laut.de-Kritik

Santa Claus im Pogo-Pit.

Review von

Die ersten braunen Blätter flattern kaum von den Bäumen, da schielen schon diverse musikalische Weihnachtsankündigungen um die Ecke. Doch wer setzt sich anno 2013 als erstes auf den gewinnträchtigen Rentierschlitten? Taylor Swift? Miley Cyrus? Lady Gaga? Nix da. Man mag es kaum glauben, aber den Anfang machen ausgerechnet die fünf Punkrock-Veteranen von Bad Religion. Oha, da wackelt die Wampe von Santa Claus im Pogo-Pit, während die Englein vor der Himmelspforte zur Anarchie aufrufen.

Aber warum auch nicht? Schließlich verarzteten die Herren um Brett Gurewitz und Greg Graffin in der Vergangenheit schon des Öfteren den einen oder anderen Weihnachts-Evergreen live – man erinnere nur an die KROQ Almost Acoustic Christmas-Sessions. Zudem darf sich eine Band, die über dreißig Jahre lang gekonnt über jedes Fettnäpfchen hinweg gehüpft ist, auch durchaus mal einer kleinen Peinlichkeit aussetzen. Also: Schwamm drüber, die Bommelmützen aufgesetzt und rein ins winterliche Punkrock-Vergnügen.

Den Anfang macht die Charles Wesley-Verneigung "Hark! The Herald Angels Sing", bei dem sich die Verantwortlichen gleich zu Beginn in festliche Gewänder zwängen und den Beweis erbringen, dass die Band in punkto Harmoniegesänge auch heute noch jedes genreverwandte Kollektiv auf dieser Welt spielend leicht in die Tasche steckt.
Nach einer halben Minute ist allerdings Schluss mit lustig. Plötzlich übernehmen verzerrte Gitarren und trippelnde Drums das Kommando und sorgen dafür, dass sich der Opener nahtlos an all das anschließt, was die Band in den vergangenen drei Jahrzehnten in schöner Regelmäßigkeit durch die Boxen schießen ließ. Nach zwei Minuten ist auch schon wieder Ruhe. Auch das kennt man.

Im Anschluss darf Drummer Brooks Wackermann erst einmal sein Set auf Tauglichkeit prüfen, ehe der Rest des Kollektivs sich dazugesellt und John Francis Wades "Adeste Fideles" einen ähnlich flotten Anstrich verpasst. Weiter geht's mit dem Traditional "O come, O come, Emmanuel". Erstmals tritt die Band etwas auf die Bremse und lockert die Muskeln im Midtempo-Modus.

Zwei Minuten später folgt mit "White Christmas" eine der wohl bekanntesten Schneeballhymnen der Feuerzeit, bei der sich die Band gleich zu Beginn die alten Sex Pistols-Shirts überstreift. So richtig kratzig wird's dann aber doch nicht, dafür lässt die vorgegebene Kuschelmelodie des Originals einfach zu wenig Spielraum.

Das anschließende "Little Drummer Boy" klingt im Punkrock-Gewand wie ein militärischer Putschversuch aus dem Kinderzimmer, den man sich hätte sparen können. Besser funktioniert da schon die Up-Tempo-Version von "God Rest Ye Merry Gentlemen", bei der sich die Mannen aus Kalifornien abermals als Meister der Gesangsharmonien präsentieren.

Zum Abschluss gibt's noch zweimal Fast-Food-Ware zum Nachspülen ("What Child Is This?", "Angels We Have Heard On High"), ehe der sich nicht sonderlich vom Original unterscheidende Andy Wallace-Remix von "American Jesus" den Geschenkesack nach gut zwanzig Minuten wieder zumacht. Würde draußen nicht gerade bei knapp 20 Grad die Sonne scheinen, käme glatt ein bisschen Weihnachtsstimmung auf.

Trackliste

  1. 1. Hark! The Herald Angels Sing
  2. 2. O Come All Ye Faithful
  3. 3. O Come, O Come Emmanuel
  4. 4. White Christmas
  5. 5. Little Drummer Boy
  6. 6. God Rest Ye Merry Gentlemen
  7. 7. What Child Is This?
  8. 8. Angels We Have Heard On High
  9. 9. American Jesus (And Wallace Mix)

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