laut.de-Kritik

Irreführend einfach - Weirdos entdecken Zuckerwatte.

Review von

Animal Collective gelten als Kritikerlieblinge, als Genies, die das Chaos überblicken und als durchgeknallte Weirdos, die ihren quietschbunten Elektro-Pop mit LSD füttern, bis alles herrlich um- und übereinander purzelt. Für manche sind sie aber auch einfach Freaks mit überfrachteten Songs ohne Strukturen.

Es scheint, als wollten die US-Amerikaner mit "Painting With" letzteren auf halbem Wege entgegenkommen. Zwar klingt das zehnte Album der Avantgarde-Tüftler noch immer eigenständig und mutig; so tief in der Zuckerwatte steckte ihr Sound bislang dann aber doch noch nie.

Gerade die Melodien wollen zutraulich sein und sind ungewohnt catchy. "Flori Dada" klingt nach einer hektischeren Version der Beach Boys, bleibt im Kontext von Animal Collective aber ein gefälliges Stück Musik ohne Aha-Effekt. Hier scheint die Sonne auch für gestrandete Wale mit Schirmchendrink, die das vielleicht eingängigste Stück in der Diskografie des Musiker-Kollektivs auch wegen der begrenzten Wortanzahl im Chorus als Ohrwurm verbuchen.

Die aktuelle Besetzung, bestehend aus den Solokünstlern Avey Tarey, Panda Bear, und Geologist hat zuletzt vor sieben Jahren ein Album aufgenommen. "Merriweather Post Pavilion" zählte damals zu den eingängigeren Platten und gilt bis heute als das Meisterwerk der Band. Der großartige Psychedelic-Einschlag der Platte geht "Painting With" leider völlig ab.

Auch wenn die Band nicht wirklich sparsamer geworden ist, lodert das überbordende Feuerwerk von "Merriweather Post Pavilion" allenfalls noch auf Sparflamme. Mit Didgeridoo als Fundament plätschert "Lying In The Grass" eher kaskadisch von oben nach unten als stromaufwärts zu schwimmen. "On Delay" macht seinem Namen alle Ehre und "Natural Selection" schleicht sich mit simpel gestricktem Stampf-Beat in die Disko. Alle drei Songs sind irreführend einfach strukturiert, fast schon seicht und huschen eher teilnahmslos vorbei.

Obwohl die entscheidenden Trademarks auch auf diesem Album genügend Platz finden – wunderbar grelle, aus Plastiksynthesizern gefeuerte Sounds, nach vorne preschende Beats und um die Wette eifernde, durch den Effektwolf gedrehte Gesangsfragmente, – geraten die Songs selbst nicht wirklich zwingend. Die Ideen wirken stellenweise unausgegoren, und gerade die Melodien offenbaren sich vielerorts als reizlos.

Das ist zwar immer noch Jammern auf hohem Niveau und "Painting With" noch lange keine schlechte Platte. Eine Augenweide ist außerdem erneut das Artwork zum Album, das in drei verschiedenen Versionen erscheint. Im Kontext ihres musikalischen Schaffens haben Animal Collective aber definitiv eines ihrer schwächeren Alben aufgenommen.

Trackliste

  1. 1. Flori Dada
  2. 2. Hocus Pocus
  3. 3. Vertical
  4. 4. Lying In The Grass
  5. 5. The Burglars
  6. 6. Natural Selection
  7. 7. Bagels In Kiev
  8. 8. On Delay
  9. 9. Spilling Guts
  10. 10. Summing The Wretch
  11. 11. Golden Gal
  12. 12. Recycling

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