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Danke Aggro! Mit B-Tights "Neger Neger" beschert ihr uns nicht nur das zweite Labelrelease des noch jungen Jahres 2007, sondern auch einen nicht weniger als 23 Zentimeter langen, schwabbeligen, tiefschwarzen Gummidildo (Bobby Dick) als Promogeschenk. Nun wissen wir eure Sorge um unser sexuelles Wohlergehen ja wirklich zu schätzen, das gelungene Wortspiel mit Verweis auf das letzte Soloalbum "Der Neger In Mir" amüsiert uns ungemein, und Freunde der Experimentierfreudigkeit sind wir ja bekanntlich auch - aber ein Dildo für eine ganze Redaktion!? Sorry, aber das ist ein bisschen wenig.
Gut, wir sind nur Freizeit-Swinger, die sich beruflich noch immer mit eurer Musik beschäftigen. Dass es auch ein bisschen wenig ist, was der Rappe(r) eures Stalles über weite Strecken von seinem Können zum Besten gibt, fällt also deshalb schwerer ins Gewicht. Um ehrlich zu sein erinnert mich euer Konzept in letzter Zeit ein wenig an das von Timbaland und Magoo: Ein fabelhaft generiertes Beatmonster folgt auf das nächste, ständig versucht, von der Darbietung eines Wortakrobaten abzulenken, der spürbar Mühe mit der Konstruktion von Standardreimen hat. Ein astreines Beispiel dafür liefert gleich die erste Singleauskopplung.
Was auch immer ihr Tai Jason derzeit ins Fastfood mischt, dass der gute Mann monströse Clubbanger am Fließband produziert - schüttet das gleiche Zeug doch bitte ins Berliner Grundwasser, irgendein talentierter MC wird sich schon finden, der auf solche Beats ins Schwarze trifft. Für das Instrumental zu "Ich Bins" sollte der Produzent mit Trophäen oder wahlweise vergoldeten Gummidildos überschüttet werden - und was fällt B-Tight dazu ein? "Autogramm" auf "Autobombe", "coolste Ficker" auf "coolste Halbneger, Dicker". Ein Schelm, wer vermutet, das Blut des Berliners habe sich während der Studioaufnahmen größtenteils im Dick befunden, statt im Bobby.
Mir ist bewusst, dass ich mich beim Ausformulieren der Kritikpunkte bei vielen Aggro-Releases anhöre wie eine Langspielplatte mit Sprung. Viel trauriger jedoch ist, dass es B-Tight beim Rappen ebenso geht. Kurz zusammengefasst: Die Instrumentals von unter anderem Joe Rilla, Desue, den Beathoavenz und Beatight selbst gehören stellenweise zur absoluten Crème de là Crème Deutschlands, die Texte beschränken sich auf dicke Eier, Sportficken und das ach so harte Leben in Abschaumcity. Tausendmal gehört und schon beim ersten Mal als gähnend langweilig empfunden. Den Höhepunkt der sinnfreien Zurschaustellung undurchdachter Texte bietet "10 Kleine Negerlein" - dagegen wirkten selbst die Toten Hosen ihrerzeit wie Rilke.
Allerdings gibt es auch positive Überraschungen: Kitty Kat, neuestes Signing der Sägeblatttruppe, beweist endlich mal, dass sie mehr ist als eine Gummipuppe mit Sprachautomatik. Wie sie ihrem Gastgeber bei "Szenario" die Hosen auszieht und ihn lyrisch kastriert, ist auf jeden Fall hörenswert, ebenso wie der beste Track der Scheibe, "Das Geständnis". Nicht nur dieses Stückes wegen lohnt sich der Kauf der Premium Edition: "Bis Ins Grab", "Meine Geschichte" und "Alles Votzen" rücken nach Ewigkeiten mal wieder die Storytelling-Qualitäten B-Tights ins Rampenlicht. Große Technik braucht auch hier niemand zu erwarten - souveränes Auftreten bei schwierigen Themen plus gewohnt überragende Beats wiegen das jedoch völlig auf.
Alles in Allem bin ich - Monsterdildo hin oder her - vom Gesamtprodukt "Neger Neger" leicht abgetörnt. Muss wirklich jeder, der in der heutigen Rapszene erfolgreich sein will, sein Talent unter simpel konstruierten Reimen und völlig überzogener Attitüde verstecken? Ein Sägeblatt tätowiert zu haben, rechtfertigt es doch noch lange nicht, solche musikalischen Bretter auf den Sperrmüll zu bringen. Sollte der Text von "Alles Ändert Sich" allerdings mehr sein als heiße Luft, dann erwartet uns mit Tights nächstem Release endlich das, was den Mann seinerzeit so sympathisch gemacht hat: Die ehrlichen Reflektionen eines talentierten MCs, der nicht nur seiner Hautfarbe wegen ein schweres Leben hatte und das musikalisch zu verarbeiten sucht.
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