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Schon vorab war viel zu lesen, große Worte machten die Runde, Vergleiche wurden gezogen. Etwa mit dem "wichtigsten Album der Popgeschichte": "Pet Sounds" von den Beach Boys. Als würde man ein zeitgenössisches Gemälde mit Picassos "Les Demoiselles d'Avignon" oder einen neuen Film mit "Citizen Kane" in Verbindung bringen. Man muss das so deutlich sagen, auch um mal auf die Fahrlässigkeit derartiger Vergleiche hinzuweisen.
Natürlich sind Animal Collective keine Nobodys, klar waren die Beach Boys schon immer wichtig für die zurzeit nur mehr drei Herren aus Baltimore (Deakin war an der Platte nicht beteiligt). Nun verhindert aber der Fingerzeig gen Meisterwerk einen freien Zugang zum Album. Und der ist unbedingt erforderlich bei einer derart offenen Struktur, wie sie "Merriweather Post Pavilion" besitzt.
Bildhaft gesprochen sollte man sich in diese organische Musik reinlegen wie in eine Pfütze Sommerregen - schließlich war diesmal vor allem das Wetter Ideengeber: Man hört die Natur atmen; das Trio selbst spricht, so ist zu lesen, von Regen- und Sonnen-Songs. Das Ganze klingt wie ein rucksackbewehrter Ausflug in den Yosemite Nationalpark. Es rauscht, blubbert und tropft, dass einem ganz natürlich ums Herz wird. Mal fühlt man sich wie inmitten eines Schwarmes tirilierender Vögel, mal wie bei einem heidnischen Naturritual.
Dass sich die Avantgardisten gleichzeitig in Richtung Dancefloor bewegen, dem Prinzip der Repetition noch mehr huldigen als bisher, macht den eigentlichen Reiz der Scheibe aus. Animal Collective passen längst genauso gut in den Berliner Technotempel Berghain, wo sie vor kurzem auftraten, wie in den schmuddeligen Indieladen in Kleinkleckersdorf.
Der heterogene Klang des mittlerweile neunten Studioalbums erinnert durchaus an jüngere Kollegen aus den USA, etwa die High Places, deren Sound ähnlich uferlos ist. Auch das versonnene Hippietum der Yeasayer erhebt hier und da sein buntes Haupt.
Text-Exegeten werden auch diesmal ihre liebe Müh haben. Gesang dient hier nur als ein Instrument unter vielen. Wenn überhaupt, lässt sich ein diffuser Eskapismus, eine romantische Weltflucht herauslesen: "No More Runnin", fordert die Tiergemeinschaft im gleichnamigen Stück. Womit wir bei der einzigen wirklichen Schwäche der Platte wären.
Denn leider gerät man beim Durchhören aller Songs sehr wohl hier und da aus der Puste. Zu selten wird innegehalten, etwa für eine zünft'ge Brotzeit am Wasserfall, obwohl die kontemplativen Momente dem Rest eigentlich in Nichts nachstehen. Und die Beach Boys? Auch die kann wer mag raushören, etwa im Song "Bluish". Es handelt sich allerdings um eine Beach Boys-Variante from Outer Space, die mit dem eingangs erwähnten Streichelzoo von 1966 - außer vereinzelter Vokalharmonien - wenig gemein hat.
In jedem Fall haben Animal Collective die Messlatte schon zu Beginn des Popjahres hochgeschraubt. Die Avantgarde der kommenden Monate wird sich an "Merriweather Post Pavilion" messen lassen müssen.
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