laut.de-Kritik

Kreuz und quer durch das Vermächtnis schwarzer Musik.

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Als vor einiger Zeit das Gerücht die Runde machte, Aerosmith würden ein Blues-Album aufnehmen wollen, musste die zwangsläufige Reaktion vieler Fans zweifelsohne "na endlich" lauten. Zwar konnten Aerosmith im Anschluss an ihr Granaten-Comeback um "Permanent Vacation" und "Pump" mehr Platten unters Volk bringen als in den Siebzigern, aber kreativ ging's danach in den Neunzigern doch stetig bergab.

Erstaunlich viele überflüssige Kompositionen fanden sich auf ihren weiteren Veröffentlichungen. Vom unsäglichen Balladenmist mal ganz zu schweigen, der in keinster Weise den musikalischen und künstlerischen Fähigkeiten der Luftschmiede entspricht, und eher darauf abzielt, Feuerzeug schwenkende Jungs und Mädels unter der Bettdecke zu vereinen. Nachdem sich der Devotee schon von der Idee verabschiedet hat, der Bostoner Fünfer würde je wieder den Schmutz entdecken, aus dem Rock'n'Roll entstand, kam schon der nächste Tiefschlag: Auftritte mit N'Sync und Britney Spears beim Superbowl. Was sollte denn das bitteschön? "Oops, I Walked This Way Again"?? Wem da nicht schon das kalte Kotzen kam, dem blieb nur der Weg zur Sterbehilfe.

Und dann das hier. Blues, Boogie, Rock'n'Roll und sogar Gospel verpassen Steven Tyler und Konsorten eine nicht mehr für möglich gehaltene Frischzellenkur, die sich aber mal so was von gewaschen hat. Zwar sind elf der zwölf Tracks Coverversionen, aber lieber gut kopiert als schlecht selbst gestrickt. Und so holpert der Zug kreuz und quer durch das Vermächtnis schwarzer Musik.

Mundharmonika-Derwisch Sonny Boy Williamson, Delta Blues-Legende Fred McDowell und Chicago-Blueser Willie Dixon sind zwar alle schon unter der Erde, verhelfen den Altrockern indes zu neuem Leben. Slide- und Steelgitarre - so wohl noch nie im Mittelpunkt stehend - erden das Album auf einem ziemlich coolen Level. Zudem sitzt Jack Douglas, der 1977 auch "Draw The Line" knöpfchentechnisch unterstützte und einige Songs als Co-Autor mitverfasste, an den Reglern. Somit stehen alle Zeichen auf Rolle rückwärts.

Die bewältigt das Quintett mit der ausgezeichneten Note von 9,8. Zur zehn reicht es nicht ganz, denn für die Höchstnote bedürfte es schon ein wenig mehr eigenen Inputs. Spaßigkeit ob der dargebotenen Früchte der Schmiede-Arbeit ist indes trotzdem angesagt. Da die Middle Of The Road in den Neunzigern derart ausgelatscht ist, dass sie schon Hohlweg-ähnliche Ausmaße angenommen hat, spazieren Aerosmith abseits der kommerziellen Erfolgsgarantie.

Zwar klingen die Tracks für ihre Verhältnisse nicht gerade ungewöhnlich, versprühen jedoch eine lange vermisste Frische. "Roadrunner" bildet da den idealen Einstieg. Der Ausklang "Jesus Is On The Mainline" weckt Erinnerungen an "Hangman Jury". Dazwischen tummelt sich allerlei kurzweiliger Zeitvertreib. Nur komisch, dass ausgerechnet "The Grind" als einzige Eigenkomposition den Standard der Covers nicht ganz halten kann.

Es wäre ein vorschnelles Urteil, die Schmiede trotz vergangener Nulpigkeiten aufs Abstellgleis schieben zu wollen. Besonders jetzt, wo "Honkin' On Bobo" den Funken Hoffnung am Leben erhält, dass die Bostoner noch lange nicht fertig haben.

Trackliste

  1. 1. Road Runner
  2. 2. Shame, Shame, Shame
  3. 3. Eyesight To The Blind
  4. 4. Baby, Please Don't Go
  5. 5. Never Loved A Girl
  6. 6. Back Back Train
  7. 7. You Gotta Move
  8. 8. The Grind
  9. 9. I'm Ready
  10. 10. Temperature
  11. 11. Stop Messin' Around
  12. 12. Jesus Is On The Main Line

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