laut.de-Kritik

Der jüngste Spross der Family zieht sein Ding durch.

Review von

Sachte Keyboards im Hintergrund und ein schön schachteliger Schlagzeugbeat prägen die Eingangssequenz des Openers und Titeltracks. Mann muss ja zeigen, dass man das Instrument auch beherrscht. Aber oh weh! Was ist das? "Ich wusste nicht, was mir fehlte, ich wusste nicht, was ich tat". Breitet da jemand den Pfad seiner Selbstfindung vor dem Hörer aus, oder ist dies "nur" eine Liebeserklärung an den Lebenspartner? Man weiß es nicht. Auf jeden Fall gerät der Einstieg schon einmal heftig pathetisch.

Sehr schwermütig und nachdenklich gibt sich Angelo, was so gar nicht zu seinem strahlenden Auftreten in der Öffentlichkeit zu passen scheint. "You Have A Place" behandelt Familienprobleme. Wer nicht Kelly-Experte ist, darf rätseln, welchem älteren Bruder er ins Gewissen reden möchte, es gibt ja deren vier. Und überhaupt. Es scheint gerade so zu sein, dass uns Herr Kelly beweisen möchte, dass ein Leben im Rampenlicht nicht glücklich macht.

Die klangliche Untermalung dringt jedoch nur ganz selten in die Tiefen hinab, die der jüngste Spross der Family lyrisch beschreitet. "If You Gotta Do" bemüht einen ganz netten funkig/jazzigen Ansatz, der aus den bis dahin gehörten Poprock-Schemata ausbricht. Wirklich großes Kino bietet Angelo eigentlich nur im ultracoolen Blues "I'm Coming Home". Der Großstadt-Baumwollpflücker kommt nach Hause und singt seiner Angebeteten, wie geil es doch sei, zu ihr und den Kindern heimzukehren und ihr bei der Hausarbeit zuzuschauen.

Rückwärtsgewandt? Nun ja. Zieht man den Gottes-Fokus, der bei mehr als nur einem Song hindurch schimmert, und die Konzentration auf die Themen Familie und Liebe heran, könnte man durchaus den Eindruck bekommen, es hier mit einem stockkonservativen Mucker zu tun zu haben. Lässt man jedoch den Musiker Angelo Kelly auf Albumlänge zu Wort kommen, tönt da jedoch einfach ein Mann, der froh ist, sein eigenes Ding durchziehen zu können.

Dass "I'm Ready" letztendlich doch nicht über dezentes Mittelmaß hinaus kommt, hat sicher nichts damit zu tun, dass er keine Songs schreiben kann. Noch etwas mehr Mut, Kompositionsstrukturen abseits des Mainstreams zu testen, hätte aber nicht schaden können. Anscheinend steckt ja ein verkappter Blueser in ihm. Beim nächsten Mal dann bitte.

Trackliste

  1. 1. I'm Ready
  2. 2. You Have A Place
  3. 3. Child Of God
  4. 4. If You Love Me
  5. 5. Finally One
  6. 6. If You Gotta Do
  7. 7. Hello
  8. 8. I'm Sorry
  9. 9. I Trust In You
  10. 10. Thy Will Be Done
  11. 11. If You Gotta Do (Part 2)
  12. 12. Invincible Child
  13. 13. I'm Coming Home

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Kelly Family

Es war einmal ein Mann (Dan Kelly, geboren 1930 in Erie/Michigan), der hatte einen Schwamm, der Schwamm war ihm zu nass, da studiert er einfach mal Mathematik, …

1 Kommentar

  • Vor 6 Jahren

    Hallo,

    ich finde das Album super. Es ist abwechslungsreich und professionell. Mein absolutes Lieblingslied (und nicht nur meins) ist mit abstand "I am comming home". Ich wusste nicht das er Bluesblut in sich trägt, einfach der Hammer! Davon könnte man definitiv mehr vertragen.
    Weiter so Angelo.
    Und komm mal wieder nach Freiburg =)
    Grüsse von deinen Fans