laut.de-Kritik

Folk Noir-Pop mit reichlich sphärischen Elementen.

Review von

Auf "When I'm Free" fungiert die Ane Brun nicht nur als Singer/Songwriterin: Die Platte erscheint auch auf ihrem eigenen Label, die Produktion übernahm sie zusammen mit ihrem langjährigen Mitstreiter Tobias Fröberg auch noch. Brun pur also. Die Skandinavierin nutzt die Freiheiten für eine ganze Reihe wahrhaft betörender Songs, die sich die Umschreibung 'Folk Noir-Pop' redlich verdienen.

"Hanging" zieht mit ausgefeilter Melodik und dunklen Basslinien in den Bann. Über verhaltenen Drums spielt Ane ihre stimmlichen Stärken aus, die sie von leisem Hauchen bis hin zur großen dramatisch angelegten Geste höchst variabel nuanciert. Ausdrucksstark transportiert sie hier glaubhaft Emotionen.

"Black Notebook" startet mit fein ziselierten Harmonie-Parts und erzeugt von Anfang an Spannung mit einem straff angelegten Songaufbau. Hier verlässt Ane erstmals jene melancholischen Stimmungen, die das Album ansonsten vornehmlich dominieren. In manch einer Passage klingt sie sogar geradezu heiter, wenn sie ihre Musik mit verspielt anmutenden Vocals ausschmückt.

"You Lit My Fire" verfügt für Brun-Verhältnisse über ein Grundgerüst, das schon fast zum Tanzen einlädt. Zum zupackenden Refrain gesellt sich gegen Ende auch noch eine soulige Background-Röhre. Schon nach ein paar Tracks bemerkt man, dass sich die Songs nur schwerlich in eine Kategorie stecken lassen. Sie streifen verschiedene Genres und klauben sich ein paar Versatzstücke. Doch bevor man sich eindeutig festlegen kann, befindet sich die Musik schon längst auf einem anderen Weg.

Wie z. B. "Directions", das unterschiedliche Elemente aus Pop, Jazz und Experimental nur anreißt, sie im Songverlauf aber zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Unentschieden- oder Unentschlossenheit kommt dabei erfreulicherweise nie zum Tragen. Denn Ane folgt einem genauen Plan, fast wie eine künstlerische Schnitzeljagd angelegt, an deren Ende stets eine wohlklingende Belohnung für aufmerksame Hörer wartet.

Beispielhaft hierfür ist die hervorstechende Midtempo-Ballade "Miss You More", für die Ane Brun ihre ganze Klasse eindrucksvoll ausspielt. Eindringlicher Songaufbau trifft hier auf ein stimmig strukturiertes Arrangement. Bei "All We Want Is Love" genügen schon eine gezupfte Gitarre, dezenter Hall im Hintergrund und Anes markante Stimme, um für spannende Hörmomente zu sorgen.

"When I'm Free" gefällt als angenehm inszeniertes Pop-Album, das die Niederungen des Genres geschickt umgeht. Trotz aller Eingängigkeit ist mehrmaliges Hören unbedingt angesagt, denn erst dann entfalten sich all die großen und kleinen musikalischen Feinheiten so richtig. Ane Brun klingt wie eine entrückte Märchenfee, die aber ein geerdetes Daseins zu schätzen weiß und ihre Songs dementsprechend wirkungsvoll anlegt.

Trackliste

  1. 1. Hanging
  2. 2. Black Notebook
  3. 3. You Lit My Fire
  4. 4. Directions
  5. 5. Shape Of A Heart
  6. 6. Miss You More
  7. 7. All We Want Is Love
  8. 8. Still Waters
  9. 9. Better Than This
  10. 10. Signing Off

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