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Die britische Krawallnudel Nummer eins ist endlich auch in Deutschland gelandet. Was die Dame abseits ihrer Sangeskarriere alles vom Leder zieht, entbehrt ja nicht einer gewissen Komik: Pöbeleien, Besuffski-Auftritte samt Abgang nach fünf Minuten, ebensolche TV-Darbietungen vor einem britischen Millionenpublikum - Amy scheint das alles nicht ganz so bier(!)ernst zunehmen. Alles auch ok, solange sie uns nicht frisch vom Schönheits-Chirurgen kommend mit Minipli von Hochglanz-Fotos angrinst.
Derzeit sind wir davon aber - Gott sei es gedankt - meilenweit entfernt. Das macht Amys zweiter Streich deutlich, der mit ihrem Debüt kaum mehr etwas gemein hat. Die jazzigen Anteile von "Frank" sind lediglich noch in Ansätzen hörbar. Stattdessen bemerkt man den proportional gestiegenen Anteil an Elementen, die im Sechziger-Pop zu verorten sind. Die Single "Rehab", die über ihr, nennen wir es mal, angespanntes Verhältnis zu Moralaposteln und Besserwissern referiert, legt hiervon beredtes Zeugnis ab: "The man said why are you here, I said I got no idea." So einfach können die Dinge stehen.
Scheinbar ebenso leicht und locker wirft die dürre Britin zehn Songs ins Rennen, die allesamt ohne Ausfall durch die Trackliste marschieren. "Rehab" ist zwar einer der besten und der eingängigste Track, aber die Winehouse hat trotzdem eine Stilvielfalt zu bieten, die vom Gesang und Songwriting her kaum Wünsche offen lässt. Als da wäre der mittels Hip Hop-Anleihen schmuftelnde Beat von "You Know I'm No Good", an dem sogar ein Ghostface Killah Gefallen gefunden hat und ihn auf seinem Album "More Fish" verbrät.
"Just Friends" beginnt vollkommen cheesy und lässt zuerst Befürchtungen aufkommen, Amy würde sich an Standard-Schnulz versuchen, den heutzutage kein Mensch mehr braucht. Aber dann! Wie aus dem Nichts ändert das Schlagzeug die Richtung und transformiert die vormals sanft klingenden Hi-Hats mit energischem Rumms in Richtung Off-Beat. Ab da schiebt der Rhythmus so gnadenlos obszön über eine tief grummelnde Basslinie dahin, dass die Bass-Tröten im Background die Libido-Hormone im Lendenbereich optimal zur Geltung bringen. Und immer wieder Amys Stimme: Ohne gekünstelte Phrasierungen hört man trotzdem, dass da keine Anfängerin am Werke ist. Sie hat es nicht nötig, einen Song mittels vokaler Selbstdarstellung seiner Anziehungskraft zu berauben.
Dramatische Gesten bewältigt sie ebenfalls mit einer Selbstverständlichkeit, die erstaunt. Im Titeltrack fügen sich Text und Sound zu einem düsteren Bild voll Seelenpein. Die hier noch vergossenen Tränen trocknen kurz darauf im sinnig "Tears Dry On Their Own" betitelten Swing-Potpourri. Die auf kompletter Albumlänge tönende Lässigkeit, mit der Amy eine überzeugende Komposition nach der anderen aus dem Ärmel schüttelt, macht nicht nur Spaß, sie rockt auch im positivsten Sinne.
Der Tanz auf dem Vulkan, auf des Messers Schneide, im Grenzbereich zwischen Manie und Spaß bis zum Anschlag scheint dem künstlerischen Output bislang nur gut getan zu haben, drehen sich ihre Texte doch um Erfahrungen, die genau von diesen hedonistischen Tendenzen herrühren. Dem Hörer kanns eigentlich egal sein, nur ein paar Pfund darf Amy dann doch wieder zunehmen. Eine Bitte noch für die Gesundheit: lass die Finger von Pete.
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Leider kenne/habe ich - bislang - nur das erste Album. Das wird sich ändern. Denn Amy Winehouse ist auf jeden Fall großartig. Hat sich auch schon herumgesprochen:
--> http://www.rocklistmusic.co.uk/mojoend.html#2006
Bei der Gelegenheit übrigens... siehe auch: Vetiver (Rang 6). Hier leider etwas untergegangen.
was spricht dagegen musikempfehlungen zu machen? nur weil kukuruz nicht für jede x-beliebige mp3 einen crazy, innovativen thread aufmacht?
achja, vergessen zu zeigen, dass man madame newsom nicht mag, darf man niemals vergessen. niemals.
@ topic: scheint interessant zu sein. mal näher reinhören.
nein, es geht eher darum, dass Kukuruz in jedem noch so unpassenden Thread auf seine Lieblinge hinweisen muss. Manchmal kommt es einem vor, als würde ihn das Thema als solches gar nicht interessieren, hauptsache er bringt eine seiner Empfehlungen unter.
kleine Kritik, hat hier auch nichts zu suchen. Ansonsten nichts gegen kukuruz persönlich und nichts gegen frau newsom
@topic: nennt man das jetzt "Contemporary R n B" (zitat: caliban)? Ich hätte da jetzt Soul zu gesagt und schlecht ist das nicht
Nun regt euch nicht künstlich auf. Ich hab' das Album einfach noch nicht. Das Thema interessiert mich sehr wohl. Ich hab hier im Forum schon bestimmt fünf sechs mal was zu Winehouse gepostet. Denke, in zwei drei Tagen habe ich's und werd's auch gehört haben. Das Video oben ist jedenfalls schon mal gut.
oder Neo-Soul. Soul stimmt aber sicher auch, ist ja nicht wichtig, jedenfalls bin ich nach einem ersten Durchgang bei der Meinung angelangt: Bestes R'n'B-Album des letzten Jahres.
