laut.de-Kritik

Ein unglaubliches apokalyptisches Spektakel.

Review von

"01011001" ist nichts anderes als der binäre Code für den Buchstaben Y und gleichzeitig der Name des neuesten Magnus Opus von Ayreon-Chef Arjen Lucassen, das zeitgleich mit Tobias Sammets "The Scarecrow" in die Läden kommt. Warum er sich ausgerechnet das Chromosom ausgesucht hat, das für die Ausprägung männlicher Geschlechtsmerkmale ausschlaggebend ist (by the way: warum heißt unser Redaktionsmaskottchen eigentlich X???) bleibt offen.

Obwohl er sich von Ayreon eigentlich etwas zurückziehen wollte, steht nun doch ein weiteres Doppelalbum dieses Allstar-Projekts in den Regalen. 17 unterschiedliche Sänger, diverse Gastmusiker und ein einmal mehr unglaublicher Arjen Lucassen haben "01011001" zu einem unglaublichen Album gemacht. Die Geschichte dahinter: Eine Rasse namens Forever sieht auf dem Planeten Y dem Ende entgegen und speichert ihre DNA auf einem vorbeirasenden Himmelskörper, der bei seinem Aufschlag auf der Erde das Zeitalter der Dinosaurier beendet.

Doch auch hier macht die Lebensform Mensch dieselben Fehler: Sie wird zu sehr von Maschinen abhängig und verliert ihre Emotionen und ihre Menschlichkeit. Ein düsteres Thema, welches "Age Of Shadows" (inklusive "We Are Forever") einleitet und in Sachen Gesangsleistung bereits Unglaubliches bietet.

Allerdings werden manche Stimmen durch Chöre bzw. 127-fache Dopplung fast schon unkenntlich gemacht - dass hier Hansi Kürsch im Duett mit Floor Jansen zu hören ist, lässt sich kaum mehr erkennen. Auch musikalisch taucht man in ein stimmungsvolles Wechselbad der Gefühle. Anneke leitet mit einer unglaublich emotionalen Gesangsleistung ins gefühlvolle "Comatose" über, auf das Jorn Lande (Ex-Masterplan) gekonnt aufbaut.

Deutlich härter braten die Klampfen bei "Liquid Eternity", die für die melancholische Stimmen von Jonas Renske und Daniel Gildenlöw aber eine Pause ein- und erst für Magali Luyten noch mal loslegen. Die Herren der Schöpfung geben ihre Parts immer zu recht ruhigen Momenten ab, während allein die Dame den Song rocken lässt.

King's X-Sänger Ty Tabor läutet nach den Weiten des Weltraums auf der Erde das progrockige "Connect The Dots" ein und bestreitet mit Meister Lucassen im Refrain ein sehr gelungenes Duett. Zurück im All geht es unter den Wellen ("Beneath The Waves") zunächst wieder ruhig zu und Daniel, Bob Catley, Anneke und Steve Lee geben sich gedankenverlorenen Erinnerungen hin.

Mit starkem Hammondorgel-Einsatz wird der Ton etwas härter und Jorn und Floor lassen Steve in ihr Duett einstimmen. Hansi ist endlich mal eindeutig zu identifizieren, gibt aber schnell wieder für das kurze Intermezzo von Tom Englund ab. Jorn und Floor leisten erneut Großes und lassen die Nummer instrumental ausklingen.

Das achtminütige "Newborn Race" präsentiert sich ebenfalls progrockig, hält sich mit härteren Elementen aber zurück. Die tauchen erst wieder in "Ride The Comet" auf und einmal mehr ist es Magali, die die Stimmbänder für diese Passagen vibrieren lässt. Das nur von akustischer Gitarre und Streichern getragene und von Simone Simons und Phideaux Xavier intonierte "Web Of Lies" ist wieder ein Switch auf die Erde in dem die erste CD ihren stimmungsvollen Ausklang findet.

"The Fifth Extinction" markiert die Ankunft des Kometen auf der Erde, wo er durch seinen Aufprall den Untergang der Dinosaurier einleitet. Der Refrain von Bob und Hansi hat fast schon was Folkloristisches und kontrastiert mit dem von trockenen Riffs getragenen Streitgespräch zwischen Tom und Jorn. Das düstere "Waking Dreams" leitet in "The Truth Is In Here" über, das durch die Flöten wieder sehr folklastig ausfällt.

Arjen greift einmal mehr selbst zum Mikro und gibt mit Liselotte Hegt ein tolles Duett. Dann nimmt "Unnatural Selection" endlich Fahrt auf, als den Protagonisten Steve, Jorn und Tom endlich klar wird, dass sie auf die nächste Katastrophe zusteuern.

