laut.de-Kritik

Blue Eyed Soul mit elektronischen Grooves und Spielereien.

Review von

Vier Jahre nach "Pot Of Gold", einem kurzen Abstecher nach Kolumbien ("Look Around The Corner") sowie einem Gastauftritt bei David Byrne und Fatboy Slim ("Here Lies Love") kommt Alice Russell endlich wieder dort an, wo sie im Grunde hingehört: Zurück in die Arme von Alex Cowan aka TM Juke.

Gemeinsam stecken sie "To Dust" in ein enges, strenges Korsett, dass sich deutlich von "Pot Of Gold" abhebt. Schattenhaft unterlegen sie Blue Eyed Soul mit allerlei elektronischen Grooves und Spielereien.

"There's a river in my mind / and it won't stop running just for you / there's a thousand forest fires between us / and i can't get through." Der Schmerz der "Heartbreaker"-Suite durchdringt "To Dust". Er umfasst zwei Teile und ein Interlude, wobei sich Pt. 2 ulkigerweise vor Pt. 1 auf dem Album findet. Frau wird sich etwas dabei gedacht haben.

Der schwüle Soul-Gospel "Heartbreaker" erinnert mit seinen jazzigen Piano-Klängen, der purzelbaumschlagenden Gitarre und dem malmenden Beat an die großen Tage von Aretha Franklin und Pattie LaBelle. Dem entgegen steht das unterkühlt abweisende "Heartbreaker Pt. 2" und erinnert daran, dass alles was man aussendet, mit gleicher oder sogar verstärkter Intensität zurück kommt. "If a broken heart is what you give / remember that a broken heart is what you get."

"Hard And Strong" liefert modernen Soul-Pop. "You can't stop the lights from turning on / dull these words but back they come hard and strong." In Zeiten von Twitter und WikiLeaks wird das Versteckspielen für die bösen Jungs immer schwerer. Dabei klingt sie so energisch und catchy wie Roisin Murphy in besten Moloko-Zeiten.

"When we were young / with wild hearts and wild souls / beneath the dreams / an open sea / a life for miles / stretched out before." Nur wenige klare Percussions unterlegen die herbstliche Piano-Ballade "I Loved You". Ihr Text spielt wie fallendes Herbstlaub im Wind mit der Erinnerung an die große verflossene Liebe. Mit ungeschmirgelten Emotionen schindet sich Russell direkt ins Knochenmark. "But now I know / how it feels when it's cold / as the winter rose into your heart / And the tears row with words."

Vorbei an Douglas-Tannen führt der Nachhall eines Piano-Loops "Twin Peaks" zu tiefem Bass und einem schleppenden Trip Hop-Takt tief in die Nacht. Echo verschleiert Russells eindringliche Stimme. "Die Eulen sind nicht was sie scheinen."

"Let Go (Breakdown)" schnallt sich die schrammelnde Gitarre knapp unter den Hals. "Gotta get my mind clear / got nothing to lose / gotta get my pink stray / jazz away them blues." Ein Kontrabasslauf wie aus besten Beastie Boys-Tagen und ein jubilierender Beat stehen dem Text entschlossen entgegen. Hau ab, ich will jetzt tanzen. Let go!

Wie dem Cover scheint auch der Musik von "To Dust" ein Teil der Farbe entzogen worden zu sein. Ohne angestrengt oder gewollt zu klingen, verknüpfen Alice Ruseell und TM Juke die Vergangenheit mit der Zukunft zu ihrer eigenen Gegenwart. Im Herzen bleiben sie der Soul-Tradition verbunden, im Gedanken aber frei.

Trackliste

  1. 1. A To Z
  2. 2. Heartbreaker Pt. 2
  3. 3. For A while
  4. 4. Heartbreaker
  5. 5. I loved You Interlude
  6. 6. Hard And Strong
  7. 7. To Dust
  8. 8. I loved You
  9. 9. Twin Peaks
  10. 10. Heartbreaker Interlude
  11. 11. Let Go (Breakdown)
  12. 12. Drinking Song Interlude
  13. 13. Citizens
  14. 14. Different

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1 Kommentar

  • Vor einem Jahr

    Unglaublich gutes Album und wahrscheinlich viel zu sehr unterschätzt! Gefällt mir um Längen besser als "Pot of Gold".
    Es kommt selten vor, dass mir ein Album auf Anhieb sehr gut gefällt. Zuletzt war das bei Eméli Sandé der Fall. Ich finde hier schon nach dem ersten hören fast jeden Song stark. Da kann noch was draus werden.