laut.de-Kritik

Man fühlt sich ein wenig wie von Hollywood betrogen.

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Hand hoch. Wer erinnert sich noch an Cultured Pearls? Sicher keine unbegründete Frage. Schließlich liegt das letzte Studioalbum der Band zehn Jahre zurück. Eine lange Zeitspanne, in der Astrid North auf der Suche nach der eigenen musikalischen Identität war. Damals wurde sie gerne als 'Leading Lady der hiesigen Soulszene' bezeichnet. Heute ist sie nur noch eine unter vielen.

Um sich von der Masse abzuheben findet die Sängerin auf "North" einen eigenen intimen Sound zwischen der in diesem Umfeld ungewohnt verzerrten Gitarre von Jens Nickel, dem atmosphärisch knarzenden Bass von Beat Halberschmidt und dem herzerweichendem Soul ihrer Stimme. Diesen Trip-Rock-Soul perfektioniert sie gleich in ihren ersten zwei Songs, "Twang" und "How Beautiful You Are". Schleppend und verzögert bauen beide Tracks eine unheimliche Spannung auf.

Das neu gefundene Schema wird noch auf weitere Stücke angewendet, aber bereits bei "Wishbone" scheint es seltsam eingefahren. Auf der Poserrock-Skala kippt die Nadel bedenklich nahe in Richtung rotem Bereich. Ein Tanz auf Messers Schneide. Im abscheulichen "Honda" geht dann endgültig alles schief. Ein uninspirierter Bombast-Rocker, Skunk Anansie in schlecht. Astrid North kann das entdeckte düstere Energielevel nicht länger als zwei Lieder aufrecht erhalten. Sehr schade.

Nur im noblen "Dither" bricht kurzzeitig ein schüchterner Sonnenstrahl durch die schweren Wolken, die über "North" liegen. Trotzdem bleibt "Dither" bittersüß wie Saccharin. Dem gegenüber stehen Balladen, die bis auf das schroff stolpernde "Love" ihr Ziel nicht erreichen. "Lightning" und "Impossibilities" bleiben seltsam blutleer und verpassen es, zu berühren.

"Thursday" sticht mit seinen Streichern und seinem Dancehall-Beat klar heraus. Deutlich merkt man hier den Einfluss von Miss Platnum, bei der Astrid North im Frühjahr 2010 Support war. Doch auch dieser viel zu vorsichtige Ausflug bleibt befremdlich und empfindungslos. Ein letztes Mal erwischt mich die Sängerin im Refrain von "Whenever", bevor sie den Song mit einem endlosen Erinnerungstrip durch ihre Kindheitserinnerungen fünf Minuten lang totquasselt.

Nach dem furiosen Beginn überwiegt auf "North" der Eindruck, etwas verpasst zu haben. Man fühlt sich ein wenig wie von Hollywood betrogen. Die Teaser und Trailer waren großartig und machten den Mund wässrig. Doch der Film ist nur ganz gut und auf Grund der hochgeschraubten Erwartungen bleibt man letztendlich enttäuscht zurück.

Trackliste

  1. 1. Twang
  2. 2. How Beautiful You Are
  3. 3. Dither
  4. 4. Lightning
  5. 5. Wishbone
  6. 6. Impossibilities
  7. 7. Honda
  8. 8. Love
  9. 9. Thursday
  10. 10. Whenever

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