laut.de-Kritik
Seit zwanzig Jahren zuverlässiger Garant für einen guten Song.
Review von Philipp Schiedel
Ob eine neue Platte der California-Altpunks im Laden steht, juckt ja schon seit Jahren keine Sau mehr. Nun ist es wieder so weit und obwohl schon die Hälfte ihres Outputs in meinem Plattenschrank zu finden ist, fällt es mir schwer, "Process Of Belief" zu hassen. Und das auch nur auf Grund seiner Routine: es ist eben wieder eine dieser typischen Bad Religion-Platten geworden.
Wer wirklich glaubte, dass die Rückkehr von Ur-Gitarrist Brett Gurewitz (der sich in den letzten Jahren hauptsächlich um das bandeigene Label "Epitaph" gekümmert hatte) auch nur das kleinste bisschen Weiterentwicklung gebracht hat, der kann in Ruhe weiter in seinem Land der Träume schlummern.
Natürlich ist in Kaliforniern alles gleich geblieben. Wie eh und je böllert der erste Song sofort los, wie eh und je jaulen alle dreißig Sekunden "Ohh Ohh Ohh"s aus der Rille und wie eh und je unterstützt in jedem zweitem Refrain ein Background-Chor in Form seiner Gitarristen Sänger Greg Graffin. Im Bad Religion-Land ist keine Verbesserung und keine Verschlechterung in Sicht. Konstanz heißt die Devise seit zwei Jahrzehnten.
Wenn kein einziger Song besonders heraus sticht, muss das allerdings noch nichts Schlechtes bedeuten. Hier sind dreizehn okaye Pop-Punk-Songs versammelt (das leidige Kiddie-Gedüdel bei "You Don't Belong" lassen wir mal unter den Tisch fallen ...). Das Problem dabei ist nur, dass die Midlife-Crisis-Boys auf ihrem Klassiker "Suffer" vor zehn Jahren schon exakt dasselbe gemacht haben. Damals stand die halbe Ami-Punkwelt wegen dieser Platte Kopf.
Einzig und allein bei den Texten wundert sich meine Wenigkeit gelegentlich. Ich müsste lügen, wenn ich schreiben würde, dass ich die alten Platten in letzter Zeit gehört habe, aber waren Graffins Lyrics schon immer so hohl? Zeilen wie "For you and me - there ain't no destiny" oder "Future is a difficult disease" klingen aus dem Mund eines 40-jährigen Typen, der einen Doktor in Biologie vorweisen kann, doch mehr als peinlich.
Nichts Neues also aus dem Hause der schlechten Religion. Seit zwanzig Jahren zuverlässiger Garant für einen Song. Und der ist dann (leider) doch immer wieder ganz gut.