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Mutig, mutig, kaum vier Monate nach der ersten Veröffentlichung bereits während der ersten Tour eine Live-DVD aufzunehmen. Irgendwie zu mutig, ein total bescheidenes Konzert auf DVD zu pressen und drei Jahre später an die Fans zu verscherbeln.
Roh und unbearbeitet klingt der "Ritz"-Gig in Manchester, Petes dilettantischen Umgang mit dem Mikrofon vertuscht die Scheibe also nicht. Auch sonst hört sich das Ganze wenig professionell an. Leider lässt nicht nur die Tonqualität zu wünschen übrig; für knapp zwanzig Euro kann man auch ein besseres Bild erwarten.
Für den hier eingefangenen Live-Moment kommt die Ewigkeit einer DVD-Aufnahme eindeutig zu früh. Die Zuhörer im Saal stört das aber nicht. Wieso auch, es geht ja nicht um die Musik. Die Band steht vorrangig für das Skandalleben ihres Frontmanns, der mit knapp 27 Schachteln Zigaretten in 89 Minuten seinem Ruf wieder alle Ehre macht.
Es hat den Anschein, als böte das den Menschen entweder Identifikationspotenzial, oder, wahrscheinlicher, eine Befriedigung ihrer Sensationsgeilheit. Das Phänomen ist vergleichbar mit dem Dualismus Popband - Teenieherz. Irgendwie ein bisschen wie Pop für Revoluzzer.
Daher wohl auch die ständigen Rufe aus dem Publikum: "Pete, Pete, Pete!" statt "Babyshambles!". Er zieht seine Jacke aus, Mädchen fangen an zu kreischen. Die Audienz freut sich sogar darüber, von der Bühne aus mit Schnaps bespuckt zu werden. Und als Doherty sich zu nah an den Rand wagt, wird er kurzerhand geschnappt und geherzt.
Auch zwischen den Songs kommen statt großer Ansagen stille Sekunden. Unterdessen klammert sich Pete vorzugsweise an seine Schnapsflasche. Paradox: Er genießt es offensichtlich, als kaputter Junkie gefeiert zu werden. Weil er als solcher etwas länger fürs Kreativsein braucht, erinnert nicht nur der Titel des Streifens an The Libertines. Auch deren Songs fließen in die Performance ein.
Damals war das eigene Repertoire einfach noch nicht groß genug, um einen kompletten Konzertabend auszufüllen. Für sechs der 18 gespielten Titel kommt zudem Ex-One Doves Dot Allison on stage, um mit schwacher, fast durchsichtiger Stimme zum Duett (einen) anzuheben. Dank "I Wanna Break Your Heart" erfahren wir, dass man dem Ausstieg von Schlagzeugerin Gemma Clarke nicht nachtrauern muss.
Das Bonusmaterial zeigt anschließend 25 Minuten aus dem Backstage-Leben. Der Fokus liegt wie erwartet auf einer Person. Größtenteils sehen wir unseren Lieblingsengländer beim Songskizzen entwerfen. Zu sehen und hören gibt es Soloversionen der Libertines-Tracks "Time For Heroes" und "Can't Stand Me Now". Ein liebloses Produkt einer lieblosen Performance, die sich höchstens bekennende Fans der Vollständigkeit wegen ins Regal stellen.


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