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Zum Tag der Bisexualität stellen wir euch Stars vor, die sich um das Aufbrechen starrer Geschlechter-Klischees verdient gemacht haben.
Konstanz (laut) - Psychologen halten Bisexualität, also das sexuelle Interesse an beiden Geschlechtern, für weit verbreitet. Der legendäre Kinsey-Report stufte in den 40ern sogar über 90 Prozent der Bevölkerung als "bis zu einem gewissen Grad bisexuell" ein, auch wenn der homosexuelle Anteil des Einzelnen oft meist durch gesellschaftliche Zwänge und Tabus unterdrückt wird.
Solche Zwänge und die gesellschaftlich vordefinierten Rollen-Bilder aufzubrechen und zu überwinden, gehört sicherlich zu den vornehmsten Aufgaben des Pop. Zum Tag der Bisexualität am 23. September stellen wir euch deshalb Popstars vor, die viel zur Aufweichung der starren Geschlechter-Rollen und Klischees beigetragen haben:
Als Sänger von Poison hatte Michaels in den Achtzigern einen Ruf zu verteidigen. Deshalb sah er auch aus wie der Prototyp einer Bordsteinschwalbe am Sunset Strip. Haarspray, bei dem ein einziges Streichholz einen Feuertsunami hätte auslösen können, und Spandex-Hosen, das war der Look!
Anne Rice ist schuld. Die US-amerikanische Schriftstellerin ersann mit der Figur Lestat ("Interview Mit Einem Vampir") Ende der Siebziger erstmals einen nicht ausschließlich furchterregenden, sondern auch lockend-androgynen Untoten-Charakter. Ohne Lestat würde es HIMs Ville Valo also wahrscheinlich gar nicht erst geben. Spätestens seit dem Smashhit "Join Me" von 1999 wabert über den unheiligen Grüften des Goth-Pop auch der Hauch der Mehrgeschlechtlichkeit. Ville setzt das tadellos um, und entzückt die Fans beiderlei Geschlechts mit erotischem Dunkelsingsang und gekonnt gesetztem Kajal für finster glühende Augen. Längst wird der Durst auf Unsterblichkeit nicht mehr ausschließlich mit Jungfrauenblut gestillt.
Zu Beginn ihrer Karriere an der Seite von Dave Stewart war Annie Lennox die kühle Rothaarige, die im Anzug auf der Bühne stand. Später gab sie sich dann um einiges weiblicher.
In den Achtzigern rätselte jeder, ob es sich beim Boy vielleicht um ein Girl handelt. Weder Outfit noch Stimme ließen eindeutige Schlussfolgerungen zu. Aber: Es ist ein Junge!
Der Thin White Duke gilt als einer der Wegbereiter der Androgynität im Rock: bereits 1971 zeigte sich David Bowie auf dem Cover seines Albums "The Man Who Sold The World" in einem Kleid. Etwas zu scharf für die damalige Zeit, 1972 erschien deshalb eine weitere Auflage des Longplayers mit etwas züchtigerem Outfit. Dennoch behielt Bowie in den Siebzigern seine provokante Linie bei. Besonders stark spielte der Brite mit bisexuellen Anspielungen rund um das Album "The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars". Seine Provokationen ebneten den Weg für nachfolgende Glamrock-Acts wie T.Rex und The Sweet, die in ihrer Bühnenoptik ebenfalls den geschlechtlichen Doppeldeutigkeiten frönten. Im neuen Jahrtausend wird das Gerücht kolportiert, Bowie hätte mal was mit Stones-Chef Mick Jagger gehabt – ob Dichtung oder Wahrheit, ist bis heute nicht ganz klar.
Placebo-Sänger Brian Molko schmückt sich gerne mit Nagellack, Lippenstift oder Eyeliner. Die leicht feminine Gesichtsform des schlanken Musikers ergänzt das androgyne Erscheinungsbild nur zu gut.
Bei Bryan entsteht die Bisexualität wie - so oft - aus Rebellion: Schon als Teenager kann seine Familie nichts mit seiner künstlerischen Ader anfangen, er hingegen nichts mit deren Wunsch, als Bankier Karriere zu machen. Folglich kleidet er sich betont weiblich, benutzt Kosmetik und hört bevorzugt Glam-Rock. Kein Wunder also, dass er sich in späteren Jugendjahren als bisexuell bekennt. Heute ist Brian Vater eines siebenjährigen Sohns, Mutter ist die Fotografin Helena Berg.
Welcher Mann kann schon von sich behaupten, in einer weiblichen Rangliste aufzutauchen? Bill Kaulitz jedenfalls landet seit 2007 bei der Wahl des Männermagazins FHM ununterbrochen unter den 100 Unsexiest Women. Kein Wunder: Seine gertenschlanke Linie ließ Gerüchte über Essstörungen aufkommen, sein sehr weiblicher Look polarisiert, seitdem Tokio Hotel bekannt wurden.
