laut.de-Kritik

Der Aufsichtsrat wäre mit diesem Comeback zufrieden.

Review von

Betrachtet man Titel und Cover des neuen Albums, käme man im Leben nicht auf die Idee, dass es sich hierbei vermarktungstechnisch um die größte Revolution seit Radioheads In Rainbows handelt. Denn noch vor der Finanzkrise und inmitten der schwellenden Tonträger-Krise kam Sänger Robert Drakogiannakis eine zündende Idee: die "Angelika-Aktie".

500 "Anteile" an der Band zu je 50 Euro wurden ausgegeben, um ohne Label Presswerk und Promotion bezahlen zu können. Im Gegenzug verlockte die Aussicht auf 80 Prozent der CD-Gewinne die Anteilseigner. So wandelten sich Fans zu Aktionären, und selbst das Börsenmagazin des ZDF berichtete über diesen Coup.

Doch wie gelungen ist nun dieses dritte Album der Kölner Band, dass ihr quasi gar nicht mehr gehört? "Was wollt ihr alle auf dem Dancefloor?", paroliert Drakogiannakis schmissig gleich zu Anfang auf schnellem NDW-Beat und poppunkigem Halleluja für ein paar Akkorde. Genauso stürmisch hatte man Angelika Express in Erinnerung. Und Drakogiannakis? Der ist wieder Don Juan und Gossenpoet in einem.

Diese Trademark funktioniert je nach Ausformulierung der Songidee mal besser, mal weniger gut. "Du Trinkst Zuviel" ist eine herrlich zynische Abhandlung über Alkoholismus, "Dich Gibt's Nicht" Liebeslied und Ode auf die Vielfalt an Speichermedien zugleich, und "I Sing English" hat immerhin einen entwaffnenden Refrain: "Miese Popmusik wird sterben, dann beerben wir die Erben".

"Halb So Schlimm" wildert dagegen schamlos in Kurt Weills Dreigroschenoper, "Copyright Killer" gibt die kleptomanische, Pardon, zitierende Arbeitsweise von Angelika Express gar indirekt zu: "Kapier diesen Beat, kopier dieses Lied, du bist deines Glückes Schmied". So werden hier und da Riffs und Melodien gemopst und eigene Hits mit ein paar Änderungen neu aufgelegt.

Ist das schlimm? Nicht die Bohne, solange man mit dieser Angelika so ausgelassen tanzen kann. Hauptsache, die Börsenaufsicht bekommt keinen Wind davon.

Trackliste

  1. 1. Was Wollt Ihr Alle
  2. 2. Du Trinkst Zuviel
  3. 3. Goldener Trash
  4. 4. Dich Gibt's Nicht
  5. 5. Sie Ist Intellektuell
  6. 6. Halb So Schlimm
  7. 7. I Sing English
  8. 8. Copyright Killer
  9. 9. Messy Girl
  10. 10. Lottogewinn
  11. 11. Platte Für Platte
  12. 12. Fernsehgucken Zu Zweit
  13. 13. Nie Wieder Punkrock
  14. 14. Lass Uns Tanzen
  15. 15. Ich Schenke Dir Die Zeit

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LAUT.DE-PORTRÄT Angelika Express

Angelika Express, das sind die längste Zeit Sänger und Gitarrist Robert Drakogiannakis, Schlagzeuger Alex Jezdinsky und Jens Bachmann am Bass gewesen.

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