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Der Blick ins Rock-Geschichtsbuch lehrt uns im Jahr 2000 von düsteren Machenschaften. Die Adidas-Nu Metal-Gangs ziehen plündernd mit Plattendreher im Gefolge durch die Ländereien und geben Generationen von Leichtgläubigen anspruchslose Kost und so manch seichten Reim mit harten Gitarren.
Da blitzt aus dem texanischen El Paso, einer höchstens für B-Movie-Western bekannten Stadt, eine Kapelle aus dem Untergrund hervor, die den schlimmsten Posen seit Glamrock den Riegel vorschiebt. At The Drive-In liefern auf drei Alben und zwei EPs eine logische Entwicklung und Soundprogression ab, die in nichts anderem kulminiert wie einem der wegweisendsten Rock-Alben des noch so frischen Jahrtausends.
"Relationship Of Command" ist wütende und grundauf ehrliche Rockmusik. An den Punk- und Hardcore-Pfeilern der letzten Epochen abgeklopfter Radau, der ein Energielevel an den Tag legt, das mitreißt, kräftig umrührt und dann wieder ausspuckt. Schon die ersten Sekunden rütteln ordentlich an einer gewissen Einlullung, mit der sich die neue Musikepoche des Rockkonservatismus auseinander zu setzen hatte.
"Arcarsenal" rasselt im Intro ordentlich mit den Messern, lässt den Bass im Kreis laufen und die Gitarren kreischen, bevor ein Stakkato-Gewitter die ersten Akzente abfeuert und sich die Band auf einen treibenden Kopfnicker-Groove einigt, noch bevor Sänger Cedric Bixler das Mikrofon ergreift. Kein Zweifel, dass diese Band jeden Ton mit tonnenschwerer Überzeugung angeht.
Der Versuch, irrwitzige Energie auf das doch behäbige Medium CD zu pressen, gestaltete sich freilich nicht einfach. Euphorisch heimgekehrt von einer Tour mit Rage Against The Machine gingen At The Drive-In mit Nu Metal-Judas Ross Robinson ins Studio, um den Hammer ordentlich kreisen zu lassen. Gemeinsam entstand in sieben Wochen ein Referenzwerk in Sachen Post-Hardcore, das erhobenen Hauptes und ohne Scheu genau das richtige Mischverhältnis zwischen Hooks und Krachexplosion vor sich her trägt.
Mischer Andy Wallace schraubte das Werk, fair gegenüber allen Beteiligten, zu seinem zweiten "Nevermind", wodurch einige Songs sogar den Weg in die Funkwellen fanden. "One Armed Scissor" und "Pattern Against User" sind treibende gemeinsame Nenner, die der Band rasch zu Aufmerksamkeit verhalfen: Genügend ausgeklügelte Arrangements, um sich von Haudrauf-Punk abzugrenzen, mit Melodiechen garnierte Gitarrenverrücktheiten, die nach spätestens drei Durchgängen als unverrückbarer Teil des At The Drive-In Sounds immer wieder kehren wie Deja-Vus.
Sänger Bixler intoniert pausenlos hart an der Grenze. Ob tobend mit Kickstart in bittere Tiraden über die Taubheit der Gesellschaft ("Sleepwalk Capsules") oder traurig anklagend und beobachtend ("Invalid Litter Dept."), sein Organ hat nicht selten die Funktion einer Alarmsirene, die das Adrenalin sofort in die Blutbahnen lenkt.
So oft er auch als "singender Zack de la Rocha" bezeichnet wurde, die Ähnlichkeit der Stimmfarbe ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen, gerade weil sich Cedrics stimmliche Gift und Galle hervorragend den komplexen Themen fügt.
Seine Schreiattacken betören mit Sprachniveau und Wortschatz weit jenseits eines erwartbaren Rock-Wordings. Viele mussten seinerzeit erst mal zum Wörterbuch greifen, um zu verstehen, warum der Typ mit der Krähenfrisur eigentlich so wütend war, was die Faszination des At The Drive-In-Sounds nur noch verstärkte. So laut und doch so clever? Hardcore will never die.