Bill trägt nicht nur gerne dick geschminkte schwarze Augen, sondern auch eine Turmfrisur, für die er seine Mähne regelmäßig mit Tonnen von Haargel quält. Vermutungen, er sei homo- oder bisexuell, wies der Sänger allerdings stets zurück.
Lasziv und mit Gender-Rollen spielend, verwirrte der Suede-Sänger am Anfang seiner Karriere die zahlreichen Fans. Geschadet hat es ihm ganz sicher nicht.
Seine Stimme vereint schwarz und weiß, klingt sowohl nach Mann als auch nach Frau, und hinterlässt neue Hörer meist etwas verwirrt: Antony Hegarty, Sänger der Black Lips und Kopf der Band Antony And The Johnsons, ist nicht nur vom Aussehen her etwas unbestimmt. Schon als Teenager begeisterten den New Yorker die Stimmen anderer androgyner Sänger, wie etwa Marc Almond und Boy George. Heute verarbeitet seine intersexuelle Persönlichkeit in seinen Texten.
Als Marc Almond 1981 mit seiner Band Soft Cell mitten in der New Romantics-Welle zu Ruhm kam, gehörten Make-Up und Hosen aus goldener Ballonseide im Pop-Business zum guten Ton. Schnell avancierte Almond zum Textil-Flamingo und Vokalakrobat seiner Zeit.
Als glühender Anhänger des Kabaretts war es für ihn zudem eine Selbstverständlichkeit, seinen theatralischen Impulsen nachzugeben und Übertreibungen sowohl in textlicher als auch darstellerischer Hinsicht hemmungslos auszuleben. So viel Mut zum Kitsch hatten selbst zur damaligen Zeit nur wenige.
Passenderweise hieß das Gossip-Album "Music For Men", auf dem Hannah Blilie fürs Cover posierte. Wüsste man es nicht besser, man hielte sie tatsächlich für einen Mann.
Der Prototyp des Männer verschlingenden Vamps: Grace Jones spielte jahrelang erfolgreich mit ihrem Image. Nicht umsonst ließ sie sich im Sakko abbilden und als "One Man Show" betiteln.
Wer kennt sie nicht, die blonde oder auch anfangs pinke Powerfrau, die seit ihrem Nummer Eins-Hit "Get The Party Started" nicht mehr wegzudenken ist? In der Folge errang sie drei Grammys und unzählige MTV Awards. Ihr Aussehen ist einzigartig für solche Größen im Popgeschäft. Baggy-Jeans, Tanktops und die burschikose Kurzhaarfrisur machen Pink zu einer selbstbewussten, energiegeladenen Lady.
Michael Jacksons Verwandlung vom schwarzen Jungen der Jackson Five zum weißen Megastar mit dem Puppengesicht ist bis heute einzigartig. Doch auch bei der Geschlechterdefinition setzte Jacko sich mit seiner hohen Stimme und seinem eigenwilligen Gang zwischen alle Stühle. Er thematisierte diese Unendschiedenheit sogar in der berühmten Morphing-Szene von "Black And White", in der Mann-Sein und Frau-Sein fließend ineinander übergehen. Allerdings wirkte Jackos Androgynität nie so anziehend wie die anderer Stars. Jacko war nie ein Sex-Idol, bis zu dem schlagzeilenträchtigen Prozess wegen Kindesmissbrauchs betrachtete ihn die Öffentlichkeit eher wie ein völlig asexuelles Wesen.
Marlene Dietrich gilt neben Hildegard Knef und Romy Schneider als eine der größten Leinwandlegenden, die Deutschland hervorgebracht hat. Sie verbucht auch internationalen Erfolg und wird 1930 sogar für einen Oscar nominiert. Musikalisch lässt das Multitalent ebenfalls nichts aus: Mit Chansons wie "Sag Mir, Wo Die Blumen Sind" oder "Lili Marleen" erreicht sie große Beliebtheit. Zu ihren Markenzeichen zählen ihre langen Beine, ihre rauchige, maskuline Stimme und die von ihr getragenen Hosenanzüge, heute noch als Marlene-Hosen bekannt.
Ein Tausendsassa, nicht nur in der Musik. Auch sein Klamotten-Stil und sein Image machten diverse Wandlungen durch. Auf "LoveSexyy" ließ Prince sich noch schwülstig nackend ablichten, dass man denken könnte, von diesem Cover habe Paradiesvogel Harald Glööckler die Inspirationen für seine Outfits her. Später war er der Latin Lover à la Don Juan. Mal so, mal so.
