Porträt

laut.de-Biographie

Alphonso Williams

Er gilt als "der Papa der Staffel", inszeniert sich als "Mr. Bling-Bling", Dieter Bohlen freut sich, dass er das Format überhaupt gefunden hat, Mit-Jurorin Michelle preist ihn sogar als "das Herz von DSDS". Und tatsächlich gewinnt er am Ende die 14. Staffel von DSDS. Dennoch läuft die Kandidatenkarriere von Alphonso Williams holprig an.

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Der über zwei Meter große Amerikaner reißt zwar alle vier Juroren im Casting und Recall immer wieder vom Hocker, seit er erstmals mit einem Marvin Gaye-Klassiker im Gepäck durch die Tür spaziert. Von Runde zu Runde reicht die Jury ihn weiter, lobt seine Darbietungen, seine Ausstrahlung und nicht zuletzt die freundliche Fürsorge, mit der Alphonso weniger selbstsichere Mitbewerber von "Deutschland sucht den Superstar" auf Kurs hält.

Sein Einzug in die Live-Shows scheint besiegelt, als er am Ende des Auslands-Recalls in Dubai unter den verbliebenen Kandidaten steht. Um so größer das Unverständnis, als Alphonso eine Woche später doch nicht mitsingen darf: Zusammen mit zwei anderen Kandidaten wurde der Staffel-Senior klammheimlich aussortiert.

"Als ich rausgeflogen war, ist für mich eine Welt zusammen gebrochen", beschreibt Alphonso seine Gefühle. "Ich hatte viel Hoffnung in diese Show gesetzt, habe alles gegeben, was ich kann, und es lief gut und war richtig schön für mich. Deshalb hat mich die Entscheidung, mich rauszunehmen, enttäuscht. ... Mir wurden keine Gründe genannt. Ich habe total gelitten."

Das verbliebene Publikum, das der abgewrackte Casting-Kahn noch nicht vergrault hat, reagiert noch ungnädiger. Der (vielleicht auch einkalkulierte) Sturm der Entrüstung, der auf RTL herniederprasselt, sorgt jedenfalls dafür, dass sich doch ein Hintertürchen findet. Per Wildcard-Regelung darf einer der aussortierten Kandidaten zurückkehren. Alphonso schlägt seinen Konkurrenten Benjamin Timon Donndorf mit 91 Prozent der Zuschauerstimmen aus dem Rennen und ist selbst wieder mittendrin.

"Uns, der Jury, wurde gesagt, aus irgendwelchen Vertragsgründen könne er nicht weiterkommen", spielt Dieter Bohlen den Ahnungslosen. Genaueres erfährt der Zuschauer nicht - auch nicht, warum man rechtliche Probleme nicht hat kommunizieren können oder warum der angeblich ebenfalls aus vertraglichen Gründen ausgeschiedene Kandidat Andrea Renzullo die Wildcard-Chance nicht eingeräumt bekam.

Alphonso jedenfalls meldet sich mit Funk- und Disco-Hits der Kaliber "Car Wash", "Disco Inferno" oder "I Feel Good" zurück und kassiert von Publikum wie Jury gleichermaßen stehende Ovationen. Dass seine Interpretationen gesanglich zuweilen arg dünn ausfallen, stört offenbar niemanden mehr - oder darf keinen mehr stören. Er zieht triumphal ins Finale ein.

Nicht überhören lässt sich, dass Alphonso eine lange musikalische Geschichte mitbringt. Kein Wunder: Geboren als jüngstes von zwölf Geschwistern am 20. Juli 1962 in Detroit, wächst er nicht nur in einer musikalischen Familie, sondern auch in unmittelbarer Nähe des legendären Motown-Studios auf, wo die Soul-Größen sich die Klinke in die Hand geben.

Alphonso, selbst son of a preacher man, singt im Gospel-Chor der Kirchengemeinde seines Vaters, sitzt am Schlagzeug seines Großvaters und betätigt sich zudem in der Band seiner Schule als Rapper und Beatboxer. Nach seinem Highschool-Abschluss wählt er trotzdem keine künstlerische, sondern eine militärische Karriere: Er wird GI bei der US Army.

Alphonso Williams - Mr. Bling Bling Classics Aktuelles Album
Alphonso Williams Mr. Bling Bling Classics
Soul Classics, schön gelispelt.

1980 wird er in Deutschland stationiert, wo er bleibende Andenken findet: Als Alphonso drei Jahre später aus dem aktiven Dienst ausscheidet, hat er seine deutsche Ehefrau kennen gelernt, mit der er zwei Kinder haben soll. Auch hier spielt die Musik eine Rolle: Alphonso singt in der Tanzkapelle seiner Schwiegereltern. Später gründet er zusammen mit seinem Sohn Raphael das Duo Father & Son.

Gemeinsam wie jeweils solo nehmen die Williams-Männer an diversen Talentwettbewerben und Castingshows teil, unterstützen Charityprojekte, supporten unter anderem Geier Sturzflug oder die Hermes House Band. Alphonso, der, nach seinen Vorbildern gefragt, die wunderliche Kombination aus George McCrae, Sasha und Lionel Richie nennt, gibt zudem Beatbox-Workshops.

Auf anderen Geschäftsfeldern läuft es weniger rund: Alphonso verspekuliert sich mit Mietgeschäften, die ihn an den Rand des Bankrotts führen. "Ich habe viel Geld gehabt, aber auch viel verloren", erinnert er sich gegenüber Closer. "Ich habe lernen müssen, wie es ist, wenn man zu Hause sitzt und verzweifelt ist, weil man seine Stromrechnungen nicht bezahlen kann. Wenn man arbeitslos ist und nicht weiter weiß."

Untätig herumsitzen kommt für Alphonso jedenfalls nicht in die Tüte. Er verdingt sich nötigenfalls auch als Automechaniker oder Fußpfleger, um über die Runden zu kommen. Ende 2016 jedoch begibt er sich auf einen Kreuzzug: "Ich habe immer jahrelang DSDS geguckt und möchte es gerne wieder dahin zurück bringen, wo es mal war", erklärt er.

Davor, zusammen mit dem maroden Format eine Bauchlandung hinzulegen, fürchtet sich Alphonso nicht: "Ich habe keine Angst davor, dass ich irgendwann zu den vergessenen DSDS-Kandidaten gehöre", gibt er sich im Interview mit Closer selbstsicher: "Ich bin sehr extrovertiert, sehr auffällig - und schließlich Mr. Bling-Bling."

Im Mai 2017 erscheint Alphonsos erstes, eigenes Album: Mit "Mr. Bling Bling Classics" präsentiert der Sänger ein Sammelsurium von Black-Music-Klassikern aus den Sechszigern und Siebzigern, allesamt auf seine eigene Art neu interpretiert.

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