Ausgepowert von einem scheinbar nie endenden Strom an Grooves, Mitsing-Refrains und hereinbrechenden Wellen von Emotion erlaubt man sich zur Albumhälfte als kurze Atempause 30 Sekunden Feedbacklärm. Oder wollten sie nur dem Punkopa Iggy Pop Zeit zum Verschnaufen geben? Über die verzahnten Gitarren von "Rolodex Propaganda" darf dieser nämlich mit Cedric mithalten, das Verrücktheitslevel schien den Alten beeindruckt zu haben. Auch in diesem Fall war es nämlich ein kosmischer Zufall, dass sich Iggy an jenem Aufnahmetag mit Robinson über sein zukünftiges Album unterhalten wollte und dieser ihn kurzerhand in die Gesangskabine der Drive-In-Jungs schickte.
Der Mut zur Langsamkeit sei ihnen auch noch gewährt, wenn "Quarantined" um die Ecke kommt. Niederwalzend brauen sich die Gitarrenwände von Jim Ward und Omar Rodriguez zu einem ordentlichen Orkan zusammen. Bildgewaltig entfaltet sich vor dem geistigen Auge das nächste düstere Bild, das die Texaner nie gelungener heraufbeschwörten. Alleingelassen im Regensturm, tropfnass und trotzdem mit Verbissenheit gesinnt, jeden Weg zu gehen.
Die Geister der Hardcore-Bewegung kommen hier stark durch, vereinen so manchen Einzelgänger durch die Kraft der Musik, lyrisch wie instrumental. Thematisch drehen sich Bixlers Wutausbrüche oft um das Entfremdete, Einzelne, Nicht-Menschliche. Der "Cosmonaut" fordert lautstark "Come On", erspart sich durch Weltraumschwere aber auch das ein oder andere Break.
Songs wie dieser zwingen jeden Muskel zur Elektronenausschüttung, sie stehen aber im krassen Widerspruch zur Bandphilosophie, die Crowdsurfen und Pogo aufs strengste verurteilte. Geschuldet natürlich dem Fakt, dass dieses Album sie locker aus dem Mainstream ausbrechen ließ, die Hallen aber nach wie vor nur in Geheimtipp-Größe die Türen öffneten. Die monströse Energie blieb damals eben nur wenigen Glücklichen vorbehalten.
Trost und Anschauungsmaterial über das Livegewand von At The Drive-In findet man auf Videoportalen zuhauf. Herausstechend sicher die Auftritte in den Late Night-Shows des amerikanischen und englischen Fernsehens, die mit mehreren Kameras in perfekt ausgeleuchteten Soundstages fast schon tragikomisch die Reaktion der Band auf übermäßige Kommerzialisierung festhielten.
Ungestümer wären die Auftritte nur geraten, hätte die Band im Anschluss das Studio fachmännisch zerlegt. Aber auch sonst ist die Performance von "One Armed Scissor" in der britischen Show "Later ..." bestes Beispiel für alles, was At The Drive-In ausmacht.
Nach gezählten 4 Minuten und 30 Sekunden fliegt die Gitarre in die umstehende Menge von ca. 13 Kabelträgern und Schminkassistentinnen, nachdem Gitarrist Omar vor lauter manischer Umhertollerei bis zu diesem Zeitpunkt kaum ein gerader Ton gelang, die Axt gleichzeitig verstimmt wie ein Straight Edger im Angesicht eines biergetränkten Schweinebratens. Der Vergleich hinkt wie Omar nach einem 20 Meter-Stagedive, doch was die Band in den Fernsehstudios anstellte, spottet jedem Versuch, diese Power in Worte zu fassen.
"Cocaine's one hell of a drug" mutmaßte ein Userkommentar. Sicher ist: Musik war für die später durch alle möglichen Bandkonstellationen wandernden Cedric Bixler und Omar Rodriguez Lopez stets eine Droge. At The Drive-In, das waren ein Haufen Typen, die jede Note und jeden Akkord mit ihren Körpern auf der Bühne rücksichtslos auslebten. "Feeding frenzy, it's contagious" erklärt "Non-Zero Possibility" selbst die Wirkung ihrer Musik.
Definiert wurde die Größe und Brillianz von "Relationship Of Command" natürlich auch durch die Nachfolgewerke. Wo The Mars Volta leicht elitären Zügen verfielen und bewusst an die Grenzen des Zumutbaren gingen, während Sparta den gewissen Hauch des Besonderen nie aufrecht halten konnten, waren At The Drive-In im Jahr 2000 genau die richtige Schnittmenge aus post-apokalyptischer Atmosphäre, Standhaftigkeit und instrumentaler Progression.