Lang outete sich schon früh als lesbisch. Ihr Outfit orientierte sich eher am männlichen Stil.
Tyler war zwar unter anderem wegen der Hühner im Rock'n'Roll-Zirkus und legte alles flach, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Sein Outfit wirkte jedoch nie so ganz männlich. Erst im gesetzten Alter zog er sich die Blue Jeans an, wo er sich in den Siebzigern noch Wallawalla-Schals und allerlei Tüddelkram um den Hals oder sonstwo drapierte.
Für Vince Neil gilt das gleiche wie für Bret Michaels. Wer in der Hair-Metal-Szene von LA in den Achtzigern etwas auf sich hielt, stylte sich so.
Pink ist jetzt nicht soooo androgyn wie die anderen finde ich. Aber die Liste geht in Ordnung.
ein wenig fehlen tut mir allerdings Marlilyn Manson, bzw. vor allem halt ... in Mechanical Animal. (und ja, das Album find ich heute noch klasse
)
Unglaublich wie gut David Bowie früher aussah. Die Präsenz des Herrn Kaulitz durchkreuzt aber die eigentlich hohe musikalische Kredibilität der meisten, hier versammelten Person.
Allerdings, da war das androgyne Image nicht Unterstrich für die Musik, sondern maßgebliche Triebfeder der Vermarktung (Kaulitz).
Hannah BLILIE, nicht Billie, heisst die Drummerin von Gossip, deren Foto auch dem Artikel oben rechts anheftet. Da es in Überschrift und Text falsch geschrieben ist, muss ich davon ausgehen, dass es kein Tippfehler eurerseits war. Sie ist i.Ü. die Zwillingsschwester von Jordan Blilie (Ex-The Blood Brothers, Head Wound City, Past Lives).
Hat man sich für die Freitags-Chart quasi mal von Forendiskussionen inspirieren lassen oder was ist los?
Ui, da habt ihr aber einige vergessen. Freddy Mercury, Mick Jagger, Sigue Sigue Sputnik, Robert Smith, Tracy Chapman, Peter Murphy zu Bauhaus-Zeiten, Madonna hatte auch mal so Anwandlungen, Blixa Bargeld, Matthew Bellamy in der Frühphase von Muse, diese eine Sängerin von Human League, Alison Moyet bei Yazoo ...
Wobei das noch nicht mal was über die sexuelle Orientierung der Person aussagt, aber wir wollen hier nicht ernsthaft in eine Gender-Disskussion einsteigen, oder?
)kennt zufällig jemand den bulgarischen sänger Azis? würde großartig reinpassen.
http://userserve-ak.last.fm/serve/500/27326917/Peter%2BMurphy.jpg
mein favorit peter murphy dazu auf laut.de:
"Du weißt ja, dass ich mich mein öffentliches Leben lang schminke. Ich lege auch großen Wert darauf, sagen zu dürfen, dass es nichts und gar nichts Homosexuelles an sich hat, wenn Männer gekonnt Make Up nutzen und einen eigenen - ganz ungeprägten - Sinn für Schönheit entwickeln. Man kann eine oder besser: Jeder kann seine eigene Art herausfinden, mit der man die eigene Wirkung bewusst unterstreicht. Es geht mir sehr gegen den Strich, wenn man damit immer sofort in der bestimmten Ecke landet. Es geht doch immer um Facettenreichtum. Zumindest bei mir"
http://www.laut.de/Peter-Murphy
Wie kann sein, dass ihr dann Tom Gabel/Laura Jane Grace von Against Me vergessen habt?
@this beautiful creature: Und das ist auch gut so!
Möchte sonst noch jemand Popcorn?
Edit sagt: Sir Reginald Kenneth Dwight aka Elton John wurde auch vergessen.
Ach, ich les jetzt erst den unsäglichen Einleitungstext... Kinsey, for real?!
Androgynie bezieht sich mehr auf das psychosexuelle, weniger das biologische Geschlecht eines Menschen und ist unter Heterosexuellen so sehr verbreitet wie unter Homosexuellen.
Eine androgyne Selbstdarstellung lässt noch keinen Rückschluss auf die sexuelle Orientierung der sich darstellenden Person zu.
Ein Beispiel ist die in den 00er-Jahren populärwissenschaftlich bemühte Metrosexualität, die jedoch kein eigenständiges Konzept der menschlichen Sexualität darstellt, sondern viel mehr einen heterosexuellen, in der optischen Erscheinung androgynen oder femininen Mann beschreiben soll, der sich zudem zu einem gewissen Grad dem weiblichen Schönheitsideal der westlichen Welt und ggf. den zur Erlangung/Erhaltung "notwendigen" Prozeduren unterzieht (Make-up, Mani-/Pediküre etc.) - was den femininen Anteil seiner psychosexuellen Persönlichkeit ausmacht und ihn somit in der Kategorisierung zum "Androgynen" macht. Mal so ganz "lasch" formuliert.
