Porträt

laut.de-Biographie

35007

Der eine oder andere hat's vielleicht erkannt: 35007 ist die Postleitzahl des Städtchens Alabaster im US-Bundesstaat Alabama. Der Taschenrechner muss aber herhalten, will man wissen, was es denn mit dem kryptisch anmutenden Bandnamen bzw. der Zahlenkombination auf sich hat. Man tippe sie in den Taschenrechner und drehe den Apparat so, dass die Ziffern auf dem Kopf stehen. So gelesen, entpuppt sich 35007 als Loose. Eine weitere Deutungsmöglichkeit wäre die Referenz an die Alabama Kids, die Band, bei der Ex-Drummer Jacco Van Rooy und Bassist Michel Boekhoudt vorher spielen.

Anfang der Neunziger finden sich Mark Sponselee (Gitarre, Synthesizer), Bertus Fridael (Gitarre), Michel Boekhoudt (Bass) und Jacco Van Rooy (Schlagzeug) in Eindhoven unter dem Banner 35007 zusammen. Mit dem Sänger Eeuwout Baart musizieren sie auf den Spuren alter Heroen wie Led Zeppelin, Hawkwind, Pink Floyd und neuerer Combos wie Kyuss, Masters Of Reality, Monster Magnet oder Motorpsycho.

Wobei 35007 eher aus der psychedelischen Ecke kommen. Beeindruckende Klanglandschaften entstehen, wenn die Niederländer an ihren Instrumenten Riffs, Rhythmus-Fragmente und elektronische Versatzstücke in monumentale Songs gießen. Dabei scheint es ihnen enormen Spaß zu bereiten, diese mal eben so wieder einzureißen, nur um daraufhin mit Klangbauklötzchen den nächsten Sound-Turm in die Höhe zu ziehen.

1994 erscheint auf dem Label Lazy Eye das Debüt "Especially For You" in einer Kleinstauflage von 500 Vinyl-Scheiben. Bei der Fertigung geht aber einiges schief, so dass lediglich ein Fünftel der Auflage auf einem Plattenspieler gehört werden kann. Mittlerweile sind die Kopien eine gesuchte Rarität. Erst 1999 legt Stickman Records die Scheibe wieder neu auf, nachdem Lazy Eye zwischenzeitlich bankrott geht. Schon auf der ersten Platte deuten die Mungs an, welches Potential in ihnen schlummert. Progrock- und Psychedelicfans sind aus dem Häuschen.

Mit dem zweiten Album "35007 - Loose" landen sie den nächsten Kracher und verschaffen sich in der Indie-Gemeinde immer mehr Gehör. Auch hier gibt es faszinierende Klangmonster zu bewundern. Mal mit, mal ohne Gesang. Je nach dem was eben zur Stimmung des Songs passt. Live hantieren die Holländer verstärkt mit Dia- und Videoprojektionen, so dass ihre Gigs mehr sind als die reine Wiedergabe des Bandsounds. Die Musik gerät zum universellen Ereignis, dem man sich mit allen Sinnen hingeben muss, um ganz in den 35007-Kosmos eintauchen zu können.

Das Jahr 1997 steht - trotz der Veröffentlichung des selbstbetitelten Zweitlings - unter keinem guten Stern. Nach einem Konzert in der italienischen Kapitale Rom rauben Diebe den kompletten Tourbus mit allem Equipment. Dann steigen auch noch Schlagzeuger Jacco Van Rooy und Sänger Baart aus. Letzterer wandert aus und verabschiedet sich nach Australien. Um sich nach dem Diebstahl nicht in Schulden stürzen zu müssen, leihen sich 35007 ihre Ausrüstung kurzerhand bei befreundeten Bands und treten so bald wieder live auf. Unter diesen Umständen ist es kaum verwunderlich, dass es fast fünf Jahre dauert, ehe ein neues Album in den Läden steht.

Nach dem Abgang von Shouter Eeuwout machen 35007 aus der Not eine Tugend und mucken von da an ohne Gesang durch die weiten Welten des Rocks. Das 2003er "Liquid" markiert hier den ersten rein instrumentellen Release. So ganz ungewöhnlich ist der Schritt nicht, ohne Sänger weiter zu machen, liegt der Fokus ohnehin mehr auf der Musik als auf Texten oder Gesang. Als neuer Schlagzeuger fungiert Sander Evers, der als bekennender Fan der Band bestens zurecht kommt, schließlich hat er die meisten Stücke eh schon parat.

Auch wenn gerne der Eindruck entsteht, dass die 35007-Jungs verstärkt unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Substanzen musizieren, verwahren sie sich energisch dagegen. Selbst wenn es zu den Klischees über ihre Heimat gehört, bei ihrer Musik sind Drogen nicht im Spiel.

Alben

35007 - Phase V: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2005 Phase V

Kritik von Alexander Cordas

Kiffen ließe sich zu diesem Sound sehr wohl ... (0 Kommentare)

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