Ein Detail am Rande des Wahnsinns: Rodriguez Lopez hält den Mix des Albums für zu weich und kann sich "Relationship Of Command" bis heute nicht anhören. Da im Frühjahr 2012 aber die ersten Reunion-Shows über die Bühne gehen, diskutiert die Welt bereits über einen Nachfolger. Die Kapazitäten meiner Großhirnrinde reichen jedoch nicht aus, ein noch brutaleres und krachenderes "Relationship Of Command" zu imaginieren.
In der Rubrik "Meilenstein" stellen wir Albumklassiker vor, die die Musikgeschichte oder zumindest unser Leben nachhaltig verändert haben. Unabhängig von Genre-Zuordnungen soll es sich um Platten handeln, die jeder Musikfan gehört haben muss.
| Shop | Titel | Info | Preis | Porto | Gesamt |
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At The Drive-in - Relationship Of Command | Infos (Lieferzeit/Service) | €13,99 | €2,99 | €16,98 |
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Was für eine Band, was für ein Album...
...was für Haare !?!?
zieht euch dieses Album rein Leute, so was geiles
hab ich lange nicht mehr gehört, kennt die jemand
von Euch ? wenn nicht KAUFEN, gar nicht probehören,
EINFACH KAUFEN !!!!!!
vom Stil her irgendwie ein bisschen eine Mischung
aus Refused und teilweise sind Wutausbrüche des
Sängers dabei die an Zack de la Rocha von RATM
erinnern, WAHNSINN wie OBERGEIL der schreien
kann, DER HAMMER !!! dieses Album ist die pure Energie,
besonders geil finde ich "Arcarsenal" "one armed scissor"
oder auch "invalid litter dept." aber eigentlich
darf man keine einzelnen Songs hervorheben, das
Album ist ein einziger Höhepunkt !
Dieser Band gehört die Zukunft !!!
Die wissen ja gar nicht was sie verpassen,
das beste Album des Jahres und keinen interessiert
es....
hab gestern das Video von "One armed scissor"
bei MTV-Sushi gesehn, WAHNSINN wie die ausfllppen
auf der Bühne.....das könnte eine ganz grosse Band
werden !!!!
die erstem drei haben recht, der vierte hat keine Ahnung von Musik-.
RoC ist das beste Album des Jahres. Endlich eine Band, die es mit Refused aufnehmen kan. die es ja leider nicht mehr gibt. Heul!!!!
Aber die Typen und ihre Frisuren. Dat sind die wahren Punks...
Und jeder, der Ahnung von gute Mucke hat, wird mir recht geben...
@ My Generation:
schreib nichts wovon Du keine ahnung hast !
wir reden hier von Musik und nicht von Limp Bizkit !
denn die sind einfach nur lächerlich !
At the Drive-In haben mehr Energie als LB jemals
haben werden, ausserdem sind alle von ATDI hervorragende
Musiker und die Texte sind die tiefgehendsten seit
langer Zeit.
Schwieriges Album. Besser GAR nicht Probe hören und wirklich sofort kaufen. Wenn man's probehört, findet man's Scheisse weil man Zeit und mehrere Anläufe braucht bis sich das Ding entwickelt. Die einzige Alternative im ähnlichen Sound sind Amen (US-Band). Die sind aber wütender und krasser als ATDI drauf und insgesamt nicht so gut, jedenfalls die neue.
ATDI sind 'ne Ausweichmöglichkeit für aufgeschlossene RATM-Fans!!
TURN THAT SHIT UP!!!
ROC ist wahrhaftig die großartigste CD, die letztes Jahr das Licht der Welt erblickt hat... zusammen mitm "O brother"-Soundtrack vielleicht noch, aber sonst kommt da nix dran. Und LB schonmal gleich zehnmal nicht. Hammerband. Mußman gehört haben.
Ohne Scheiß.
Hm. Ist zwar wie alles Geschmackssache, aber meiner Ansicht nach ham QOTSA mit Rated R nochnichmal die Hälfte der Qualität ihres Vorgängeralbums erreicht... das liebe ich wirklich und das kann auch mit ROC mithalten. Aber Rated R? Hat mich doppelt enttäuscht... erst wurde es von allen Seiten in den Himmel hoch gelobt und dann stand ich armer Tropf mit der Platte da und mochte sie nicht wirklich gern. Versteh ich nicht, das.
mmmh, dein Musikgeschmack ist seltsam.
Nicht ganz schlecht, aber seltsam...
Also ich hab die Rated R beim ersten ma hören auch nicht sooooooo doll gefunden, aber mittlerweile mindestens drei meilen besser als ihr Debut. Und so weit ich weiß, sind dieser Meinung ähhh ALLE (und sag bloß nicht, ich würde hier pauschalisieren),
Aber wie gesagt Geschmackssache.
