Porträt

laut.de-Biographie

Baby Huey

Selbstvorstellung leicht gemacht: "I'm Big Baby Huey, and I'm 400 pounds of soul." So präsentierte sich ein junger Mann großspurig in den Nachtclubs Chicagos der Sechziger Jahre. Wie recht er damit hat, erahnt die Soul-Szene erst Jahrzehnte später, als eben dieser Baby Huey zwar sein Leben verloren, dafür aber großen Einfluss auf die Hip Hop-Szene gewonnen hatte.

Geboren in Richmond im amerikanischen Bundesstaat Illinois zieht James Ramey mit 19 Jahren nach Chicago, um dort seinem Traum als Sänger und Entertainer nachzugehen. Während die amerikanische Bürgerrechtsbewegung gerade gegen die Ungerechtigkeiten in der US-Rassenlogik kämpft, schert sich der weiße Ramsey weniger um die Konventionen von Hautfarben, sondern frönt in erster Linie Sly & The Family Stone und deren Psychedelic Soul. Seine farbenblinde Sicht der Welt sollte er in Zukunft mit einem einzigen Satz in seinen imposanten Live-Auftritten auf den Punkt bringen: "There is white people, there is black people and then there is my people."

In Chicago avanciert er mit seiner energischen Bühnenshow bald zum Star. Der Rest des Landes hat nicht den Hauch einer Ahnung, was Baby Huey und seine Band The Babysitters mit Bühnen alles so anstellen können. Baby Huey, der sich nach einer bekannten TV-Ente benennt, ist mit einer Stimme gesegnet, die Unwissende schnoddrig und kratzig nennen, seine Gefolgschaft aber nicht nur wegen ihrer Nähe zu Otis Reddings Organ in Ekstase versetzt.

The Babysitters sind keine dahergelaufene Band; mitsamt Bläser-Truppe decken sie die gesamte Bandbreite zwischen Psychedelic Rock und klassischem Soul-Sound ab. Baby Hueys Charisma und Bühnenpräsenz liefert schließlich den Rest für Rockstars im klassischsten Sinne. Dem ausschweifende Rockstarleben sollte der Sänger jedoch bald Tribut zollen. James Ramsey stirbt im Alter von 26 Jahren an den Folgen seiner Heroin-Sucht.

Zum Zeitpunkt seines Todes hat sich der Sänger gerade einen Plattenvertrag bei Curtis Mayfields Curtom Records gesichert. Während der Arbeit an seinem Debüt erleidet der Pfundskerl mit Afro-Frisur jedoch am 28. Februar 1970 einen Herzinfarkt und kann die Aufnahmen zu "The Living Legend" nicht beenden. In Curtis Mayfield hat er jedoch so einen großen Fan gefunden, dass dieser selbst Teile der Produktion des posthumen Debütalbums übernimmt.

1971 erscheint schließlich der Longplayer, der eher den Charakter einer EP aufweist und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auf taube Ohren trifft. Auch die Babysitters sind ohne ihren voluminösen Frontmann wenig bis gar nichts. Als die jugendliche Chaka Khan die Band verpflichtet, wird klar, dass es vornehmlich Baby Huey war, der für die Magie der Truppe gesorgt hat. Ein weiterer Erfolg bleibt aus.

Viele Jahre später gräbt die wachsende Hip Hop-Szene Baby Hueys "Living Legend" wieder aus und schenkt der musikalischen Großtat die verdiente Aufmerksamkeit. Hip Hop-Produzenten mehrerer Generationen zollen dem gewichtigen Sänger und seiner Band auf diversen gesampleten Track ihren Respekt. Auf den Platten von Ice Cube, Swizz Beatz, Eric B. & Rakim, Ghostface Killah und A Tribe Called Quest finden sich Samples aus dem überschaubaren Katalog Baby Hueys wieder. Mit nur einem einzigen Album, das erst nach seinem frühen Tod erschienen ist, gehört Baby Huey zu den Grundfesten der stetig wachsenden Hip Hop-Kultur.

  • Review bei Allmusic

    Insiderwissen zum verschlafenen Album-Klassiker.

    http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:f9fwxqqsldde

Noch keine Kommentare