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Hab mir das Album Freitag geholt und ein paar mal durchgehört. Ihr Debut-Album "Frank" von 2004 auch. Ein bisschen gehts mir bei der Platte wie bei Matt Ward's "Post War": Alles toll. Großartige Songs ("Rehab" natürlich, aber auch - fast noch mehr "Just Friends" mit seinen Offbeat-Einlagen). Aber im Vergleich zu "Frank" scheint mir da eine ziemliche Portion künstlicher Fifties-Patina auf diesem Album zu liegen. Ist dagegen was einzuwenden? Sicher nicht. Aber Titel wie "In My Bed" oder "F*k My Pumps" - sind die nicht irgendwie .... zeitgemäßer? Die Gemeinsamkeit ist dieser großartige, immer etwas lakonische, manchmal geradezu abfällig klingende Soul-Gesang. Der Verzicht auf jedwede Art von Glanz und Glimmer. Und natürlich eine Handvoll toller Musiker.
"Back To Black" hat darüber hinaus einige etwas pathetische, soundtrackartige Momente (der Titelsong vor allem), die mir nicht ganz so liegen. Dafür fehlen diese zurückgenommenen, leisen Nightclub-Jazz-Passagen von "Frank" ("I Hear Love is Blind", "There's No Greater Love" ...) leider ganz.
Einiges ("Lover Is A Losing Game", "He Can Only Hold Her" zum Beispiel) klingt wie eine dieser obskuren Northern Soul-Platten von Mitte/Ende der 60er.
Ich will den Fachleuten gern glauben, dass "Back To Black" das bessere Album ist. Möglicherweise sind die beiden Platten aber nur bis zu einem gewissen Grad überhaupt vergleichbar.
ich schätze, ich würde das wohl ziemlich gleich sehen wie du, würde ich "Frank" kennen.
Diesen süsslich-melancholischen Pathos im Titeltrack mag ich aber irgendwie schon sehr.
"Just Friends" find ich auch toll, verleiht dem ganzen wirkliche Vielfalt.
[quote:50a51aa7c2="|Eclipse"]ich schätze, ich würde das wohl ziemlich gleich sehen wie du, würde ich "Frank" kennen.
[/quote:50a51aa7c2]
Lohnt sich auf jeden Fall, mal reinzuhören. Anspieltipp: "In My Bed". Ich weiß gar nicht mehr, wie ich drauf gekommen bin. Es gab einen bemerkenswerten Videoclip bei einer der letzten "Fast Forward"-Sendungen. Oder ich hab sie spätnachts auf Berlins Jazz Radio 101.9 gehört. Würde absolut passen.


im gesamten betrachtet hat "Back To Black" (in meinen ohren) einfach die besseren songs. auf "Frank" gabs im gegensatz zur neuen den einen oder anderen füller.Diese Mischung aus Aretha Franklin-Soulgesang und unverweichlichtem Ska-Rhythmus in "Just Friends" - "beseelte Musik" fürwahr. Im Innencover gibt's übrigens 'ne Widmung für "The Specials". Absolutes Must Have-Album - auch für Gelegenheits-Soul-Hörer (wie mich).
[quote:8266036dce="|Eclipse"]ich schätze, ich würde das wohl ziemlich gleich sehen wie du, würde ich "Frank" kennen.
[/quote:8266036dce]
Unbedingt nachholen! Wobei sich bei mir nur "Stronger than Me" und "Help Yourself" bis heute gehalten hat. Nichtsdestotrotz ein großes Album.
werd ich machen. 
"Back To Black" mausert sich unterdessen gar zum Favoriten für den Moment, diese Streicher! Richtig lässig find ich auch die Tracks, in denen diese ganz klassischen, frühen 50s/60s-RnB/Soul-Elemente durchdringen ... wie etwa "Me Mrs Jones"
Auf dem neuen von A.Winehouse sind zwar viele eingängige Tracks drauf, die direkt beim ersten Hören ins Ohr gehen, aber bei vielen Nummern wird man wird leicht überdrüssig, weil die Songstrukturen doch recht einfach sind.
(Ganz im Ggs. zu "Frank"
Viele der Tracks wirken dann doch so, als hätte man sie schon mal so gehört. Damit meine ich jetzt nicht nur den Beginn von "Back to black", der "Babygirl" = Diana Ross & Motown- Girlgroup abgekupfert wurde, sondern auch zB "He can only hold her", was einer Nummer von John Legend aus seinem neuen A. ziemlich ähnelt. Ebenfalls kommt mir Me and Mister JOnes sehr bekannt vor.
Nach mehrfachen Anhören bleiben jedohc Nummern wie "Addicted" (man achte auf die unverkrampften lyrics) und das geniale "just friends" über. Leider ist das bessere Remix von you know i`m no good nur auf der LP von Ghostface Killah zu hören.
Allein die Stimme von A.Winehouse, die sich fernab von jeder Durchschnittlichkeit bewegt, ist es wert sich das Album zu besorgen.
Amy Winehouse Acoustic-Performance-Bootleg: http://rapidshare.com/files/16043856/Amy_Live_Acoustic.zip.html
Danke Patrick
You know I'm good ist für mich der vollkommen herausragende Song auf dem Album, und in der Acoustic Version ebenfalls&anders bezaubernd!!
Amy,komm nach Deutschland!
I cried for you on the kitchenfloor 
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