Aber schließlich gehts hier um ATDI (Alternativ Turbo-Directinjection?)
Und ROC hab ich nunmehr ca 100 mal gehört und sie gefällt mir immer besser. Werd mich mal erkundigen, wo man die Vorgängerplatten von denen herbekommt.
Jo, tu das.
Und "dein Musikgeschmack ist seltsam" fasse ich sowieso als Kompliment auf. Und in Bezug auf "Rated R" kann ich nur sagen: Ich verstehe die Welt nicht mehr...
Aber das hab ich sowieso noch nie.
Und ROC gefällt mir auch von mal zu mal besser.
Viel Sßap beim weiteren Wasauchimmerhören wünscht dir,
Oberinspektor Zipf
Quotsa sind gut aber an die genialität von Kyuss
werden sie nie rankommen, oder was meint Ihr ??
habe im WOM Vorgänger Alben von ATDI gesehen,
Importe kosten da aber bekanntlich 40 Mark,
eine frechheit, ich gebe keine 40 Mark für eine
CD aus.....FUCK WOM !!!!!!
nur scheiße, dass sie sich aufgelöst haben.
(quelle: letzte ausgabe der Spex, so ne Art blind date mit Jimmy Eat World, glaub ich. Einer der getesteten Musiker antwortete auf ein Lied von
"relationship of command": "schade, dass sie sich aufgelöst haben")
Nach der Reunion wars jetzt auch Zeit, was?
Sehr treffende und ansehnliche Rezension, danke dafür.
ich zitiere und man beachte noch die Währungsangaben!!! (aber vielleicht war der seiner Zeit nur vorraus und im nächsten Jahr wird eh wieder alles so angegeben....)
AnonymousAnonymous 6. Februar 2001, 22:09 Uhr
Quotsa sind gut aber an die genialität von Kyuss
werden sie nie rankommen, oder was meint Ihr ??
habe im WOM Vorgänger Alben von ATDI gesehen,
Importe kosten da aber bekanntlich 40 Mark,
eine frechheit, ich gebe keine 40 Mark für eine
CD aus.....FUCK WOM !!!!!!
Alarm | Löschen | ZitierenAnonymousAnonymous 6. Februar 2001, 22:23 Uhr
Schau mal bei www.jpc.de, da gibt's ältere ATDI-Import-Sachen für 26,95DM...
Ich hoffe, dir geholfen zu haben.
Hier ist auch noch eine Art "Meilenstein"-Kritik: http://www.cdstarts.de/kritiken/87246-At-The-Drive-In-Relationship-Of-Command.html
Dürfte aber schon etwas älter sein....
steinigt mich. hab von der band das erste mal durch den reunion-hype gehoert. steinigt mich.
als ich 16 war haben wir angefangen mit schreibmaschienen unsere laut.de posts zu tippen. also ja
Na, dann braucht Dich auch niemand steinigen - ich begnadige Dich mit großer Geste, WHUT! 
Konnte ATDI nie so viel abgewinnen. Das liegt aber vielleicht daran, daß ich The Mars Volta vorher kennengelernt habe. Hat man deren Sound lieben gelernt, kann einem At The Drive-In nicht mehr als ein müdes Gähnen abgewinnen. Vermutlich ist es allerdings dennoch Spitzenklasse.
Arcarsenal und Cosmonaut brechen jedes Genick wie einen dürren Zweig.
Soui und ich müssten so ziemlich das selbe Alter haben nach unseren ATDI und Massive Attack-Erfahrungen zu urteilen.. 
Worte können meine beispiellose Liebe zu dies Platte nicht beschreiben!
Keiner in meinem Bekanntenkreis kannte die damals.
Ich fand sie den Hammer.
Dagegen sind die Nachfolgebands nur noch 3/5
Anonymous 29. Januar 2001, 18:31 Uhr
"Jaaa, sie ist gut, die ROC.
ABER hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, da lebt QOTSA, und die haben mit Rated R die absolute Platte 2000 gepresst."
Wenn die gewusst hätten was 2 Jahre später auf sie zukommt 
Finds immer wieder amüsierend solch alte Kommentare durchzulesen.
Wollte grad anmerken.. das mit "das erste wahre Rockalbum des neuen Jahrtausends" war wohl eher einer markigen Überschrift geschuldet.. Jedes Jahr hat wahre Perlen, schon immer - für immer.
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