, diesmal weniger scharrendem, soundfile?
ähm, Leudde...dann würden euch ja die prodigy-beat zum Dauereinscheissen animieren! 
DAS ist also ULTRAFETTER Rap - naja, prost Mahlzeit. Dann doch lieber richtig fette Riffs und knallende Doublebass-Attacken von Fear Factory!
Rap ist nicht als Musik definiert, die sich durch besonders ausgefallene Breakbeats ausdrückt, das würde zugleich auch die gesamte Metrik zerstören. Es muss ein regelmäßiger Beat sein, damit auch jeweils die Parts draufpassen.
Und egal, was Sodhahn jetzt sagen wird, DAS hier ist kein "Superrap".


einfach mal reinhören. atzenmusikFür alle, die den alten Hengzt vergöttern und den neuen Haten:
Wie siehst du die Berliner Szene zur Zeit? Was macht Hengzt eigentlich?
Die Berliner Szene seh ich wie immer cool. Also Hengzt macht sein Ding, jeder macht sein Ding. Fabio (Bass Sultan Hengzt, Red.) macht ein neues Album. Da will er wieder gangstermäßig rappen. Was ich auch vorher irgendwie wusste. (Zitat von Fler)
Leben versüßt?^^
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