Aber Bisexualität mit Androgynie gleichzusetzen bzw. zu bebildern zum Tag der Bisexualität, das ist schon irgendwie fail. Schuster bleib bei deinen Leisten.
Nachtrag: Selbstverständlich muss man noch zwischen Androgynie im Alltag und ihrer Darstellung in der Kunst unterscheiden. Beleuchten, zu welchem Zweck diese Darstellung gewählt wurde, und von wem, soweit möglich.
Würdet ihr diese Freitagslisten nicht als trashiges Fast-Food-Wochenend-Dingens aufziehen und hättet stattdessen bei wenigeren Künstlern deren tatsächliche Sexualität in Relation zu ihrem androgynen Auftreten und der Bedeutung dessen in ihrem kreativen Schaffen beleuchtet, hättet ihr wohl einen wirklich wertvollen Beitrag zu einem Tag der (Bi-)Sexualität und der Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierungen leisten können.
So bleibt es ein halbherziges Aufspringen auf einen Zug, der halt eh gerade vorbei fährt, egal wohin...
Als ob Androgynie überhaupt existieren würde... Ästhetik ist nicht prädiskursiv, sondern ein ästhetisches Produkt; dass Androgynie insofern nur ein soziales Konstrukt ist...
Hehe.. die beiden sind echt gut. Natürlich hat Androgynität nicht zwingend was mit Bisexualität zu tun, doch ist die Bisexualitäts-Quote derer die sich Androgyn geben sicher höher als bei "weiblichen Frauen" und "männlichen Männern". Da hab ich natürlich keinen Beleg für, aber ich würde meinen Arsch verwetten, dass das so ist.
@JaDeVin
Wie spricht man deinen Namen eigentlich aus? Französisch? Also eine Mischung aus Jardin und vin?
also ich fühl mich recht wohl als katze mittlerweile, ... die tatsache dass ich mich in avatarischer selbstperception nun als "katze" und nicht als "kater" sehe, heißt dass ich bin jetzt auch androgyn? natürlich könnte katze auch als hyperonym für die ganze biologische gattung oder art gesehen werden .. hach, dieser thread wirft soviele fragen auf ... scheiß gender mainstreaming
^
Was? Andro griech. für Mann, gyn griech. für Frau. Wieso bist Du als Katze jetzt "androgyn"?
Und was das jetzt mit "gender mainstreaming" zu tun hat...
Pink mag zwar kein grundsätzlich androgynen Kleidungsstil mehr pflegen, aber ihr Körperbau ist es definitiv - hat was von 'ner Schwimmerin. Besonders der Taillenbereich sieht männlich aus. Abgesehen davon schätze ich mal, dass mindestens die Hälfte der Fangirls in sie verknallt sind. Sehr viel anders kann ich mir ihren Erfolg (und mir ist sie sehr sympathisch) nicht erklären.
Chris Corner hätte ich noch erwartet, oder auch Justin Bieber, haha. Nein, aber interessante Liste. Scheiß auf Geschlechterrollen, wir sollten eigentlich darüber hinweg sein.
Hier mal ein paar Bilder, damit sicher jeder das seine machen kann. http://www.fan-lexikon.de/musik/pink/bilder/l/pink-2009-3-15580.jpg
http://www.usmagazine.com/uploads/assets/articles/28313-write-a-fashion-police-comment-for-pink/1253287738_pink-290.jpg
http://www.mattheys.de/images/stories/Pink-Trouble.jpg
http://www.fan-lexikon.de/musik/pink/bilder/l/pink-greatest-hits-so-far-1-15571.jpg
http://www.fan-lexikon.de/musik/pink/bilder/l/pink-2009-8-15586.jpg
Ach was, Humbug. Kampflesben-Style ist das hier (Achtung harter Tobak):
http://media.de.indymedia.org/images/2006/10/159745.jpg
http://fakten-fiktionen.net/wp-content/uploads/2012/08/DiskriminierteKampflesbe.jpg
http://www.abload.de/img/imageso4o47.jpg

http://gi85.photobucket.com/groups/k48/FZ98J4D1YF/Pink020502.jpgHm. Brian Eno fehlt, klar.
Pete Burns (Dead Or Alive) übrigens auch. Damit meine ich den 80er-Jahre-Burns, nicht den heutigen Pete-Burns-Verschnitt (ich weiß, billiges Wortspiel, gehört aber so).
Und Conchita Wurst ... ähm ... ach, egal.
Gruß
Skywise
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