Deutlich unbeschwerter und folkiger zeigt sich das von Mandoline und Flöte getragene "River Of Time", wozu Hansis Stimme und die von Bob vorzüglich passen. "E=mc2" geht es zwischenzeitlich zwar ein wenig härter an, aber weder Wudstik, noch die sehr an Anneke erinnernde Stimme von Marjan Welman dürfen richtig loslegen.

Dennoch bietet der Track jede Menge Dynamik und tolle Melodien. Das finale "The Sixth Exctintion" steigt dramatisch ein und symbolisiert das Ende des Experiments. Die Welt geht einem atomaren Exodus entgegen und Jonas greift passend dazu auf Growls zurück.

"01011001" kommt als normale Doppel-CD, als Special Edition in einer Box mit 28-seitigem Booklet und Bonus-DVD. Zusätzlich gibt es für die Die Hard-Fans die Limited Deluxe Edition in einem faltbaren Digipack und Schuber mit 36-seitigem Booklet und Bonus-DVD.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Age Of Shadows
  2. 2. Comatose
  3. 3. Liquid Eternity
  4. 4. Connect The Dots
  5. 5. Beneath The Waves
  6. 6. Newborn Race
  7. 7. Ride The Comet
  8. 8. Web Of Lies

CD 2

  1. 1. The Fifth Extinction
  2. 2. Waking Dreams
  3. 3. The Truth Is In Here
  4. 4. Unnatural Selection
  5. 5. River Of Time
  6. 6. E=mc2
  7. 7. The Sixth Extinction

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12 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Arjen übertrifft sich hier mal wieder selbst. Ein rundum geniales Album. Für mich jetzt schon das Album des Jahres.

    Die Release-Party in Utrecht am 27.01. war auch sehr schön. Mit Longsleeve, Poster, Kugelschreiber, Button, Postkarte und Autogrammen wieder nach Hause gefahren. Lediglich die Location war meiner Meinung anch ein wenig zu klein. Aber ein recht großer Teil der Besetzung von 01011001 war da. War schon irgendwie cool.

    Hoffentlich müssen wir nicht weitere 4 Jahre warten auf ein neues Album. Das Teil kommt aus meinem CD-Player jedoch nicht so schnell wieder raus.

    Einmal mehr Grund für jeden Ayreon-Interessierten in meinem deutschsprachigen Ayreon-Forum vorbeizuschauen.

    Wir lesen uns hoffentlich dort!!!

    www.ayreon.foren-city.de

  • Vor 6 Jahren

    Einfach nur ein gigantisch gutes Werk.

    Kann sich nur noch um Wochen handeln bis ich meine Kinnlade wieder hochgeschoben bekomme... :-p

  • Vor 6 Jahren

    Zitat (« "01011001" ist nichts anderes als der binäre Code für den Buchstaben Y und gleichzeitig der Name des neuesten Magnus Opus von Ayreon-Chef Arjen Lucassen, ... Warum er sich ausgerechnet das Chromosom ausgesucht hat, das für die Ausprägung männlicher Geschlechtsmerkmale ausschlaggebend ist (...) bleibt offen.

    (...)

    Eine Rasse namens Forever sieht auf dem Planeten Y dem Ende entgegen und speichert ihre DNA auf einem vorbeirasenden Himmelskörper, der bei seinem Aufschlag auf der Erde das Zeitalter der Dinosaurier beendet. »):

    Hm, kennt der werte Edele seine eigene Rezension denn nicht? :lol:

  • Vor 6 Jahren

    Der mir aber nicht mal negativ aufgefallen ist. Gibt ja auch genug Leute auf der Platte, die ich mag, so ist es nicht.

  • Vor 6 Jahren

    beim nächsten anlauf, würde ich dir ans herzen legen, den allerletzten track zuerst zu hören. wenn der zweistimmige teil mit der band einsetzt, zucke ich jedesmal fast aus vor freude. morgen find ich raus, was er da intoniert, für heute find ichs einfach nur geil...

  • Vor 6 Jahren

    Also ich finde das Album sehr stark. Ist zwar schon nichts außergewöhnich neues, aber man sagt ja auch so schön "never change a winning team", das beziehe ich jetzt einfach mal auf Arjens Werke. Ansonsten sind die Gastsänger wie immer nahezu perfekt ausgewählt und eingesetzt. Zu meinen Lieblingssongs zählen vorallem "Comatose" und "Liquid Eternity".